16.04.2018, 12:01

Wir müssen über Sprache sprechen

Wir haben ein Sprach-Problem: Wir schreiben zum Beispiel über Politiker und über Erzieherinnen. Die Politikerin und der Erzieher sind dann mitgemeint. Gerecht ist das nicht.

In der deutschen Sprache haben viele Berufe ein Geschlecht sozusagen eingebaut: Der Politiker, der Polizist, der Arzt — früher einmal waren das tatsächlich nur Männer. Überhaupt prägten Männer lange das öffentliche Leben, die öffentlichen Debatten. Das hat sich geändert. Die Sprache hinkt hinterher.

Denn: Die männliche Form dominiert immer noch die deutsche Sprache. Wir sprechen von den Teilnehmern, den Demonstranten, den Zuhörern. Dabei sind nicht nur Männer gemeint. Das nennt sich generische Maskulinum.

Mittlerweile weiß man: Das ist keine gute Lösung.

Was hat bento gegen die männliche Form?

Erst gerade beschäftigten sich Gerichte in Deutschland mit dem generischen Maskulinum: Die 80-jährige Marlies Krämer fühlte sich von ihrer Sparkasse nicht angesprochen, weil sie in offiziellen Dokumenten immer nur "Kontoinhaber" genannt wurde.

(Bild: dpa/Oliver Dietze)

Erst hatte das Landgericht Saarbrücken ihre Klage abgewiesen, dann auch der Bundesgerichtshof. Die Begründung: Schon "seit 2000 Jahren" werde die männliche Form auch für Frauen verwendet. (bento)

Aber das stimmt nicht:

  • Frauen werden erst mitgemeint, seitdem sie sich mehr Rechte erkämpfen. Seit knapp 100 Jahren dürfen sie zum Beispiel in Deutschland wählen gehen, vorher waren mit “Wähler” tatsächlich nur Männer gemeint. Und auch eine eigenständige Kontoinhaberin gab es bis 1958 nicht: Bis dahin musste der Ehemann einer Kontoeröffnung zustimmen. (bpb)
  • Studien zeigen inzwischen: Frauen sind beim Generischen Maskulinum eben nicht automatisch mitgedacht, mitgemeint und mitgehört. Wenn Männer und Frauen zum Beispiel nach ihrem Lieblingsromanheld gefragt werden, dann nennen sie eher einen Mann, als wenn sie nach einem Romanheld oder Romanheldin gefragt werden. (Zur Studie, kostenpflichtig)
  • Auch kann geschlechtergerechte Sprache die Berufswahl von Kindern beeinflussen: Ging es um Ärzte und Ärztinnen, um Astronauten und Astronautinnen, dann trauten sich Mädchen in einer Studie eher zu, den Beruf zu erlernen. (Tagesspiegel)

Was ist mit Binnen-I oder Gender-Sternchen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen das generische Maskulinum zu tun. Dazu gehören neue Schreibweisen wie das Binnen-I und das Gender-Sternchen: Statt Politiker und Politkerinnen schreibt man dann von PolitikerInnen oder von Politiker*innen.

Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden.

Wie sieht unsere Alternative aus?

Schon jetzt achten wir darauf, Menschen nicht in starre Formen zu pressen, sondern in ihrer Vielfalt darzustellen. Wenn wir für unsere Geschichten rausgehen, sprechen wir mit Frauen und Männern und jenen, die sich weder dem einen noch dem anderen zugehörig fühlen. Mit Menschen jeglicher Sexualität. Und Herkunft. Und Ausbildung. Wir suchen bewusst nach Expertinnen, die uns Auskunft geben. Weil Experten uns schon oft genug die Welt erklären.

Außerdem wollen wir jetzt konsequent durchziehen, was wir ohnehin oft schon gemacht haben:

  1. Wir verwenden, wann immer es geht, die geschlechtsneutrale Variante: "Geburtsname" statt "Mädchenname", "Feuerwehrleute" statt "Feuerwehrmänner", "Studierende" statt "Studenten". Das schließt nämlich – ohne Sternchen und Unterstrich – alle Geschlechter mit ein. (Wer mitmachen will: Auf der Seite Geschickt Gendern gibt es Tipps.)
  2. Wir machen Frauen noch sichtbarer, indem wir zu Beginn eines Beitrags zunächst beide Formen verwenden, die männliche und die weibliche. Im Laufe des Beitrages wechseln wir, so dass Politikerinnen und Politiker, Erzieherinnen und Erzieher nebeneinander in unseren Texten vorkommen – genau, wie in der Realität.

Ob uns das immer gelingt? Wir bemühen uns.

Und: Wir werden weiter diskutieren.

Du hast Hinweise, Fragen oder Anregungen für uns? Schreib uns an redaktion@bento.de.


Musik

Nach Erpressungsversuch: Conchita Wurst erzählt von ihrer HIV-Infektion

16.04.2018, 11:23 · Aktualisiert: 16.04.2018, 12:07

"Ich gebe niemandem das Recht, mir Angst zu machen"

In einem Instagram-Post hat Conchita Wurst zum ersten Mal öffentlich über ihre HIV-Infektion geschrieben. Eigentlich sei das für die Öffentlichkeit irrelevant und sie habe es für sich behalten wollen, schrieb die Sängerin. Sie wolle allerdings einem Erpresser zuvorkommen.

"Ein Ex-Freund droht mir, mit dieser privaten Information an die Öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in Zukunft niemandem das Recht, mir Angst zu machen und mein Leben derart zu beeinflussen", schrieb sie in dem Post.