Bild: dpa/Ingo Wagner

07.06.2018, 18:02 · Aktualisiert: 07.06.2018, 18:32

Insa Thiele-Eich wird 2020 als erste Deutsche im All sein.

Alexander Gerst ist wieder ins Weltall aufgebrochen. Während er in seiner jetzt angetretenen Mission "Horizons" zeitweise sogar der erste deutsche Kommandant der Internationalen Raumstation ISS sein wird, hat noch keine deutsche Frau je überhaupt das All betreten.

Damit besitzt Deutschland fast ein (trauriges) Alleinstellungsmerkmal unter den großen Raumfahrtnationen. Denn Frauen aus anderen Ländern schafften es längst ins All:

  • 1963 flog die Russin Valentina Tereschkowa als erste Frau überhaupt ins All.
  • Sally Kristen Ride flog 1978 als erste US-Amerikanerin in den Weltraum.
  • Großbritannien schickte mit Helen Patricia Sharman 1991 erstmals eine Britin ins Weltall.
  • Claudie Haigneré brach 1996 als erste Französin zu einer Mission in den Weltraum auf.
  • Mit Samantha Cristoforetti flog die erste Italienerin 2014 ins All. Sie ist die einzige Frau, die es in der letzten Rekrutierungsrunde der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Jahr 2009 in das sechsköpfige Team schaffte, und jetzt Teil des Europäischen Astronautenkorpus ist.

Das sind nur ein paar Beispiele – denn es gibt sie durchaus, Frauen im Weltall. Nur eben keine deutschen.

Warum ist das so? Ist das überhaupt wichtig? Und wenn ja: Warum?

Wir haben mit einer gesprochen, die es wissen muss: Insa Thiele-Eich wird voraussichtlich 2020 für eine Mission in den Weltraum fliegen und gemeinsam mit ihrer Kollegin Suzanna Randall die erste Deutsche im All sein.

Insa, können Frauen Astronautinnen sein?

Natürlich können sie das. Die medizinischen und psychologischen Anforderungen sind für Männer und Frauen gleich in den Auswahlverfahren, etwa bei der ESA. Es werden nur unterschiedliche Ziele bei der körperlichen Fitness gesetzt, weil Männer und Frauen eben unterschiedliche Körper haben.

Ich bin gerade im sechsten Monat schwanger und ziehe weiterhin problemlos mein Astronautinnen-Training durch. Ich musste lediglich von Laufen auf Schwimmen umstellen, ansonsten mache ich nach wie vor meine Flugübungen und was sonst dazugehört. Nur den Tauchschein muss ich auf nach der Schwangerschaft verschieben. Sechs Wochen, nachdem das Baby auf der Welt ist, werde ich langsam wieder mit dem Training anfangen.

Wer ist Insa Thiele-Eich?

Die studierte Meteorologin ist 35 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern, das dritte ist unterwegs. Schon seit sie 15 Jahre alt war, wollte sie Astronautin werden.

2017 wurde sie von der Initiative "Astronautin" als eine von zwei Finalistinnen ausgewählt, um als erste Deutsche in den Weltraum zu fliegen. Seither trainiert sie auf den großen Flug 2020 hin. 

Warum wolltest du Astronautin werden?

Mein Vater war Astronaut. Er flog im Jahr 2000 in den Weltraum, ich bin in der Raumfahrtgemeinschaft aufgewachsen. Als ich acht Jahre alt war, zeigte er mir am Nachthimmel die Andromeda Galaxie. Man kann sie mit bloßem Auge sehen. Ich verstand irgendwann, dass das, was wir da sehen, gar nicht mehr existiert – weil das Licht schon Millionen von Jahre alt ist, bis es bei uns ankommt.

Dort draußen gibt es so viele Dinge, von denen wir nichts ahnen. Ich wollte verstehen, wo genau wir Menschen uns in diesem Zusammenspiel befinden.

Dieses Bild der Andromeda Galaxie wurde aus einem Raumschiff der NASA aufgenommen.

Dieses Bild der Andromeda Galaxie wurde aus einem Raumschiff der NASA aufgenommen. (Bild: dpa/EPA/NASA)

2020 sollst du als erste Deutsche ins Weltall fliegen. Warum erst jetzt?

Was den Beruf Astronautin speziell angeht, gibt es zwei Probleme:

  • Zum einen gibt es insgesamt sehr wenige Astronautinnen und Astronauten. Seit 1996 gibt es keine deutsche Astronauten-Auswahl mehr, sondern mit der ESA, der Europäischen Weltraumorganisation, nur noch eine europäische Auswahl. Das letzte Mal wurde 2008 eine solche Auswahl zusammengestellt. Allein deswegen ist die Chance sowieso schon recht gering, ins Team aufgenommen zu werden.
  • Zum anderen stimmt es, dass es deutlich mehr Bewerber als Bewerberinnen gibt. Bei der ESA bewarben sich 2008 sechsmal so viele Männer wie Frauen. Daher stimmt das Verhältnis mit Samantha Cristoforetti als einzige Frau in einem sechsköpfigen Team sogar.

Warum ist das so?

Wenn ich als deutsches Mädchen Astronautin werden möchte, und bei Wikipedia nachschaue, welche deutschen Astronautinnen und Astronauten es schon gab, dann finde ich dort ein Bild von einem Astronautenkorpus, auf dem elf Männer zu sehen sind.

Man kann natürlich weiter googlen und feststellen, dass Frauen unterschiedlichster Nationen ins Weltall fliegen. Oder ich denke: Hm, vielleicht können das nur Männer.

Es fehlt Frauen einfach an Vorbildern. Und das nicht nur durch Astronautinnen an sich: Letztes Jahr schrieb ich den Carlsen-Verlag an, nachdem sie ein Pixi-Buch mit dem Titel "Ich habe einen Freund, der ist Astronaut" rausgebracht hatten. Ich wollte wissen, warum auf dem Cover nicht wenigstens auch eine Frau zu sehen war. Die Antwort lautete: "Naja, die meisten Astronauten sind halt Männer."

Lego brachte auch erst durch einen Ideen-Wettbewerb 2017 ein Weltall-Set mit Frauen raus. Frauen fehlen einfach bei Wissenschafts- und Abenteuerspielzeug. Sie sind in diesen Bereichen zu wenig sichtbar.

Das fand auch die Initiative "Astronautin". Brauchen wir erst solche Projekte, um für Gleichberechtigung zu sorgen?

Ich glaube nicht, dass aktiv diskriminiert wird. Ich glaube, die äußeren Umstände führten dazu, dass die Situation so ist, wie sie ist – umso besser finde ich darum Aktionen wie "Die Astronautin". Sie helfen dabei, ein Gleichgewicht herzustellen.

Was ist "Astronautin"?

Die Initiative möchte die erste deutsche Frau ins Weltall schicken. Gründerin ist Claudia Kessler, die 2016 mit einer Crowdfunding-Kampagne das Projekt ins Leben gerufen hat. 50.000 Euro sammelte sie, um damit die erste Trainingseinheit der aus über 400 Bewerberinnen ausgewählten Finalistinnen zu finanzieren. Insa Thiele-Eich ist eine davon, Suzanna Randall die andere. Beide werden bis 2020 zu Astronautinnen ausgebildet. Dann sollen sie mit einer privat finanzierten Mission ins All fliegen. 

"Astronautin" begann mit einer Crowdfunding Aktion. Warum geben Menschen Geld dafür aus, um eine Frau ins All zu schicken?

Durch Debatten wie #MeToo wird immer mehr über die Rolle der Frau in der Gesellschaft geredet, über Vorurteile, mit denen Frauen konfrontiert werden, über Sexismus. Es findet ein Umdenken statt. Gestern ist Alexander Gerst ins All gestartet und darüber freue ich mich sehr.

Aber ich bekam danach etwa über soziale Netzwerke ganz viele Nachrichten. Leute wollen von mir wissen, wann denn endlich mal eine Frau ins All fliegt. Und zwar nicht nur von Frauen – auch Männer sagen: Das geht so nicht weiter. Sie wollen ihren Töchtern zeigen, dass auch Frauen Astronautinnen sein können.


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