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Gerechtigkeit

Von Großdemo bis Wasserschlacht: Die G20-Proteste auf einen Blick

23.06.2017, 11:01 · Aktualisiert: 23.06.2017, 12:44

Die Polizei stellt sich mit einem riesigen Aufgebot auf harte Proteste ein, wenn in zwei Wochen die Regierungschefs der G20-Staaten nach Hamburg kommen. Mit dabei sein werden US-Präsident Donald Trump, der türkische Präsident Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Während die Vorbereitungen laufen, damit Angela Merkel ihre Gäste wie geplant empfangen kann, nimmt auch der Widerstand immer mehr Form an.

Seit Monaten planen verschiedene Gruppen ihren Widerstand. Eigentlich hat die Stadt keine Lust auf Störungen und hat ein Demo-Verbot in der Innenstadt ausgesprochen. 27 Veranstaltungen sind trotzdem offiziell angemeldet und genehmigt.

Das Demo-Verbot wird viele G20-Gegner aber nicht daran hindern, dennoch spontan zu protestieren. Aber wer macht dabei eigentlich was? Wann finden die Aktionen statt? Und wo wird es gefährlich?

Das ist in Hamburg los – ein Überblick

Freitag, 23. Juni

18 Uhr, Wasserschlacht: Bei dieser inoffiziellen Aktion musst du Wasserbomben mitbringen und dann geht's ins Battle "Wet the Blue Zone" am Neuen Pferdemarkt.

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Samstag, 24. Juni

14 Uhr, Demo: "We are here! Wir sind hier!" – Geflüchtete und verschiedene Netzwerke demonstrieren für eine bessere Migrationspolitik.

15 Uhr, Film / Diskussion: Die Linke lädt in Steilshoop zum gemeinsamen Filmegucken und debattieren ein. Thema: "Solidarität statt G20. So wollen wir arbeiten und leben." Alle Infos.

16 Uhr, Musik: "TechNOG20" – Die Aktivisten hatten im Volkspark in Hamburg-Altona ab dem 1. Juli ein Camp für die angereisten Protestierenden geplant. Das Bezirksamt hat dieses zwar verboten, aber eine Woche vor dem Gipfel soll der Park für Diskussionen und Musik genutzt werden – falls die Behörden nicht einschreiten.

18 Uhr, Demo: "GeSa to hell" ist ein Protest gegen die von der Polizei extra eingerichtete Sammelstelle für festgenommene G20-Aktivisten (SPIEGEL ONLINE). Sie startet am Harburger Rathaus und soll zum G20-Knast ziehen.

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Freitag, 30. Juni

Ab 15 Uhr, Film: Im Abaton-Kino im Hamburger Grindelviertel zeigt das Filmfest Hamburg vier Filme, die Einblicke in die Lebensrealitäten der G20-Staaten China, Türkei, Russland und USA geben. Mit dabei auch die preisgekrönte Doku "I am not your negro". Hier gibt's alle Infos.

Ab 19 Uhr, Musik: "Mal wieder aus der Reihe tanzen - vong der Repression her!" Tanzprotest vor dem Stadtteilzentrum Rote Flora mit Redebeiträgen und Auftritt von der linken Skaband Irie Révoltés. Weitere Infos folgen noch.

So hat Greenpeace Mitte Juni Kanzlerin Merkel in Hamburg begrüßt. Zusammen mit Campact organisieren sie am 2. Juli eine Bootsdemo auf der Binnenalster.

So hat Greenpeace Mitte Juni Kanzlerin Merkel in Hamburg begrüßt. Zusammen mit Campact organisieren sie am 2. Juli eine Bootsdemo auf der Binnenalster. (Bild: dpa)

Sonntag, 2. Juli

Der große Protest vor dem Gipfel, bevor die Stadt abgeriegelt wird: Um 12 Uhr soll die offiziell angemeldete Großdemo: "G20-Protestwelle" starten. Verschiedene Verbände und Organisationen haben sich verabredet. Los geht's am Hamburger Rathausmarkt und auf der Binnenalster, wo mit Flößen, Kanus und Booten protestiert werden soll. Danach soll ein Protestmarsch in Richtung St. Pauli ziehen. 

Dienstag, 4. Juli

Dauerdemo / Kraft tanken: Ab dem 4. Juli bis zum Ende des Gipfels stellt sich das alternative Gängeviertel als Aufenthaltsort für Aktivisten zur Verfügung. Es soll ein Raum "zum Essen und Trinken, zum Verweilen und Entspannen, zum Verkleiden und Ausprobieren, zum Kraftschöpfen und Sich-Begegnen" sein, heißt es auf der Webseite.

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Mittwoch, 5. Juli

Ab 11 Uhr, Diskussionen / Workshops: Am 5. und 6. Juli findet am Veranstaltungsort Kampnagel der alternative "Gipfel für globale Solidarität" statt. Dort treffen sich Aktivisten und politische Gäste, um bei Podiumsdiskussionen und in Workshops über alternativen zur aktuellen Politik zu sprechen.

12 Uhr, Performance: Am 5. Juli sollen tausend Zombies durch Hamburg ziehen. Die Performance vom Kulturverein Neu am See e.V. aus Berlin will aufzeigen, wie die aktuelle Gesellschaft ihre Mitglieder kaputt macht. Die Zombie-Aktion wurde bereits im kleinen Rahmen geprobt, doch am Stichtag sollen unter dem Titel "1000 Gestalten" ebenso viele mitmachen. Hier kann man sich anmelden, um selbst als Zombie dabei zu sein.

Das sieht dann ungefähr so aus:

18 Uhr, Musik: Bei dem "Demorave: Lieber tanz' ich als G20" wird von den Landungsbrücken entlang einer Demoroute getanzt. Die Details sollen noch hier folgen, die Demo ist offiziell angemeldet.

19.30 Uhr, Lesung: Auf dem Tschaikowskyplatz wird "Empört euch, engagiert euch" vom französischen Widerstandskämpfer Stéphane Hessel gelesen. 

Mahnwache: Ab dem 5. Juli wird bis Ende des Gipfels immer tagsüber eine Mahnwache mit dem Titel "Welcome China" vor dem Grand Elysée Hotel abgehalten – weil dort die chinesische Delegation untergebracht sein wird (Abendblatt).

(Bild: No G20)

Donnerstag, 6. Juli

Ab 9 Uhr, Diskussionen / Workshops: Zweiter Tag des Alternativ-Gipfels auf Kampnagel.

Ab 9 Uhr, Mahnwache: Auch auf die Delegation aus den USA wartet eine Mahnwache. Sie findet am Donnerstag von 9 bis 17.20 Uhr am Jungfernstieg statt und trägt das Motto "Brücken bauen statt Mauern!".

16 Uhr, Demo: Hier muss man gewalttätige Auseinandersetzungen fürchten – zur Demo "Welcome to hell" rufen antikapitalistische und autonome Gruppen auf. Die Polizei erwartet während des G20-Gipfels rund 8000 gewaltbereite Teilnehmer in der Stadt. Die meisten von diesen sollen an der Höllendemo teilnehmen. Um 16 Uhr geht's am Fischmarkt los.

Ab 18 Uhr, Konzert: Am Vorabend des Gipfels steigt ein Riesen-Konzert in der Barclaycard-Arena. Mit dabei: Coldplay, Ellie Goulding, The Chainsmokers, Pharrell Williams, Andreas Bourani, Herbert Grönemeyer und als Special Guest Shakira. Organisiert wird das "Global Citizen Festival" von der zivilgesellschaftlichen Organisation Global Citizen, die sich weltweit gegen Armut und soziale Missstände einsetzt. Ähnliche Konzerte fanden in den vergangenen Jahren in New York und in Indien statt. Das Konzert ist umsonst, die Tickets werden aktuell noch hier verlost.

Ab 18.30 Uhr, Demo / Musik: Der "GAY20-Gipfel" auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn soll daran erinnern, dass in einigen G20-Staaten die Menschenrechte nicht geachtet werden. Organisiert wird der LGBT-Gipfel mit Reden und Musikprogramm von der Hamburg Pride. 

19 Uhr, Kunstaktion: Bei "Bridges to Humanity" fordert ein Hamburger Künstler zum farbenfrohen Protest auf. Menschen sollen die Brücken der Stadt "erobern" - heißt in diesem Fall: Schöne Bilder auf den Brücken schießen, die irgendein gelbes Element enthalten.

(Bild: No G20)

Freitag, 7. Juli

Ab 7 Uhr, Demo: Unter dem Motto "Shut down the logistics of capital" gehen vier angemeldete Demonstrationszüge von unterschiedlichen Punkten in Wilhelmsburg los und ziehen in Richtung Industriehafen. Sie sollen sich zu einer großen vereinigen und die Zufahrtswege zum Hafen lahmlegen. 

Ab 10.30 Uhr, Demo: Am Freitag ruft das Bündnis Jugend gegen G20 zum Bildungsstreik auf. Schüler sollen nicht in die Schule gehen, sondern stattdessen in der Innenstadt demonstrieren. Mehr Infos gibt's hier.

Ab 11 Uhr, Mahnwache: Stationärer Protest auf der Ottensener Hauptstraße gegen "Menschenrechtsverletzungen im besetzten Teil von Kaschmir".

Ab 12 Uhr, Demo / Musik / Saufen?!?: Ab 12 Uhr kündigt ein Facebook-Event eine alkoholische Variante der G20-Proteste an. Ob "G20 (Bier holen)" mehr als nur ein Spaß ist und was genau da passiert – diese Info soll noch nachgereicht werden. Auf jeden Fall im Bereich Karoviertel/Schanze.

12 Uhr, Fußball: Kicken gegen den Gipfel – beim FC St. Pauli findet am Freitag und Samstag ein Herrenturnier statt. Alle Infos hier.

Ab 16 Uhr, Demo: Auf dem Spielbudenplatz wird bis einschließlich Samstag bei einer angemeldeten Demo unter dem Motto "One World, one Vibe" protestiert.

19 Uhr, Fahrraddemo: Von der Moorweide am Dammtor-Bahnhof startet eine Critical Mass durch die Stadt. Alle Infos.

Ganztägig, Blockaden: Unter dem Motto "Colour the red zone" sollen Protestaktionen und Straßenblockaden stattfinden. Natürlich unagemeldet. Infos gibt's hier.

Samstag, 8. Juli

11 Uhr, Demo: Die größte Demonstration am G20-Wochenende soll am Samstag stattfinden. Unter dem Motto "Grenzenlose Solidarität statt G20" sind nicht nur aktivistische Gruppen, sondern auch Verbände und Parteien dabei. Die Polizei rechnet mit bis zu 100.000 Teilnehmern. Bisher konnten sich Veranstalter und Behörden nicht auf eine Route einigen, daher ist die Demo noch nicht angemeldet.

11.30 Uhr, Demo: Die bürgerliche Demonstration "Hamburg zeigt Haltung" ist angemeldet, der genaue Startpunkt ist aber noch unklar. Es soll am Hafen entlang gehen. Aktuelle Infos gibt es hier.


Queer

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