Bild: Felix Huesmann

Gerechtigkeit

​Viele können sich keinen Kaffee leisten. Diese Dortmunderin ändert das

25.04.2017, 09:15

Laura Kaldinski sitzt in einem Sessel im "Grünen Salon". Direkt am Fenster, mit Blick auf den Dortmunder Nordmarkt. Das Café hat hier Anfang des Jahres eröffnet. Wegen Kaffee und Kuchen ist der Stadtteil allerdings selten in den Schlagzeilen.

Die Nordstadt Dortmunds ist bei vielen Leuten kein beliebtes Viertel, einige Ecken gelten als unsicher – und viele Leute verdienen nicht viel Geld. Manche von ihnen so wenig, dass schon ein leckerer Kaffee Luxus ist.

Du gehst studieren, Fräulein!
Lauras Mutter zu Laura

Laura, 26, will dafür sorgen, dass sich das ändert.

Sie arbeitet als Social-Media-Managerin für die Dortmunder Fachhochschule, betreibt seit zweieinhalb Jahren ihren Foodblog "Für Leib und Seele" – und ist Gründerin eines Projektes, das im "Grünen Salon" und vier weiteren Cafés in Dortmund seit einigen Wochen sicherstellt, dass sich jeder in der Stadt leckeren Kaffee leisten kann.

"Als kleines Mädchen wollte ich immer Konditorin werden", sagt sie. "Nach dem Abitur hat Mutti aber gesagt: Du gehst studieren, Fräulein!"

Ihre Leidenschaft für das Backen hat Laura behalten. Mit ihren Rezepten begeistert sie mittlerweile tausende Menschen:

1/12

"Bis zu 2000 Leute sind täglich auf meinem Blog", sagt sie. Dazu kommen Tausende Follower bei Facebook und Instagram. "Diese Reichweite wollte ich für was Sinnvolles nutzen."

Ihre Idee: In Cafés, die bei ihrem Projekt mitmachen, können Gäste ihren Kaffee oder ihr Essen doppelt zahlen – wenn sie sich das leisten können.

Lauras Projekt basiert auf Vertrauen – und es funktioniert.

Lauras Projekt basiert auf Vertrauen – und es funktioniert. (Bild: Felix Huesmann)

Das zu viel gezahlte Geld kommt auf Gutscheine, die im Café aufgehängt werden. Menschen, die sich einen Café-Besuch eigentlich nicht leisten könnten, können dann mit diesen Gutscheinen bezahlen.

Das Projekt basiert auf Vertrauen, sagt Laura – niemand muss mehr bezahlen als nötig, niemand muss einen Gutschein nehmen, niemand muss sich schämen, falls er es macht.

Kaffee-Gutscheine in Dortmund

Kaffee-Gutscheine in Dortmund (Bild: Felix Huesmann)

"Ob Alleinerziehende, Flüchtlinge, Obdachlose oder Rentner, jeder ist willkommen."

Was Laura versucht, in Dortmund zu etablieren, das gibt es in Italien schon seit über 100 Jahren. "Caffè Sospeso", aufgeschobener Kaffee, heißt das Konzept, das in Neapel eine lange Tradition hat.

Denn die Stadt kennt Armut, Korruption und Sozialsysteme, die nicht funktionieren wollen. Ein Besuch in Italien hat Laura auf ihre Idee gebracht. "Ich hab gesehen, wie ein Barista jemandem einen Kaffee serviert hat, der nicht bezahlt hat", sagt sie. 

(Bild: Felix Huesmann)

Weltweit gibt es Initiativen, die dazu aufrufen, anderen einen Kaffee auszugeben. "Suspended Coffees" haben auf einer Karte Cafés eingetragen, in denen es aufgeschobenen Kaffee gibt. Auch für Deutschland gibt es bereits eine eigene Karte, in einigen Städten wie Berlin, Köln und Frankfurt gibt es auch ein paar Cafés, die aufgeschobenen Kaffee herausgeben.  

Doch in den meisten Fällen gibt es in diesen Städten niemanden, der wie Laura organisiert, dass alles läuft – sie entwickelt die Gutscheine, stellt die Cafés in ihrem Blog vor, bleibt mit ihnen in Kontakt, geht immer mal wieder vorbei. Und sie sorgt dafür, dass mehr Leute von den Cafés erfahren.

Im "Grünen Salon", dem Café, in dem in Dortmund alles begann, wurden in den letzten Wochen bereits mehr als 30 aufgeschobene Kaffees, Kuchen oder Mittagessen ausgegeben.

Spender zu finden ist nicht schwer – schwieriger ist es, diejenigen zu erreichen, die sich einen Cafébesuch sonst nicht leisten können.  "Bei vielen gibt es da sicher eine Hemmschwelle, etwas Kostenloses anzunehmen", sagt Laura. "Ich hoffe aber, dass sowohl gespendet, als auch eingelöst wird."

Ein Stammgast des Dortmunder Cafés hat sich erst neulich bei ihr bedankt. Er hat schon mehrere Kaffee-Gutscheine eingelöst.

"Ich hatte fast Tränen in den Augen, als er Danke sagte", erzählt Laura. Und einen Vorschlag für die Zukunft hatte der Mann auch: die Namen der Spender auf die Gutscheine zu schreiben. Er erzählte Laura, dass er sich gern bei allen bedanken würde, die ihm einen Kaffee ausgeben.


Streaming

Ziemlich elegant: Der erste Trailer zur Fortsetzung der "Kingsman" ist da

25.04.2017, 08:12

Die "Kingsman" waren ein riesiger Agentenspaß: Schnelle Autos, irre Story mit irrem Bösewicht, fiese Handlanger, viel Explosionen und mittendrin Eggsy – ein britischer Möchtegern-Gangster, der zum Gentleman wird. Der Film mit Colin Firth und Samuel L. Jackson wurde 2015 zum Überraschungshit – und zur ernsten Konkurrenz für James Bond.

Jetzt kommt die Fortsetzung in die Kinos: "Kingsman: The Golden Circle"