Gerechtigkeit

Warum junge Menschen von Berlin nach Aleppo laufen

08.01.2017, 16:45 · Aktualisiert: 08.01.2017, 17:24

Flucht in die andere Richtung

Der Schnee knirscht unter den Wanderstiefeln, die Nasen sind schon ganz rot von der Kälte. Ein paar Langläufer bleiben stehen und beobachten die vorbeiziehenden Menschen mit Pudelmützen, Wanderrucksäcken und Funktionsjacken.

Die Leute, die hier laufen, sind keine normalen Wochenend-Wanderer. Sie wollen nach Aleppo.

Zu Fuß sind es 3193 Kilometer von Berlin nach Aleppo. Einen Teil der Strecke hat die Gruppe – sie nennt sich "Civil March for Aleppo" – schon hinter sich. Am Sonntag stehen 15 Kilometer auf dem Tagesprogramm, von Dresden nach Heidenau. Zu Fuß. Mitten im Winter.

Warum tut man sich das freiwillig an? Weil das Nichtstun noch viel schmerzhafter ist als dieser Gewaltmarsch, sagt die Berlinerin Anna Alboth, die mit einem Video den Anstoß zu der Aktion gab.

I'm going to Aleppo!

WE ARE GOING TO ALEPPO! #CivilMarchForAleppo A LOT of people in Europe is sitting those days and nights to make it possible. Why, how, exact days, exact routes, legal issues and all that --> to be come very soon!

Posted by Civil March For Aleppo on Mittwoch, 30. November 2016

Der "Civil March for Aleppo" verläuft in umgekehrter Richtung auf der Flüchtlingsroute – also von Deutschland quer über den Balkan in die Türkei und weiter nach Syrien. Er soll Aufmerksamkeit bringen für ein Thema, das viele Menschen inzwischen bis zur Indifferenz abgestumpft hat. Es geht um den Bürgerkrieg, es geht um Flüchtlinge.

Die Aktion schafft es, Hunderte Menschen zu mobilisieren – aus der gefühlten Apathie hinaus auf die Straße.

In der Fotostrecke – Diese Aktivisten nehmen am Aleppo-Marsch teil:

Hanna Zobel
Hanna Zobel
Hanna Zobel
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Seit zwölf Tagen läuft die Wanderung nun schon: Am 26. Dezember ging es in der Hauptstadt los, inzwischen haben sie es bis nach Sachsen geschafft. Nicht jeder, der sich dem Kernteam um Anna und ihren Mann anschließt, ist für die ganze Strecke dabei.

Im Gegenteil. Die meisten kommen nur für einen kleinen Abschnitt des Weges dazu. Wo genau die Truppe gerade ist, kann man auf ihrer Website verfolgen.

Auf der Wanderung von Dresden nach Heidenau an diesem Samstag sind besonders viele Menschen dabei.

Und das liegt nicht einmal nur an der Tatsache, dass die Orte den bitteren Beigeschmack von Pegida und brennenden Flüchtlingsheimen haben. Sondern auch daran, dass einige Länder durch den Dreikönigstag ein langes Wochenende haben.

Wie bei Suzanna und Alexander, die extra für einen einzigen Tag aus Breslau in Polen angereist sind:

(Bild: Hanna Zobel)

Suzanna, 26, Kindertherapeutin:

"Ich fühle so hilflos, wenn ich die Bilder aus Syrien sehe. Dieser Marsch zeigt den Menschen: Selbst wenn wir dort nichts ändern können – laufen kann jeder. Ich weiß nicht, ob diese Aktion etwas großes verändern wird. Aber wenn sie wenigstens in den Köpfen von ein oder zwei Personen etwas ändert, dann war es das wert."

Alexander, 25, Logistiker:

"Ich tue es für die Menschen aus Syrien. Mir geht es darum, ihnen Hoffnung zu geben. Sie sollen sehen, dass wir sie nicht vergessen."

Hoffnung geben, Mut machen. Das scheint auch ein wenig zu funktionieren. Auf der Facebookseite des Marsches kommentieren viele Menschen mit arabischem Hintergrund, bedanken sich bei den Teilnehmern, wünschen ihnen Glück. Einige laufen auch selber mit.

So wie Bassam, der im September 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam:

Bassam, 29, aus Syrien:

"Die Nachricht, die diese Aktion sendet ist: Stoppt endlich den Krieg! Ich kann den Krieg nicht mehr ertragen. Aber es sind so viele Mächte involviert, die einen Nutzen daraus ziehen, dass ich kein Ende sehe. Als einfacher Bürger kann man dagegen wenig tun. Außer Zeichen setzen und genau das passiert hier. Ich würde gerne den ganzen Weg mitlaufen, darf aber wegen meines Asylantrags Deutschland nicht verlassen. Für mich endet der Marsch also in Sachsen."

Eines der Ziele der Aktion ist, ins Gespräch mit den Menschen entlang des Weges zu kommen. Das ist hier in Heidenau schwierig.

Im Vorfeld hatte Anna Alboth noch Drohnachrichten bekommen. "Wir lassen euch nicht nach Heidenau herein", hätten einige Menschen geschrieben. Mit etwas mulmigem Gefühl läuft sie auf den Ortseingang zu.

Der Weg nach Heidenau in Bildern:

Hanna Zobel
Hanna Zobel
Hanna Zobel
Hanna Zobel
Hanna Zobel
Hanna Zobel
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Es wäre nicht die erste Konfrontation seit Beginn der Wanderung. In Berlin hatte sich ein rechter YouTuber unter die Gruppe gemischt, in Brandenburg warteten Kriegsbefürworter auf die Gruppe. Drohnungen gibt es immer wieder.

Doch das kleine Örtchen Heidenau ist so verlassen, dass man sich fragt, ob hier überhaupt jemand lebt. Die Polizei, welche die Friedensdemo begleitet, hat nichts zu tun. Zum Glück.

Der Bürgermeister von Heidenau, Jürgen Opitz (CDU), ist von den Drohungen nicht überrascht.

Davon, dass dann doch nichts passiert, aber auch nicht:

"Durch das Internet denken die Hetzer auf einmal, sie seien viele. Aber es waren schon immer nur eine Handvoll und das ist auch jetzt so. Natürlich gibt es Stammtischparolen und Alltagsrassismus. Aber es gibt viel mehr Menschen, die sich aktiv für die Unterstützung der Flüchtlinge engagieren – auch bei uns."

Um die Wanderer zu begrüßen, sind trotzdem nur ein gutes Dutzend Heidenauer in die Turnhalle gekommen, wo die Aleppo-Läufer heute schlafen. Fast alle sind Mitglieder der Linken und des Stadtrates.

"Natürlich fragen sich viele, was diese Wanderung bewirken soll", sagt CDU-Mann Opitz. Aber etwas machen sei immer besser als untätig bleiben: "Wenn wir heute nicht hier wären, würden wir am Samstagabend über Fußball reden. So reden wir über Syrien."


Haha

Wie klingen die Tweets von Donald Trump am besten? Wenn sie der Joker vorliest!

08.01.2017, 15:47

Loooovaaa-hahahahah!

Donald Trump hat es sich angewöhnt, Politik via Twitter zu machen. Auf @realDonaldTrump schreibt er in 140 Zeichen all das auf, was die bisherigen US-Präsidenten lieber für sich behielten.

Der Nachteil der kurzen Twitterbotschaften: Keiner weiß, wie sie gemeint sind.

Mark Hamill, der den Luke Skywalker im "Star Wars"-Universum spielt, hat nun eine Idee: Er liest die Tweets einfach vor. Allerdings nicht einfach mit einer Luke-Skywalker-Stimme – denn mal ehrlich, mit einem Jedi hat Trump nun mal so gar nichts gemein.