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Gerechtigkeit

Wie viel Assad steckt in Donald Trump?

06.02.2017, 11:21 · Aktualisiert: 06.02.2017, 14:28

Kann man den gewählten Präsidenten der USA mit einem Diktator vergleichen, der seit sechs Jahren Krieg im eigenen Land führt? Kann man die Aussagen Donald Trumps denen von Baschar al-Assad gegenüberstellen? Der britische Extremismusforscher Shiraz Maher hat genau das in einem Tweet getan:

Er schreibt: "Schaut euch Trumps Tweets über die Proteste gegen ihn an und dann schaut, wie Assad Proteste gegen sich im Jahr 2011 delegitimiert hat."

Damit meint er: Trump beleidigt Demonstranten auf ähnliche Weise, wie es der Diktator Assad zum Beginn des Bürgerkrieges in Syrien getan hat.

Was ist an dem Tweet dran? bento macht den Vergleich.

1. Was sagt Donald Trump über Demonstranten?

Maher bezieht sich auf Tweets von Donald Trump über die Proteste in den USA. Seit Trumps Inauguration vor zwei Wochen gehen regelmäßig Tausende Menschen im ganzen Land auf die Straße (bento). Dabei handelt es sich um Aktivisten und Bürgerrechtler, die meisten Teilnehmer vereinte der "Womens March" (bento). An vielen Orten protestieren vor allem Studenten an ihren Hochschulen, zum Teil auch mit Gewalt (bento).

So reagierte Trump darauf:

Er nannte die Demonstranten:

  • "Professionelle Anarchisten"
  • "Schläger"
  • "Bezahlte Protestler"

Sein Ziel dahinter: Menschen herabwürdigen, die gegen die Regierung auf die Straße gehen. Trump behauptet, die Demonstrationen seien bezahlt und professionell orchestriert – und deutet damit an, sie seien nicht von echten US-Bürgern durchgeführt. Denn die stünden ja hinter der Regierung.

2. Was muss ich über Baschar al-Assad wissen?

Baschar al-Assad ist der gewählte Präsident Syriens. Sein Vater Hafis hatte sich in den Siebzigerjahren an die Macht geputscht und sein Amt auf das Militär und den Geheimdienst gestützt. Nach dessen Tod übernahm Baschar al-Assad 2000 das Präsidialamt. Viele Syrer hofften damals auf einen demokratischen Neuanfang.

Assad wird regelmäßig in Wahlen im Amt bestätigt, Beobachter kritisieren die Wahlen allerdings als nicht frei (Human Rights Watch). Im Februar 2011 gingen viele Syrer im Rahmen des "Arabischen Frühlings" gegen Assad auf die Straße. Sie forderten zunächst Reformen – als Assads Armee begann, auf die Demonstranten zu schießen, radikalisierte sich der Protest. Viele wünschten sich nun den "Sturz des Regimes", unter die Rebellen mischten sich schon bald islamistische Kämpfer.

Das Wichtigste zum Syrienkrieg zum Durchklicken:

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3. Was sagt Baschar al-Assad über Demonstranten?

Der syrische Präsident nannte in einer Rede (hier bei Al-Bab in Englisch, und hier auf YouTube in Arabisch) vor dem syrischem Parlament Ende März 2011 die Demonstranten:

  • "Spalter"
  • "Feinde"
  • "Ausländische Verschwörer"

Wobei Assad in der gleichen Rede auch betonte, dass die Verschwörer in der Minderzahl seien: "Wir können nicht behaupten, dass all jene, die demonstrieren, Verschwörer sind."

Assads Ziel dahinter: Menschen herabwürdigen, die gegen die Regierung auf die Straße gehen. Assad behauptet, die Demonstrationen seien von außen gesteuert – die echten Syrer würden hinter der Regierung stehen. Die Rede wurde zu einem Zeitpunkt gehalten, als bereits seit mehreren Wochen Tausende Syrer im ganzen Land friedlich auf die Straße gingen.

Kurz nach der Rede begannen die ersten blutigen Auseinandersetzungen. In weiteren Reden in den kommenden Jahren bleibt Assad dabei, seine Opposition komplett zu denunzieren. Er benutzt seitdem vor allem die arabischen Begriffe "takfiri" ("Abtrünnige") und "irhab" ("Terrorist") für die Demonstranten und später für die Rebellen ("Al-Jazeera", "Al-Monitor").

Heute, sechs Jahre später, sind kaum noch Demonstranten und Rebellen übrig. Stattdessen haben sich tatsächliche islamistische Terroristen im Land eingenistet. Die gemäßigten Kräfte landeten in den Foltergefängnissen Assads. Dokumente aus diesen Gefängnissen kannst du hier sehen:

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Fazit: Steckt nun tatsächlich Assad in Trump?

Nein, das ginge zu weit. Trump mag ein Problem mit Meinungen haben, die nicht seiner eigenen entsprechen – aber er hält sich bislang an demokratische Institutionen. Dass Richter seinen "Muslim Ban" jüngst gestoppt haben, kritisierte, aber akzeptiert er (bento).

Assad hingegen ist ein Diktator, der sein Volk abschlachtet. Und diesen Krieg mit Falschmeldungen und Denunzierungen legitimiert.

Was aber stimmt: Respekt vor Gegenstimmen haben beide nicht.

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Die meisten Menschen hatten Lichter dabei – eine Demonstrantin schrieb auf Facebook, es sehe aus, als ob der Sternenhimmel gespiegelt werde.