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Gerechtigkeit

Warum wir in der #MeToo-Debatte Namen brauchen

07.01.2018, 17:31 · Aktualisiert: 07.01.2018, 19:04

Drei Frauen erheben schwere Vorwürfe – soll man sagen dürfen, um wen es geht?

Es ist soweit: In Deutschland wurde nun zum ersten Mal ein Prominenter aus der Filmbranche öffentlich beim Namen genannt, der Frauen sexuell belästigt haben soll: Dieter Wedel, Regisseur und Drehbuchautor.

In den Neunzigern soll er drei Frauen zum Sex gezwungen und genötigt haben. Den Vorwurf der Frauen, von denen zwei sich mit ihrem Namen in die Öffentlichkeit trauen, veröffentlichte das "Zeit-Magazin". Wedel selbst bestreitet alles. (Zeit Online)

Mehr über die Vorwürfe:

Die Journalistin Gisela Friedrichsen kritisiert die Veröffentlichung. (Meedia) Als Gerichtsreporterin begleitete sie 2010 und in den darauffolgenden Jahren den Fall von Wettermoderator Jörg Kachelmann. Seine Ex-Freundin hatte ihn damals beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Zu Unrecht, wie das Gericht damals entschied. Kachelmann wurde freigesprochen. (SPIEGEL ONLINE)

Friedrichsen wirft den Frauen und dem "Zeit-Magazin" vor, Wedel "medial hinzurichten", ihn an den Pranger zu stellen, ehe seine Schuld bewiesen sei – ähnlich wie es damals im Fall Kachelmann war. Sie unterstellt den Frauen, den Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Vorwürfe strategisch gewählt zu haben. Sie fragt:

"Dürfen rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unschuldsvermutung kurzerhand über Bord geworfen werden, wenn es nur um Sex und um angeblich hilf- und wehrlose, verängstigte Frauen geht, denen Gewalt angetan worden sein soll? Muss nicht erst einmal gefragt werden, ob an den Vorwürfen überhaupt etwas dran ist?"

Natürlich darf die Unschuldsvermutung nicht ungültig werden, sobald es um Vergewaltigung geht. Und das wurde sie auch nicht: Die Zeit-Reporterinnen haben in einer aufwendigen Recherche mit über 50 Personen gesprochen und Dieter Wedel konfrontiert. Die Vorwürfe der Frauen wurden nicht einfach abgedruckt.

Außerdem: Die mediale Aufmerksamkeit ist in diesem Fall wichtig. Mit der Namensnennung wird kein Einzelfall öffentlich gemacht, sondern ein ganzes System infrage gestellt: Die Filmindustrie, wo einige wenige sehr viel Macht haben und diese ausnutzen können.

Um ein System zu verändern, muss es eine öffentliche Debatte geben.

  • Es ist wichtig, dass Namen genannt werden, dass Menschen zur Verantwortung gezogen werden. Dass nicht willkürlich gegrabscht, belästigt, vergewaltigt werden kann, weil Täter nichts zu befürchten haben. Ohne Namen gibt es nur Opfer, keine Täter.
  • Es ist wichtig, dass endlich auch Frauen in Deutschland sich trauen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Der Vorwurf von Friedrichsen, dass die Schauspielerinnen jahrzehntelang geschwiegen hätten und sich erst jetzt zu Wort melden, wenn "sie damit größtmögliche öffentliche Resonanz erwarten durften", ist zynisch. Dass Opfer von Gewalttaten schweigen, aus Scham, aus Trauer, aus Gefühlen der Mitschuld heraus, ist üblich. Und betrifft nicht nur Frauen. Das sieht man auch bei Kindern und Männern, die Opfer von Gewalt werden. Endlich gibt es im Zuge der #MeToo-Debatte in Deutschland eine Atmosphäre, in der Betroffene sprechen.
  • Und es ist wichtig, dass über die Vorwürfe gesprochen wird, auch wenn sie aus juristischer Sicht schon verjährt sind. Auch das kritisiert Friedrichsen. Aber die juristische Strafverfolgung ist in diesem Fall zweitrangig: Es geht darum, dass Hollywood kein Einzelfall ist. Das Menschen in Deutschland mit den gleichen Probleme zu kämpfen haben und uns diese Debatte sehr wohl etwas angeht.
Lass uns Freunde werden!

Friedrichsen stellt eine notwendige Debatte in das falsche Licht und zieht die Betroffenen ins Lächerliche.

#MeToo ist keine Racheaktion von frustrierten Frauen, denen der ausufernde Lebensstil mancher Männer gegen den Strich geht. Oder die wütend sind, weil sie eine Filmrolle oder eine Gefälligkeit nicht bekommen haben.

Wedel kann die Vorwürfe der Frauen, die unter eidesstattlicher Erklärung ausgesagt haben, juristisch anfechten und einen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft stellen. Die Frauen dagegen haben aufgrund der Verjährung vermutlich keine Chance mehr darauf, dass die Vorwürfe vor Gericht kommen.

Endlich debattieren wir über Sexismus und Übergriffe. Es geht nicht darum, Menschen an den Pranger zu stellen und zu verunglimpfen. Aber es geht darum, Täter als solche zu benennen.


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