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Gerechtigkeit

Flüchtlinge bewerten ihre Lager auf Google Maps

09.01.2018, 11:13 · Aktualisiert: 09.01.2018, 11:48

Für Lesbos sieht es nicht so gut aus.

Das Smartphone ist die Wunderwaffe des modernen Lebens: Es zeigt den Weg, es übersetzt, es hilft beim Ticketbuchen, es listet Bewertungen von Restaurants, Hotels, Clubs. Früher gab es Karten und Bücher, heute passt das alles in ein einziges elektronisches Gerät – und das Leben ist durchorganisiert.

Auch für viele Flüchtlinge ist das Smartphone das wertvollste, was sie besitzen. Es ermöglicht gleichzeitig, den Kontakt zur Familie zu halten und sichere Routen zu suchen, es ist ein Speicher für wichtige Dokumente und man bekommt Informationen zu politischen Entwicklungen. Ein einziges elektronisches Gerät – und das Leben ist durchorganisiert.

So ist es wenig überraschend, dass auch Geflüchtete vermehrt auf Funktionen zurückgreifen, die viele eher aus dem Bereich Lifestyle kennen.

Zum Beispiel werden auf Google Maps Flüchtlingslager auf aller Welt bewertet.

Das ist möglich, weil Google Maps die Notcamps als Unternehmen freigibt und es Nutzern so ermöglicht, dazu Bewertungen abzugeben.

Die größten Flüchtlingscamps der Welt liegen nicht in Europa – sondern in Afrika und dem Nahen Osten. Allein Kenia beherbergt die vier größten Camps der Welt, mit je mehr als 85.000 Einwohnern. Dort suchen vor allem Flüchtlinge aus dem benachbarten Somalia Schutz. (Hier erfährst du mehr über die Lage in Somalia)

Das fünftgrößte Flüchtlingscamp, Zaatari, liegt in Jordanien. Es beherbergt knapp 79.000 Flüchtlinge, vor allem aus dem benachbarten Syrien (UNHCR). Deutlich kleiner sind die Camps in Europa, Camp Moria auf der Insel Lesbos war für 2000 Flüchtlinge ausgelegt. Momentan beherbergt es rund 6000 Menschen (Al-Jazeera).

So bewerten Flüchtlinge ihre Camps – in Europa schneiden sie mit am schlechtesten ab:

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Es sind insgesamt nicht viele Berichte, bei vielen Camps geben nur wenige Dutzend Flüchtlinge ihre Bewertung ab.

Ein Zeugnis für die Stimmung in den Lagern ist des dennoch: "Sie helfen Flüchtlingen, sich besser zu organisieren", sagt Mazen, "auch wenn viele nicht mitmachen".

Mazen lebt im irakischen Camp Dumiz, er ist einer von knapp 42.000 Flüchtlinge dort. Er floh aus Nordsyrien, als sein Heimatgebiet von der Terrormiliz "Islamischer Staat" überrannt wurde. Jetzt hilft er in einer NGO, um es anderen Flüchtlingen in Dumiz leichter zu machen.

"Wir haben hier viele Probleme", sagt Mazen. Hilfslieferungen seien knapp, vor dem nahenden Winter haben viele Angst. Nachts kann es Minustemperaturen geben, viele leben nur in Zelten. Auf Google darüber zu berichten, die Probleme sichtbar zu machen, helfe den Flüchtlingen – "und wenn es für sie darum geht, all den Frust mal aufzuschreiben".

Mal zynisch, mal bitter – das schreiben Flüchtlinge in den Kommentaren auf Google:

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Mazen hält die Kommentare für authentisch. Für eine realistische Bewertung reichen sie aber oft nicht; weil es einerseits nur wenige sind und andererseits viele ihre Sterne ironisch verteilen. Da wird dann Lesbos wegen seines "Meerblicks" aufgewertet – obwohl die Flüchtlinge nur in dürftigen Zelten am Strand campen.

"Vieles davon ist Quatsch", sagt Ahmad, der eigentlich anders heißt. Er ist ebenfalls aus Syrien geflohen – über die Balkanroute kam er Ende 2015 nach Österreich. Ahmad bestätigt zwar wie Mazen, dass die Google-Bewertungen tatsächlich stattfinden, glaubt aber nicht, dass sie von Flüchtlingen kommen, die wirklich noch in Camps leben müssen. Sondern eher von Flüchtlingen, die längst an ihrem Ziel angekommen oder weitergezogen sind.

"Die meisten Kommentare auf Google sind zynisch", sagt Ahmad. Entsprechend könne es gut sein, dass Flüchtlinge dort erst schreiben, wenn sie wirklich in Sicherheit sind. Die Sterne spiegeln laut Ahmad demnach nicht die ganze Wahrheit wider. Es sei schlimmer, als im Netz angegeben.

Was er meint, zeigt ein mutmaßlicher Bewohner von Moria. Der Nutzer hat dem griechischen Lager 5 von 5 Sternen gegeben. Und dazu geschrieben:

10/10 Empfehlungen, bleibt in diesem wunderschönen Hotel

So spiegelt Google Maps nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit wider. Wenn sich Flüchtlinge wirklich austauschen wollen, machen sie das vor allem in geschlossenen Gruppen auf Facebook.

Dort berichten sie von ihren Erfahrungen auf der Flucht oder von Bedingungen in Zielländern. Eine der größten Gruppen mit knapp 114.000 Mitgliedern heißt übersetzt "Ich bin Syrer im Libanon", andere Gruppen sind "Alles für irakische und arabische Flüchtlinge in Europa" (13.500 Mitglieder) oder "Syrisches Haus in Deutschland" (202.000 Mitglieder). Es gibt sie für viele Länder, in vielen Variationen.

  • Die Idee ist immer: Eine Plattform für Flüchtlinge schaffen.

Die Uno-Flüchtlingshilfe bewertet die Gruppen als positiv: Flüchtlinge könnten sich so gegenseitig helfen. Nicht immer ist aber klar, wer die Gruppen gegründet hat – und ob die Tipps authentisch sind.

Manche Gruppen sind unterwandert von Schleuserbanden oder anderen Gruppen, die am Leid von Schutzsuchenden verdienen wollen. Sie teilen dann irreführende Nachrichten über Visa-Bestimmungen oder Asyl-Regeln – und bieten gegen Geld eigene Hilfe an.

Die Bewertungen auf Google Maps sind daher ein potenzieller neuer Zugang – weil sie für ein Massenpublikum öffentlich zugänglich sind anstatt nur in einer geschlossenen Gruppe.



Tech

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