Gerechtigkeit

Guck mal, wer da kocht!

07.03.2016, 10:38 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Ein New Yorker Start-up hilft geflüchteten Frauen

Manal Kahi und ihr Bruder Wissam haben den Humus ihrer syrischen Großmutter vermisst, seitdem sie 2013 nach New York gezogen sind. Sie ließen sich das Rezept zuschicken, der Humus wurde bei ihren amerikanischen Freunden ein Hit.

Daraus entstand eine Geschäftsidee: Die beiden Geschwister aus dem Libanon wollten den New Yorkern mehr hausgemachte Gerichte aus anderen Ländern zeigen – und dabei helfen, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im September 2015 ist aus dieser Idee ihr Lieferservice für "home-style ethnic meals" entstanden: "Eat Offbeat".

Team Offbeat is pitching for Columbia Business School's Tamer Social Ventures Fund in 5 minutes. Wish us luck!!

Posted by Eat Offbeat on Wednesday, October 7, 2015

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen wurde im Sommer 2015 die höchste Zahl an Flüchtlingen weltweit gemessen: einer von 112 Menschen sei entweder ein Flüchtling oder Asylsuchender.

In dieser weltweiten Krise will Manal Kahi den Blick auf die Rolle der Unternehmen lenken. Sie ist sich sicher, dass eine Arbeit den Flüchtlingen ermöglichen würde, sich schneller zu integrieren und selbständig zu werden.

Manal Kahi sagte der britischen Zeitung "The Guardian": "My grandmother had a lot of stories about how she maintained her culture being from a different country, facing a lot of xenophobia in Lebanon. I then thought about the Syrian refugees being resettled in the US, and how they probably made the best hummus."

Sechs Köchinnen aus fünf Ländern

Sie und ihr Bruder suchten zuerst eine Köchin, die Humus wie die Großmutter machen konnte. Gefunden haben sie mittlerweile sechs Köchinnen, die in ihrem Repertoire weit mehr zu bieten haben.

Sechs Köchinnen aus fünf Ländern arbeiten für "Eat Offbeat". Auf der Karte des Lieferservices aus Queens stehen heute Gerichte wie Chicken Choila aus Nepal, Sumaq Salat aus dem Irak und das Linsengericht Adash aus Eritrea.

Welcoming new chefs into the Eat Offbeat family!

Posted by Eat Offbeat on Saturday, February 6, 2016

Mit den sechs Köchinnen aus fünf Ländern bietet "Eat Offbeat" 100 verschiedene Gerichte an. Die drei Frauen Rachana Rimal aus Nepal, Mitslal Tedla aus Eritrea und Nidaa Al Janabi aus dem Irak waren von Anfang an dabei. Hinzugekommen sind Köchinnen unter anderem aus den Ländern Tibet und Syrien.

Unterstützung bekommen die Frauen vom Chefkoch Juan Suarez de Lezo, der vorher in Restaurants mit Michelin-Sternen in Spanien und New York gearbeitet hat. Er erklärte den Frauen die amerikanischen Hygienestandards und half, aus den Familienrezepten Gerichte für über 100 Leute zu machen.

Mittlerweile bietet der Lieferservice Gerichte für 10 Personen und mehr an. Durchschnittlich kostet ein Gericht 18 Euro – bestehend aus einer Vorspeise, einem Salat und einer oder zwei Hauptspeisen.

Die 53-Jahre alte Rachana Rimal ist eine der Köchinnen der ersten Stunde. Sie kam aus Nepal in die USA, sie floh vor dem Terrorismus radikal-kommunistischer Gruppen. Als ihr Bruder ermordetet wurde, sah sie keinen anderen Weg, als zu fliehen. Nach ihrer Ankunft in den USA habe sie zuerst bei einer Sandwichkette gearbeitet.

Ohne Englischkenntnisse war es für sie schwer, sich in die amerikanische Gesellschaft zu integrieren. Heute fühle sie sich wohl: "Wenn ich in die Küche komme, kann ich kochen, was immer ich möchte", sagte sie der amerikanischen Zeitung "New York Daily News".

Nicht nur in New York bieten Restaurants Flüchtlingen Jobs an. Im Londoner Restaurant Mazí Mas kochen ebenfalls geflüchtete Frauen. Und auch in Deutschland stehen immer mehr Flüchtlinge hinter den Töpfen.

(Bild: Screenshot Seite Workeer.de)

Mehr Jobs für Flüchtlinge – das ist auch das Ziel der deutschen Arbeitsplatzbörse "workeer". Sie will den Neuankömmlingen in Deutschland den Berufseinstieg vereinfachen.

Bis jetzt hängt es in Deutschland oft von individuellen Initiativen der Unternehmen ab, ob sie einen Flüchtling beschäftigen. Mittel- und langfristig, so haben Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) analysiert, werden die Flüchtlinge der deutschen Wirtschaft gut tun.

Für die nepalesische Köchin Rachana Rimal war ihr Job bei "Eat Offroad" ein Geschenk: "Ich fühle mich endlich angekommen."

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