Gerechtigkeit

Dieses neue Gesetz soll endlich gleiche Löhne bringen – leider wird es nicht helfen

06.01.2018, 13:23 · Aktualisiert: 08.01.2018, 08:38

Egal wie man kalkuliert und selbst wenn man alle nur denkbaren Einflussmöglichkeiten herausrechnet, steht am Ende immer ein Ergebnis: Es gibt in Deutschland keine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Frauen verdienen auf den gleichen Positionen durchschnittlich immer noch sechs Prozent weniger als Männer. Und keine Branche ist von diesem Missstand ausgenommen.

Sechs Jahre nachdem die SPD-Fraktion den ersten Entwurf dazu vorgelegt hatte, gibt es nun endlich ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit. Der Name könnte bürokratischer kaum sein: Entgelttransparenzgesetz. Jeder soll erfahren können, was die Kollegen verdienen. Das ist ein logischer Schritt zu mehr Gerechtigkeit: Nur wer weiß, dass er diskriminiert wird, kann aktiv werden.

Aber leider ist das Gesetz nur ein Papiertiger. Verbessern wird es nichts.

Einen Auskunftsanspruch haben nämlich nur Frauen und Männer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten arbeiten - und die mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts haben, die einen gleichwertigen Job ausüben wie sie selbst. Aber was ist schon gleichwertig?

Für Arbeitgeber wird es leicht sein, sich hier herauszuwinden: Der Herr Meier trägt doch mehr Verantwortung! Und der Herr Schmidt hat schließlich mehr Kundenkontakt!

Selbst wenn eine Frau es schafft nachzuweisen, dass sechs Männer den gleichen Job machen wie sie selbst, erfährt sie nur einen Mittelwert. Genauer gesagt den Median der Gehälter. Das heißt: Wenn drei exorbitant verdienen und drei weitere unterdurchschnittlich wenig, bildet das noch immer nicht mögliche Gehaltsexzesse ab. Das sieht sogar das Familienministeriums so. In deren Leitfaden für Arbeitgeber heißt es dazu: Mit der Ermittlung des Medians sei "noch keine Entgeltdiskriminierung belegt".

Was passiert nun also, wenn eine Frau dank des neuen Gesetzes herausfindet, dass ihr Gehalt niedriger ist als der Median der Kollegen? Erst mal gar nichts!

Sie kann den Chef darauf ansprechen, klar. Wenn der sie abspeist – Pech gehabt. Dann kann sie sich höchstens auf das Allgemeine Geichbehandlungsgesetz berufen und eine Klage vor Gericht anstreben. Wie aussichtsreich so etwas ist, hat vor einem Jahr der Fall einer ZDF-Reporterin gezeigt. Sie wollte ihren Arbeitgeber dazu zwingen, ihr genauso viel zu zahlen wie ihren männlichen Kollegen - und musste sich vom Richter anhören, die Kollegen hätten eben einfach besser verhandelt. "Das nennt man Kapitalismus", belehrte er sie.


In Island wurde auch gerade ein Gesetz zur Lohngleichheit verabschiedet. Dort müssen Frauen jetzt nicht mehr von sich aus nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen ist es ab sofort Pflicht der Unternehmen, eine faire Bezahlung zu dokumentieren - und zwar bei einer Firmengröße ab 25 Mitarbeitern.

Das wäre auch für Deutschland der richtige Weg.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

Apropos Gleichberechtigung:


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Schwesta Ewa soll Polizei-Großeinsatz ausgelöst haben – mit einem Social-Media-Post

06.01.2018, 12:23 · Aktualisiert: 06.01.2018, 12:24

Am Freitag kam es in der Stuttgarter Innenstadt zu einem Großeinsatz der Polizei. Laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Stuttgart soll der Grund dafür ein Foto, ein "verdächtiger Post in den sozialen Netzwerken" gewesen sein, das eine 33-jährige Frau hochgeladen hatte. 

Und wer steckt dahinter? Schwesta Ewa.