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Gerechtigkeit

Warum Tausende Spanier für Flüchtlinge demonstrieren

27.02.2017, 11:00 · Aktualisiert: 01.03.2017, 17:11

"Zufluchtsstadt für Flüchtlinge", so hat sich die spanische Stadt Valencia selbst offiziell bezeichnet. Im September 2015. Heute klingt das eher wie eine Farce. Tausende Menschen haben deswegen in ganz Spanien am Wochenende demonstriert.

"No a l'Europa Fortaleza" - "Nein zur Europäischen Festung", schrieben Spanier in Valencia auf ihre Plakate. Und: "Volem Acollir" - "Wir wollen aufnehmen".

Angefangen haben die Proteste vor einer Woche in Barcelona: 160.000 Menschen demonstrierten an dem Wochenende (bento). Am gestrigen Sonntag gingen in 30 weiteren spanischen Städten die Menschen auf die Straße, um gegen die Abschottung der EU-Grenzen zu protestieren.

Um die Stacheldrahtzäunen an den EU-Grenzen zu umgehen, sind allein im Jahr 2015 rund 3.700 Menschen auf illegalen Routen übers Mittelmeer ums Leben gekommen, so der spanische Ausschuss für Flüchtlingshilfe CEAR.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert, dass immer noch Zehntausende Männer, Frauen und Kinder unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern in Italien oder auf den griechischen Inseln ausharren und auf ihre Einreiseerlaubnis in Asylländer warten (Amnesty International). Rund 15.000 dieser Flüchtlinge hatten im Jahr 2015 beim spanischen Staat Asyl beantragt. Bisher wurden 3.200 der Anträge bearbeitet, knapp 1.000 bewilligt (CEAR).

Zum Klicken: So sehen die Proteste aus

Ander Gillenea/AFP/Getty Images
Getty Images/Marcos del Mazo/LightRocket
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Von der "Zufluchtsstadt für Flüchtlinge" hat sich Valencia längst verabschiedet: "Die Stadt wird nichts mehr für Flüchtlinge tun", sagte Bürgermeister Joan Ribó im vergangenen Dezember. Sie hätten alle Vorbereitungen getroffen, doch der Staat behindere ihre Initiative. Die Demonstranten in Valencia geben nicht nur dem Staat die Schuld, es mangle auch an Bewusstsein in der Bevölkerung.

Wir haben mit fünf Männern und Frauen gesprochen.

(Bild: Inka Reichert)

Luz Orrico, 17, Schülerin

Die Regierung hat gesagt, wir haben genug Platz, um Flüchtlinge aufzunehmen. Aber nichts ist passiert.

Es gibt viele konservative Leute oder rechte Parteien, die nicht wollen, dass die Flüchtlinge ins Land kommen. Sie haben Angst vor Ausländern. Die Regierung bekämpft diese Angst nicht, sondern spielt das Thema sogar herunter. Sie sagen, wir haben wichtigere Probleme.

In meiner Familie reden wir über die schlimme Situation der Flüchtlinge. Doch weder in unserer Schule noch in den Medien wird das wirklich thematisiert.

Ich hole mir meine Informationen aus den sozialen Netzwerken. Auf der Video-Plattform Playground habe ich gesehen, dass die Situation der Camps in Griechenland so miserabel ist, dass die Flüchtlinge sogar lieber wieder zurück in ihr Heimatland wollen als dort zu bleiben. Das hat mich schockiert.

Es hätte genauso gut uns passieren können. Wären wir in Ländern wie Syrien geboren, wären wir jetzt in der Situation der Flüchtlinge – und wollten auch, dass uns geholfen wird.

(Bild: Inka Reichert)

Ana Tomás Tudele, 24, Journalistin

Laut Gesetz sind wir verpflichtet, denjenigen zu helfen, die vor dem Krieg flüchten. Genau wie Spanier nach dem Krieg in andere Länder geflohen sind, haben Flüchtlinge heute das Recht, bei uns aufgenommen zu werden.

Die meisten Spanier wollen helfen. Aber es dauert zu lange, bis etwas auf staatlicher Ebene entschieden wird. Im Jahr 2015 haben sich viele Menschen hier in Valencia in eine Liste eingeschrieben und erklärten sich bereit, Flüchtlinge zu Hause aufzunehmen. Doch es sind keine Flüchtlinge angekommen. Die Menschen werden müde und verlieren ihre Motivation.

Ein Problem ist auch, wie das Thema in der Öffentlichkeit kommuniziert wird. Die Medien reproduzieren einfach, was Politiker sagen. Sie haben keine Zeit für längere Recherchen.

Klar ist es ein langer und schwieriger Prozess, Flüchtlinge zu intergrieren und ihnen hier ein normales Leben zu ermöglichen. Aber wir sind Europa. Wir sind die mit am weitesten entwickelte Region auf der Welt. Wir haben die Ressourcen und die Pflicht, Flüchtlingen zu helfen.

(Bild: Inka Reichert)

Xavier Martínez, 24, Student

Ich war selbst vergangenen Sommer in Griechenland, um in den Lagern zu helfen. Aber ich kann die Situation dort nicht ändern. Nur mein Bewusstsein für die schlimme Lage der Flüchtlinge hat sich verstärkt.

Deswegen bin ich jetzt hier auf der Demo: Ich will, dass die Flüchtlinge und Hilfsorganisationen sehen, dass wir sie unterstützen – auch wenn die staatlichen Institutionen es nicht tun.

(Bild: Inka Reichert)

Melanie Torres, 26, Studentin

Wir sollten uns mit den Flüchtlingen solidarisieren. Wir müssen mehr demonstrieren, damit das Thema in die Zeitungen kommt und sich uns noch mehr Menschen anschließen. Wenn wir die Mehrheit sind, ändern sich vielleicht die Politiker.

Auch in meinem Alltag versuche ich, Bewusstsein zu schaffen: Ich gebe Unterricht für Kinder und spreche mit ihnen über die Flüchtlings-Problematik.

(Bild: Inka Reichert)

Guillermo Sanz Rodrígo, 30, Musikproduzent

Für mich ist es eine Frage der Empathie. Es berührt mich, dass es Leuten so schlecht geht. Deshalb müssen wir auf die Straße gehen und zeigen, dass uns das nicht egal ist.

Menschen die Hilfe brauchen, muss man helfen. Nur so kann die Welt, in der wir leben, auf individueller sowie kollektiver Ebene funktionieren. Die Politiker für alles verantwortlich zu machen, ist einfach. Die Realität ist: Wir haben diese Politik, weil wir sie zulassen.

Wenn man im Fernsehen sieht, was auf der Welt passiert, wird man schnell pessimistisch. Aber man muss mit kleinen Dingen im Alltag anfangen, um am Ende das große Ganze zu verändern.

Die ersten Barcelona-Proteste: So sieht es aus, wenn 160.000 Menschen fordern, dass ihr Land mehr Flüchtlinge aufnimmt

imago/ZUMA
imago/Yinhua
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