Bild: dpa / Markus Scholz

06.07.2018, 00:06 · Aktualisiert: 06.07.2018, 15:35

Ein Jahr nach dem Gipfel – was bleibt?

Hamburg vor einem Jahr: Junge Menschen sitzen am Eingang zur Sternschanze auf der Straße, mit einem Bier in der Hand protestieren sie gegen den G20-Gipfel, blockieren die Straße.

Massencornern gegen die Globalisierung.

Die Polizei spritzt mit dem Wasserwerfer, versucht die Menschen zu vertreiben. Immer wieder setzen die sich einfach wieder auf die Kreuzung am Eingang der Sternschanze.

Friedliche G20-Kritiker sehen zu, wie neben ihnen im kleinen Park immer mehr Leute schwarze Kapuzen aufziehen. "Haut ab", dröhnt es der Polizei entgegen. Schon damals liegt die Eskalation in der Luft.

Zwei Tage später brennen in einzelnen Straßen vor allem aber in der Sternschanze Autos und Barrikaden. Die Polizei greift spät ein. Der Gipfel gerät zum Desaster. Bilder von Bränden in der Sternschanze gehen um die Welt.

Genau ein Jahr danach sitzen hier erneut Hunderte Menschen auf dem Boden. Wieder cornern, wieder Bier; diesmal aber nur auf dem Rasen, die Straße ist frei. Auf einer Tafel steht ein Gruß an den ehemaligen Bürgermeister der Stadt und seinen Innensenator: "Olaf und Andi: Danke für nix!"

Wir haben die Leute gefragt: Was bleibt vom G20, ein Jahr danach?

Annika

Vom G20 erinnere ich vor allem diesen einen Moment: Ich stand mitten in der "Welcome to Hell"-Demo. Ich erinnere mich an die Menschenmassen, wir waren relativ weit hinten, durften gar nicht losgehen.

Ich wusste, dass es vielleicht eskalieren würde, dass beide Seiten, Polizei und einige Demonstranten, ein Interesse daran hatten. Als es vorne losging, sind ich und ein Freund die Treppen am Fischmarkt heruntergerannt, wir wollten uns dort heraushalten, hatten auch keine schwarzen Klamotten an.

Dann merkten wir: Vor uns steht die Polizei; hinter uns läuft der schwarze Block die Treppe herunter.

Mein Freund hat meine Hand genommen und gesagt: "Wenn ich 'jetzt' sag – lauf!" Ich habe mich dann auf der Straße einfach nur an die Häuserwand gepresst, gewartet bis alle an mir vorbei gelaufen waren.

Ich bin öfter auf Demos, auch am 1. Mai. Bis zu diesem Tag habe ich immer geglaubt, ich könnte noch rechtzeitig abhauen. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.

Reshan

(Bild: bento/Steffen Lüdke)

Vor einem Jahr saß ich genau hier, an der Straße, habe Bier getrunken. Es war der Tag vor der "Welcome to Hell"-Demo und gleichzeitig auch der letzte Tag des G20-Wochenendes, an dem ich vor die Tür gegangen bin.

Ich bin 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen. Auf der Flucht und in Damaskus habe ich natürlich Dinge gesehen, die wesentlich schlimmer waren als das, was hier passiert ist. Aber schon nach dem ersten Abend war es mir zu unheimlich.

Wir leben hier in einem Rechtsstaat, alle sind gleich – das habe ich gelernt. Aber in den Tagen nach dem G20 habe ich mich so oft gefragt, ob das wirklich stimmt.

Der Gipfel hat mir diese Gewissheit genommen. Denn beschützt hat die Polizei die Politiker in der Elbphilharmonie, nicht die normalen Leute. Die große Mehrheit der Polizisten waren zum Schutz der Staatsgäste abgestellt.

Währenddessen brannten in der Sternschanze die Barrikaden, normale Menschen waren in Gefahr. Meine Freundin konnte nicht zu mir kommen, sie kam nicht durch die Absperrungen. Ich habe mir Sorgen gemacht.

Besser wurde es erst, als die Politiker sicher waren. Dann kam die Polizei. Das ist nicht das, was ich von einer Demokratie erwartet hätte. Vor dem G20-Gipfel hätte ich all das hier nicht für möglich gehalten.

Thekla

(Bild: bento/Steffen Lüdke)

Für G20 habe ich mir Urlaub genommen. Jeden Tag demonstrieren, blockieren, laut sein, ich habe alles mitgemacht. An dem Tag, als die Schanze brannte, liefen Polizisten mit Maschinenpistolen an uns vorbei, voll in eine Gruppe rein. Das war wie in den Comics von Asterix und Obelix, man hörte nur "Aua" und "Hilfe".

Für mich war dieser Gipfel eine Farce. Und ich bin allen dankbar, die nicht müde werden, darüber zu reden. Vorher war ich bereits politisch, seitdem bin ich noch politischer.

Bis heute finde ich es nicht gerecht, was hier passiert ist. Auch deswegen bin ich hier.

Robin

Robin möchte lieber nicht erkannt werden.

Robin möchte lieber nicht erkannt werden.

Eigentlich war ich nur zum Gaffen da. Vor G20 war ich noch nie auf einer Demo, ich wollte mir das Spektakel mal angucken und bin in die Sternschanze gefahren.

Ich wohne in Uhlenhorst, die Anwohner dort haben von den Krawallen nicht viel mitbekommen. Bis auf die Landung von Donald Trumps Hubschrauber.

Mein Eindruck: Das ganze Wochenende lang lag der Hass in der Luft und bis heute wird hier in Hamburg mit dem Finger auf die anderen gezeigt. Polizei gegen Anwohner.

Beide Seiten geben sich kompromisslos. Schuldeingeständnisse gibt es auch von verantwortlichen Politikern und der Polizei kaum. Dabei müssten doch vor allem die offen mit Fehlern umgehen!


Trip

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05.07.2018, 22:00 · Aktualisiert: 06.07.2018, 08:39

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