1. Startseite
  2. Gerechtigkeit
  3. Das Zentrum für politische Schönheit hat eine Rettungsplattform ins Mittelmeer gebaut

Bild: Zentrum für politische Schönheit / Nick Jaussi

Gerechtigkeit

Diese Insel rettet Leben

07.10.2015, 11:50 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Es gibt Rettungsringe, Lebensmittel und ein Notrufgerät. Aktivisten haben im Mittelmeer eine schwimmende Plattform für Flüchtlinge gebaut. Kann das funktionieren?

Es sind keine großen Industrienationen, die die Rettungsplattform ins Mittelmeer gebaut haben - sondern Berliner Aktionskünstler vom Zentrum für politische Schönheit. Monatelang saßen sie an der Entwicklung der Insel, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken bewahren soll. Drei Aktivisten fuhren schließlich nach Sizilien. Mit Betonklötzen und einem Stahlseil wurde die Plattform im Meeresboden verankert.

(Bild: Zentrum für politische Schönheit / Nick Jaussi)

"Die Insel kann Leben retten. Die europäische Grenzpolitik, die vor allem auf Abschottung setzt, zwingt weiterhin tausende Flüchtlinge zum tödlichen Weg über das Meer", sagt Leopold Bärenthal, Mitglied des Teams. Wenn Menschen auf der Insel ankommen, finden sie Lebensmittelreserven, Positionslichter und ein mit Photovoltaik betriebenes Notruftelefon. Es gibt auch Anker, Rettungsringe und Fahnenmasten. Auf der sechs mal sechs Meter großen Plattform finden etwa 60 Leute Platz.

(Bild: Zentrum für politische Schönheit / Nick Jaussi)

Bärenthal sagt, die Insel habe mehr als 40.000 Euro gekostet. Das Geld sei insbesondere über eine Crowdfunding-Aktion sowie über Spenden und Sponsoren zusammengekommen. Es soll nicht bei der einen Plattform bleiben: Sobald das Geld da ist, sollen noch 999 weitere folgen, sagt Bärenthal. "Wir wollen zeigen, dass diese Utopie Wirklichkeit werden kann. Wirtschaftlich starke Nationen sollten sich angesprochen fühlen.

Aktivisten auf Sizilien.

Aktivisten auf Sizilien. (Bild: Zentrum für politische Schönheit / Nick Jaussi)

Und wie geht es jetzt weiter?

  • Seit vergangenem Sonntag sind noch keine Menschen auf die Plattform im Meer gestoßen, niemand hat einen Notruf abgesetzt.
  • Aus der deutschen oder europäischen Politik hat sich bisher niemand beim Zentrum gemeldet - etwa, um sich zur Aktion oder weiteren Vorgehensweisen zu äußern. "Wir erwarten baldige Reaktionen", sagt Bärenthal.
  • Das Zentrum behält die Insel im Auge. "Wir wünschen uns, dass die Plattform von Küstenwachen und Grenzbehörden angenommen wird und, falls sich Menschen auf der Plattform befinden, diese gerettet werden", sagt Bärenthal.

Er und seine Kollegen wollten einen Denkanstoß für neue Hilfsmaßnahmen liefern. Es sei realistisch, Rettungsinseln wie diese im gesamten Mittelmeer zu verteilen - um das sinnlose Sterben endlich zu stoppen. 

Visualisierung: So könnte es aussehen, wenn mehrere Rettungsinseln im Meer verankert würden.

Visualisierung: So könnte es aussehen, wenn mehrere Rettungsinseln im Meer verankert würden. (Bild: Zentrum für politische Schönheit / AlexanderLehmann.net)

Das Zentrum für politische Schönheit ist ein Zusammenschluss von Künstlern und Aktivisten, die es sich unter anderem zum Ziel gesetzt haben, auf politische Untätigkeit und Flüchtlingsbewegungen aufmerksam zu machen. Mehr über das Zentrum erfährst du hier.