Bild: dpa/EPA/Vassil Donev

14.06.2018, 13:35

Darf man (mit) Putin feiern?

Russland lädt zum Fußballfest – und die Welt ist zu Gast bei einem Autokraten. Mit dem ersten Spiel zwischen Russland und Saudi-Arabien startet am Donnerstagnachmittag die Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

Es wird ein riesiges Event. 64 WM-Spiele werden in zwölf russischen Stadien stattfinden, die in vier unterschiedlichen Zeitzonen liegen. (Hier kannst du die Spiele kostenlos streamen.)

Im Luschniki-Stadion in der Hauptstadt Moskau wird sowohl das Eröffnungsspiel wie auch das Finale gezeigt.

Auf der Tribüne sitzt dann: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Kritiker ärgern sich über die Aufmerksamkeit, die sein Land bekommt. Wladimir Putin führt das Land autokratisch: Oppositionelle werden eingesperrt, Journalisten verfolgt, die Rechte von Schwulen herabgesetzt. Das alles geht im Fußball-Taumel unter.

Fans freuen sich einfach auf ein großes Spektakel. Die WM ist ein Millionengeschäft, von Senderechten über Fanartikel bis hin zu Ticketverkäufen. Aber vor allem geht es um Sport: Vier Wochen lang fiebern Fans mit, debattieren, wer Weltmeister werden wird, veranstalten Grillfeste und gehen zum Public Viewing.

Nur, kann man eigentlich die WM feiern, wenn sie in einer Autokratie stattfindet? Millionen Fans dürften sich das spätestens fragen, sobald sich Russlands Machthaber Putin bei der WM-Eröffnungsfeier am Donnerstag als freundlicher Gastgeber inszeniert.

Zum Lachen:

Ein Event in der Größenordnung einer Fußball-WM ist immer eine gute Möglichkeit zum Dialog. Im Vorfeld der Wm 2006 in Deutschland gab es auch Kritik – schwarze Fans wurden vor "No Go Areas" in Ostdeutschland gewarnt. Am Ende waren alle begeistert, wie fröhlich und friedlich es blieb.

Die WM in Russland kann einen ähnlichen Effekt haben: Gäste aus aller Welt besuchen erstmals Russland, lernen das Land kennen. Nichts dürfte der Völkerverständigung besser tun, als wenn ganz normale Deutsche auf ganz normale Russen treffen und bei Wodka und Gurke ins Gespräch kommen. Russland ist nicht nur Putin, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung hinter ihm steht. Oppositionelle kämpfen gegen seinen autokratischen Führungsstil, Jugendliche wenden sich von ihm ab.

Die WM ist auch eine Chance, diese Seite Russlands zu entdecken. Über die andere Seite können wir fast täglich in den Zeitungen lesen.

Zum Weinen:

Sport ist immer auch politisch – gerade bei internationalen Großveranstaltungen. Die Menschenrechtslage in Russland ist prekär, bei den Stadionbauten gab es Todesfälle und Ausbeutung.

Putin lässt im Land die Opposition unterdrücken, in der Ukraine und in Syrien beteiligt er seine Armee an Kriegen und ist für den Tod von Tausenden Menschen verantwortlich.

Wenn westliche Politiker zum Gucken in die Stadien kommen, akzeptieren sie all dies stillschweigend. Und normalisieren damit Putin. Und jeder, der diese WM guckt und befeiert, normalisiert den Autokraten so ein bisschen mit.


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