Gerechtigkeit

Wir sind Männer – und Feministen

27.04.2017, 10:44 · Aktualisiert: 27.04.2017, 15:19

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der Männer ihren Vorteil nutzen, um Frauen kleiner zu machen"

Wenn es auf Partys um Gleichberechtigung geht, diskutieren meist nur die Frauen mit, während ihre Kumpels oder Partner schweigend daneben sitzen – so zumindest das Klischee. Es gibt aber auch einige Männer, die sich aktiv für Feminismus einsetzen. 

Sehen konnte man das zuletzt zum Beispiel bei den Demonstrationen zum Weltfrauentag und beim Women's March, bei dem auffallend viele Männer mitliefen.

Viele Männer finden Feminismus wichtig. Aber wieso? Und wie beeinflusst diese Einstellung ihren Alltag? Wir haben nachgefragt.

Johan, 33, Ausstatter für Film und Fernsehen aus Berlin 

Was ist Feminismus für dich? 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Männer ihren Vorteil nutzen, um Frauen kleiner zu machen. Das hat zu einer ungerechten Verteilung der Machtpositionen geführt. Feminismus zeigt diese Strukturen auf und kämpft gegen sie an. 

Du nennst dich Feminist. Wirst du dafür auch mal angefeindet? 

Neulich habe ich einem guten Freund gratuliert, der Vater geworden ist. Da es bei mir und meiner Partnerin auch bald so weit ist, schrieb ich in meiner Mail: "Wir sind auch schwanger!"

Der Freund hat sich dann über meine Formulierung lustig gemacht, das hat mich verletzt. Er hat meine Aussage mit einer Verweichlichung des Mannseins verbunden. Ich habe damit aber gemeint, dass ich für mein Kind genauso da sein will wie die Mutter. 

Erlebst du im Alltag, dass Frauen benachteiligt werden? 

Ja, sehr viel. Vor allem im Job. Wenn es um die Arbeitsverteilung geht, heißt es oft: "Ihr Mädels bastelt mal schön und wir kümmern uns um die schweren Gegenstände."

Einmal hat auch ein Kollege nach einer Besprechung mit einer Kamera rumgespielt: Er hat sie auf die Chefin gehalten und gemeint, sie solle sich schon mal ausziehen. Ich habe dann gesagt, dass ich das sexistisch finde. 

Wie schwierig ist es, Gleichberechtigung zu schaffen? 

Es gibt Männerriegen, die so gefestigt sind, dass keine Frauenbewegung sie aufbrechen könnte. Wenn es zum Beispiel um Jobs geht, müssen Männer mehr Privilegien abgeben, finde ich. Mir selbst ist es besonders wichtig, mit meiner Sprache jeden und jede gleichermaßen anzusprechen.

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Was ist Feminismus für dich?

Die Loslösung von patriarchalen Strukturen. Feminismus ist für mich ein Kampf gegen die jahrhundertelang aufgebaute Unterdrückung von Frauen.

Bezeichnest du dich als Feminist?

Ich bin keiner, der große Parolen parat hat – auch wenn ich das gern hätte. Aber ich habe eine Haltung: Ich finde es zum Beispiel nicht okay, dass manche Frauen weniger verdienen als Männer. Ich würde aber nicht damit hausieren gehen, und sagen: Ich bin Feminist. Vielleicht sollte ich das aber mehr tun und mich so bezeichnen.

In welchen Situationen merkst du, dass Feminismus wichtig ist?

Ich bin gerade in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin – und hier gibt es eine krasse Rollentrennung. Bei einem meiner Kumpels etwa war klar: Er geht acht Stunden arbeiten, kommt nach Hause, da gibt es was zu essen. Die Frau kümmert sich darum, dass die Kinder ins Bett kommen, nicht er. 

Wenn ich mir das anschaue, merke ich schon: total veraltetes System.

Bist du schon bei Männern, die mit Feminismus nichts anfangen können, angeeckt?

Wenn man mit einem richtigen Macho über Feminismus spricht, ist es schwer, mit Argumenten zu ihm durchzudringen. Bei Männern, die sich als der Ernährer der Beziehung sehen, würde ich fragen, wie später eine Familie, bei der die Frau ihr Leben lang nicht in ihre Ausbildung investiert hat, überleben kann, wenn dem Ernährer einmal etwas zustößt.

Und wenn mal jemand einen sexistischen Spruch von sich gibt, und zum Beispiel sagt, die Frauenquote ergebe doch gar keinen Sinn, dann frage ich nach: Wieso sagst du sowas?

Anton, 29, Freiberuflicher Musikmanager aus Berlin

Ist es in dieser Gesellschaft schwierig, männlicher Feminist zu sein?

Sich öffentlich politisch zu bekennen, das ist ja generell eher schwierig. Und wenn sich jemand aus einer privilegierten Gruppe heraus feministisch positioniert, denken manche Leute, man wolle um Komplimente betteln. 

Wozu braucht es Feminismus?

Die Ungleichheiten, die es zwischen Männern und Frauen gibt, sind nicht zu übersehen. Es ist eine Tatsache, dass Frauen in sehr vielen Branchen unterrepräsentiert sind. Ich sehe das auch im Musikbereich, der sich eigentlich gern progressiv oder gar emanzipatorisch gibt: Auch hier sind tendenziell mehr Männer unterwegs, als Musiker, Manager und Organisatoren.

Wie können Männer Feminismus leben?

Ich habe ein kleines Plattenlabel und ich versuche immer, Künstlerinnen viel Raum zu geben. Männer sollten Frauen einfach dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen.

Warum bekennen sich nicht mehr Männer zum Feminismus?

Feminismus ist eine Bewegung, die von Frauen ausging. Deswegen können Frauen viel selbstverständlicher Feministinnen sein – sie sind eben in manchen Fällen Teil dieser Gruppe, die um Anerkennung kämpft. Männer erleben die Ungleichheiten nicht selbst.

Jan, 26, Student aus Berlin 

(Bild: Milan Ziebula)

Du sagst, du seist Feminist. Warum?

Ich bin Feminist, weil ich es krass finde, wie auch 2017 noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden. Ich will meine privilegierte Stellung als Mann nutzen, um etwas zu bewegen.

Was bedeutet Feminismus für dich?

Ich verstehe darunter den gesellschaftlichen Kampf für Chancengleichheit.

Was machst du, wenn sich Männer über Feminismus aufregen?

Wenn Typen denken, dass Feminismus veraltet ist, würde ich sagen: "Es geht auch um deine Rolle und deine Rechte – und um deine Möglichkeit, dich auszuleben. Du machst hier gerade auf Macker, aber: Du bist doch nicht den ganzen Tag so. Kannst du auch mal Schwäche zeigen?" Das können viele nämlich nicht. Weil ihnen eingetrichtert wurde, ein Typ dürfe nicht emotional sein. 


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