Gerechtigkeit

Warum es wichtig ist, Dinge auch mal ohne Gegenleistung zu machen

15.02.2017, 10:29

Junge Menschen erzählen, warum sie sich engagieren

Wenn es brennt, wenn Hochwasser ganze Dörfer flutet, wenn Autos kollidieren, dann laufen diese Menschen hin statt weg: die Ehrenamtlichen. Sie engagieren sich unentgeltlich in Organisationen und Vereinen. Sie retten das Leben anderer Menschen, verhindern Katastrophen, kümmern sich dort, wo andere wegsehen.

Viele der Ehrenamtlichen sind noch sehr jung: Laut einer Umfrage engagieren sich zehn Prozent der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation (Statista, kostenpflichtig).

Warum tun sie das? Wir haben vier Frauen und Männer gefragt.

Jennifer Witt, 20, Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement, engagiert sich beim THW Ortsverband Hamburg-Nord

(Bild: THW)

Mein bester Freund und ich suchten ein gemeinsames Hobby, etwas "Jungs-typisches" oder "Mädchen-typisches" wollten wir aber nicht. Sein Vater arbeitete schon beim Technischen Hilfswerk und schlug uns vor, es auch auszuprobieren.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis wird das THW immer noch als Männerdomäne gesehen, dabei steigt der Anteil der weiblichen Helfer. Frauen sind zwar immer noch die Minderheit, trotzdem übernehmen gerade Frauen immer wichtigere Aufgaben. Ich habe mich niemals unterkriegen lassen und mich niemals schwächer gesehen als meine männlichen Kameraden. Mit meinem Engagement und meinem Ehrgeiz habe ich es immerhin bis zur Truppenführerin geschafft.

Eine große Schwierigkeit: Wir werden häufig nicht respektiert; nicht von Helfern, sondern von Bürgern. Nach einem Tornado mussten wir mal umgefallene Bäume von der Straße räumen. Plötzlich warf ein Anwohner mit Ziegelsteinen auf die Helfer, nach mehreren Verwarnungen griff schließlich die Polizei ein. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt.

Was mir beim THW am besten gefällt? Man lernt, über sich hinaus zu wachsen. Man lernt, dass es wichtig ist, auch mal Dinge ohne Gegenleistung zu machen. Häufig, auch wenn man es nicht erwartet, bekommt man trotzdem etwas zurück.

Technisches Hilfswerk

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) gehört zum Bundesministerium des Inneren und besteht zu 99 Prozent aus ehrenamtlichen Mitgliedern. Deutschlandweit engagieren sich mehr als 80.000 Helferinnen und Helfer in 668 Ortsverbänden. Unter anderem retten sie Verletzte, helfen bei Hochwasser- und Sturmschäden. (THW)

Zum Klicken: Chris Crisman protestiert mit seinen Fotos gegen veraltete Rollenbilder (Hier geht's zum Artikel)

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Marcel Bösel, 19, Auszubildender in der Logistik, engagiert sich beim DRK Kreisverband Ammerland

(Bild: Janout)

Das Deutsche Rote Kreuz ist mein Leben! Ich bin 365 Tage im Jahr für mein Hobby da. Angefangen hat alles vor zehn Jahren, als ich mit meinen Großeltern beim Tag der offenen Tür des DRK war; sie selbst sind schon seit vielen Jahren Mitglied.

Heute engagiere ich mich in der Bereitschaft als Sanitäter, das heißt: Bei Großveranstaltungen kümmern wir uns um die Besucher, mal verteilen wir nur Pflaster, wir versorgen aber auch schwere Verletzungen. Außerdem bin ich Gruppenleiter beim Jugendrotkreuz. Hier lernen Mitglieder von 6 bis 27 Jahren, Erste Hilfe zu leisten. Zeltlager, Wettbewerbe und Ausflüge gehören auch dazu.

Die größte Herausforderung für mich ist, das alles zeitlich hinzukriegen. Schließlich mache ich ja auch meine Ausbildung und nebenbei noch mein Fachabitur. Zum Glück unterstützen meine Familie und Freunde mich, das gibt mir die Kraft und Motivation, weiter zu machen.

Ich muss nicht jedes Wochenende auf Partys. Mir macht das Engagement für andere Menschen viel mehr Spaß. Das Wissen, im Notfall helfen zu können, hat mir viel Selbstsicherheit gegeben. Ich habe gelernt, selbstbewusst aufzutreten und Verantwortung zu übernehmen.

Deutsche Rote Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist ein Teil der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, der nach eigenen Angaben größten humanitären Organisation der Welt. Die überwiegend ehrenamtlichen Mitglieder leisten Hilfe für Menschen in Konfliktsituationen. Zu den Einsatzbereichen des DRK in Deutschland zählen Rettungsdienst, Blutspende, Familienhilfe sowie die Altenpflege. (DRK)

Kerstin Feuerhahn, 24, Kaufmännische Angestellte, engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Lüneburg

(Bild: Peer Henze)

Meine komplette Familie ist in der Feuerwehr, mir war immer klar, dass ich mich später selbst engagieren möchte. Mit zehn Jahren durfte ich in die Jugendfeuerwehr eintreten, heute bin ich stellvertretende Kinderfeuerwehrwartin und versuche, die Kleinen für die Feuerwehr zu begeistern, durch gemeinsame Zeltlager zum Beispiel.

Daneben bin ich natürlich bei Einsätzen dabei, meist kümmere ich mich um die Atemschutz-Geräte oder im Einsatzleitwagen um den Funk. Dort sitzen immer zwei Personen, einer hält Kontakt mit dem Einsatzleiter, der andere funkt mit der Leitstelle, um notfalls weitere Feuerwehrleute, Polizisten oder Seelsorger anzufordern. Im vergangenen Jahr war ich bei 36 Einsätzen dabei. Das war noch wenig!

Ich habe gelernt, dass kein Einsatz dem anderen gleicht. Jedes Mal ist es eine neue Situation, auf die man sich einstellen muss. Oft weiß man nicht, was einen hinter der Tür eines brennenden Gebäudes erwartet. Liegt dort eine hilflose Person? Einmal wurde bei einem Zimmerbrand ein Kind vermisst und ich musste mit Atemschutz in das Haus einsteigen. Zum Glück war das Kind dann doch schon wohlbehalten bei seiner Mutter.

An meinem Hobby gefällt mir besonders die Kameradschaft – viele meiner Freunde habe ich über die Feuerwehr kennengelernt. In den Einsätzen muss man immer zusammenhalten. Außerdem ist es ein tolles Gefühl, wenn man jemandem helfen konnte.

Freiwillige Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr (FF) besteht, anders als die Berufsfeuerwehr, hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern. Sie sind in der Regel auf kommunaler Ebene in Ortsgruppen organisiert. Zum Teil unterstützen sie die Berufsfeuerwehr, löschen Brände und leisten auch Rettungsdienste (Feuerwehr Hamburg). In Deutschland kümmert sich tatsächlich meist die Freiwillige Feuerwehr um den Brandschutz, nicht die Berufsfeuerwehr (Wikipedia).

Julius Lanz, 17, Schüler, engagiert sich bei der DLRG Hamburg-Bergedorf

Ich bin schon immer gerne geschwommen, habe vorher bei der DLRG einen Rettungsschwimmkurs gemacht. Im Einsatzteam bin ich nun seit gut einem Jahr.

Im Sommer verbringe ich viel Zeit im Wasserrettungsdienst am Hohendeichersee, einem großen Hamburger Badesee. Dort haben wir eine Rettungswache und einen kleinen Turm am Strand, hinzukommt ein Rettungsboot, mit dem wir am Wochenende in ganz Hamburg fahren. Als Rettungsschwimmer beobachte ich das Geschehen von der Wache aus und greife ein, wenn jemand Hilfe braucht.

Nicht immer geht es gut aus: Manchmal muss man auch Vermisste suchen und es kann sein, dass man zu spät kommt. Vergangenen Sommer wurden wir alarmiert, als ein junger Flüchtling aus Afghanistan beim Baden in der Elbe untergegangen ist. Als wir ankamen, hatten die Taucher ihn gerade gefunden und mussten ihn wiederbeleben. Ich habe in der Zeit mit anderen DLRG-Tauchern am Auto gewartet. Leider verstarb er später im Krankenhaus. Das war bisher mein krassester Einsatz.

DLRG

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist eine gemeinnützige Wasserrettungs- und Nothilfeorganisation. Ihr Hauptziel ist es, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren, zum Beispiel durch Schwimmunterricht und Aufklärung über sicheres Verhalten im Wasser. Die meist ehrenamtlichen Rettungsschwimmer bewachen die Küsten und Schwimmbäder sowie Veranstaltungen am Wasser, engagieren sich im Katastrophenschutz und im Rettungsdienst. (Wikipedia)


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So sehen die Sprecher von TKKG, Drei Fragezeichen und Co. wirklich aus

15.02.2017, 10:27 · Aktualisiert: 30.03.2017, 15:51

Viele Menschen kennen die Stimme von Oliver Rohrbeck, aber nur wenige wissen, wie er aussieht. Der Synchronsprecher leiht Justus Jonas, dem ersten Detektiv der "Drei Fragezeichen" seit Ende der Siebzigerjahre die Stimme. Zwischendurch sprach er Julian in der Enid-Blyton-Serie "Fünf Freunde" und übernahm eine Nebenrolle in "Bibi und Tina" und "Die Teufelkicker".

Selbst im Kino hört mancher Hörspiel-Fan auf, wenn der Schauspieler Ben Stiller auf der Leinwand auftaucht, der ebenfalls von Oliver Rohrbeck gesprochen wird.