16.04.2018, 14:01 · Aktualisiert: 17.04.2018, 10:45

Schießübung inklusive.

Die Bundeswehr bildet in einem neuen Pilotprojekt Wochenend-Soldaten und -Soldatinnen aus. Insgesamt 19 Frauen und Männer, die noch keine militärische Ausbildung haben, sind dabei und üben nun unter anderem den Dienst an der Waffe. Am Ende der Ausbildung können sie als Reservisten eingesetzt werden – also als Soldaten, die nicht im aktiven Dienst sind und nur im Notfall zur Truppe hinzugezogen werden.

Die Ausbildung der Männer und Frauen läuft "lebenslagengerecht" ab, sagt Oswin Veith, Bundesvorsitzender des Reservistenverbandes. Das heißt: Sie haben weiterhin einen Job außerhalb der Bundeswehr oder gehen zur Uni, das Bundeswehr-Training geschieht nebenbei.

Der Zeitplan: Vom Zivilisten zum Reserve-Soldaten an nur 13 Wochenenden.

1.

Warum gibt es das Projekt?

Zwei Gründe:

  1. Dem Heer fehlt es an Reservisten. Seit es keine Wehrpflicht mehr gibt, gibt es weniger Soldaten – entsprechend gibt es "nun auch keine Reservisten mehr am laufenden Band", sagt eine Sprecherin des Reservistenverbandes zu bento.
  2. Die Truppe will attraktiver werden. So sollen auch Studenten, alleinerziehende Mütter oder Jobwechsler noch mal über einen neuen Beruf oder eine Karriere beim Bund nachdenken. Das Pilotprojekt sei da entsprechend ein "kreativer neuer Ansatz".

Die Ausbildung ist zunächst ein Testlauf. Ist die Bundeswehr zufrieden, könnte daraus ein dauerhaftes Modell werden.

2.

Wer nimmt an dem Soldaten-Kurs teil?

  • Insgesamt 19 Personen, sowohl Frauen wie Männer.
  • Der jüngste Teilnehmer ist 25, der älteste 55 Jahre.
  • Laut Reservistenverband sind aber nur wenig Junge dabei: der Altersschnitt liegt bei Mitte 40.
3.

Wie genau läuft die Ausbildung ab?

Die 19 Zivilistinnen und Zivilisten, die Bundeswehr bezeichnet sie als "Ungediente", werden in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin ausgebildet (Bundeswehr). Vergangenes Wochenende war der erste Termin, abgeschlossen wird der Kurs voraussichtlich im Februar 2019.

An den Wochenenden lernen sie Erste Hilfe, Marschieren oder militärisch korrekt Grüßen. Aber auch den Dienst an der Waffe, konkret dem Sturmgewehr. Diesem hier:

Das Sturmgewehr G-36

Das Sturmgewehr G-36 (Bild: dpa/Sebastian Gollnow)

In der Zeit zwischen den Wochenend-Kursen sollen die Teilnehmer im Selbststudium weiter lernen. Es gibt kein Lehrbuch, aber Texte und Unterlagen. An den Wochenenden wird das Wissen in Tests abgefragt.

Beim Schießtraining wird erst an einem virtuellen Simulator geübt. Danach gibt es auch richtige Durchgänge auf der Schießbahn.

Eine Zielscheibe nach einem Schießtraining der Bundeswehr.

Eine Zielscheibe nach einem Schießtraining der Bundeswehr. (Bild: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

Die Kurse sind eigentlich beim Reservistenverband angegliedert. Das Schießtraining, rechtliche Fragen und den Gefechtsdienst übernehmen allerdings direkt Ausbilder der Bundeswehr – die Teilnehmer gelten dann in diesem Moment auch als aktive Soldaten.

4.

Warum will die Bundeswehr überhaupt mehr Reservisten?

Weil sich die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren geändert habe. Das sagt zumindest die Sprecherin des Reservistenverbandes:

Der Heimatschutz wird wieder wichtiger. Also braucht es auch wieder mehr Reservisten.

In den Neunzigern sei deren Zahl reduziert worden. Derzeit sind 28.000 Reservistinnen und Reservisten auf Dienstposten beordert – Platz wäre aber für rund 62.000 Posten.

Die Reservisten werden in sogenannte RSU-Kompanien eingeteilt, lokale Gruppen zur "regionalen Sicherung und Unterstützung". Dort können sie zu Hilfe gezogen werden, wenn die Truppenstärke des aktiven Heeres nicht ausreicht. Gemeint sind vor allem solche Fälle:

  • Unterstützung bei Großveranstaltungen
  • Hilfe bei Naturkatastrophen wie einem Hochwasser oder bei schweren Unfällen
  • Einsatz beim "Heimatschutz", also zum Beispiel bei Anschlägen oder Amoktaten

Die RSU-Kompanien sind bisher nur zu rund 60 Prozent mit Personal befüllt.

Die neuen Schnellkurse könnten das bald ändern – und die Reihen mit Wochenend-Soldaten auffüllen.


Gerechtigkeit

Starbucks lässt zwei schwarze Männer verhaften, weil sie einfach nur rumsaßen

16.04.2018, 13:06

Nach Protesten entschuldigt sich das Unternehmen.

In Philadelphia wurden zwei Schwarze festgenommen, weil sie sich in einem Starbucks aufhielten, ohne etwas zu bestellen. Eigentlich wollten die Männer nur in Ruhe auf ihrem Kumpel warten, als plötzlich mehrere Polizisten vor ihnen standen – dann klickten die Handschellen

Eine Frau, die bei der offenbar grundlosen Verhaftung dabei war, schrieb auf Twitter: "Die Polizei wurde gerufen, weil diese Männer nichts bestellt haben. Sie warteten nur auf einen Freund, der gerade ankam, als sie mit Handschellen aus dem Laden geführt wurden, ohne etwas getan zu haben. Währenddessen fragen sich all die anderen weißen Menschen, warum uns sowas nie passiert, wenn wir das Gleiche machen."

Dazu veröffentlichte sie dieses Video: