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Gerechtigkeit

Frauen werden in Deutschland viel schlechter bezahlt als Männer

22.06.2016, 17:12 · Aktualisiert: 22.06.2016, 18:44

Und daran liegt es.

Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist ein Fakt – und in Deutschland wird er besonders deutlich sichtbar. Frauen bekommen hier im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn als Männer. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie des Hamburger Welt-Wirtschaftsinstituts (HWWI) hervor. Die Wissenschafter haben im Auftrag der Europäischen Kommission die Gehälter der verschiedenen europäischen Staaten verglichen.

Der Ergebnis: Deutschland landet in Sachen Lohngerechtigkeit abgeschlagen auf dem viertletzten Platz. Nur in Estland, Österreich und Tschechien klafft eine noch größere Lücke zwischen den Gehältern von Männern und Frauen. "21 Prozent sind viel", sagt Christina Boll, Forschungsdirektorin beim HWWI zu bento. "Deutschland hat auf jeden Fall noch Hausaufgaben zu machen."

Wieso verdienen Frauen in Deutschland weniger?

Ungerecht ist nicht direkt die Höhe des Lohns, sondern aus Sicht der HWWI-Forscher eher die Struktur des Arbeitsmarktes: Frauen bekommen schlechtere Jobs und werden deshalb auch schlechter bezahlt.

"Die Statistik zeigt nur, welche Faktoren die Lücke ermöglichen", sagt Boll, "nicht, wie diese Jobs zustande kommen". Soll heißen: Die Zahlen zeigen nicht, ob eine Frau freiwillig einen schlechter bezahlten Job gewählt hat – oder ob ihr durch Diskriminierung ein besseres Gehalt vorenthalten wird. Die Statistik könne also nicht beantworten, ob und wie Frauen am Arbeitsmarkt diskriminiert werden, sagt Boll.

Die Ursachen der Lohnungleichheit:

  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit.
  • Und Frauen sind öfter in schlechter bezahlten Berufen angestellt.

In Deutschland sei die Zahl der in Teilzeit beschäftigen Frauen laut Boll europaweit am höchsten. Nur in Rumänien habe dieser Faktor mehr Einfluss als bei uns.

Allerdings gibt es neben Teilzeit und Branchenungleichheit noch einen dritten Faktor, der rund ein Drittel der Lohnlücke ausmacht. Boll spricht hier von einem "blinden Fleck". Der bestehe aus Faktoren, die sich nur schwer messen lassen: Wie souverän schneiden Frauen in Gehaltsverhandlungen ab? Wie wird ihre Arbeit im Vergleich zu Männern bewertet? Kritiker sehen genau hier klare Hinweise auf versteckte Benachteiligung.

Welche Ideen gibt es, um die Lohnlücke zu schließen?

Das Familienministerium wirbt mit Social-Media-Aktionen unter dem Hashtag #gleichistmehr und dem "Equal Pay Day" um mehr Aufmerksamkeit für das Thema (BMFSFJ).

Der "Equal Pay Day" bezeichnet zum Beispiel jenen Tag im Jahr, bis zu dem Frauen quasi umsonst für ein Unternehmen gearbeitet haben. Gemessen wird von Jahresbeginn an. In diesem Jahr war der "Equal Pay Day" am 16. März – Frauen verdienen umgerechnet also 2,5 Monatsgehälter weniger als Männer.

Außerdem arbeitet das Ministerium an einer Gesetzesinitiative, die "mehr Transparenz bei geschlechtsspezifischen Entgeltstrukturen" ermöglicht. Soll heißen: Größere Unternehmen sollen im Zweifel verpflichtet werden, offenzulegen, wie viel sie wem im Betrieb zahlen. Nur so könnten Frauen erkennen, ob sie bei gleicher Qualifikation trotzdem schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen.

Die Arbeitgeber sind natürlich dagegen. Unternehmerverbände fürchten, dass der "soziale Friede in vielen Unternehmen gestört" und mehr Bürokratie geschaffen wird.

Weiterlesen:

  • Gender Pay Gap: Kein Grund, sich zurückzulehnen – für niemanden (HWWI)
  • Lohngerechtigkeit (BMFSFJ)
Lass uns Freunde werden!

Queer

YouTube-Aktion: LGBTs zeigen der Welt, wer sie wirklich sind

22.06.2016, 15:02 · Aktualisiert: 22.06.2016, 15:03

Vergangenen Dienstag hat YouTube die Initiative #ProudToBe gestartet, die Menschen aus der LGBTQA-Community zelebrieren soll.