Bild: Ingo Wagner/dpa; Montage: bento

Gerechtigkeit

Ich bin "Generation Merkel" - und das ist auch gut so!

11.08.2017, 14:23 · Aktualisiert: 14.08.2017, 10:11

Dieses Jahr geht die "Generation Merkel" das erste Mal zur Wahl. Junge Erwachsene also, die sich bewusst nur an Angela Merkel als Bundeskanzlerin erinnern können.

"Die Zeit" nennt sie von nun an "Generation Raute". Hört sich gleich viel cooler an.

Auch ich gehöre zu dieser Gruppe. Und natürlich prägt es mein Verhältnis zur Politik, dass ich nichts anderes kenne als Merkel. Deswegen finde ich es auch nicht schlimm so oder anders betitelt zu werden.

Schlimmer finde ich es, dafür verurteilt zu werden, dass sich die Mehrheit der Erstwähler Merkel wieder als Kanzlerin wünscht. (Welt)

Das wird der Generation Merkel – und somit auch mir – nämlich mal wieder zum Vorwurf gemacht. Von Journalisten jenseits der 50. Und vielen anderen in der Generation meiner Eltern.

Weil wir uns keine Veränderung wünschen, seien wir unpolitisch, gesättigt und hätten keine Haltung.

Jaja, früher war natürlich auch die Jugend besser!

(Bild: GIPHY)

Das ist vollkommener Unsinn.

Es tut mir sehr leid, der Generation meiner Eltern das mal sagen zu müssen, aber: 

Ein Weiter-So ist auch eine Haltung. 

Nur, weil ihr eure Meinung mit Protest auf der Straße zum Ausdruck gebracht habt, heißt das nicht, dass wir keine haben, wenn wir nicht auf der Straße sind. Das wäre ein logischer Fehlschluss. 

Und wer glaubt, Zufriedenheit sei ein anderes Wort für Politikverdrossenheit oder Gleichgültigkeit, der irrt sich.

Meine Generation hat das außergewöhnliche Glück, in einer Phase des Friedens aufgewachsen zu sein. In einer stabilen Demokratie und mit einer Fülle an Möglichkeiten, die manchmal sogar überfordert.

Um uns herum geht Einiges schief. Ob Russland, Polen oder Amerika: Wir nehmen wahr, dass es uns vergleichsweise gut geht.

Warum sollte man sich nicht wünschen, dass es so weitergeht?

Das macht uns nicht gleich dumm, faul und unmündig – sondern vernünftig. Sicherheit und stabile Verhältnisse sind etwas, nach dem viele Menschen streben.

Vielleicht ist die Generation Merkel eine Generation der neuen Spießer – so what? Für unsere Eltern mag es ein Schimpfwort gewesen sein. Für uns, eine Generation, die sehr wohl bemerkt, dass die Welt im Umbruch ist, klingt Stabilität eben eher verlockend.

Und während Mama und Papa stolz auf Demos Plakate mit "Atomkraft, nein Danke" und "Make love, not war" vor sich her tragen konnten, ahnen wir, dass die Welt längst zu komplex geworden ist für simple Slogans und Ideologien. 

Das sieht man auch in diesem Wahlkampf-Quiz – man kann manchmal kaum erkennen, welcher Slogan zu welcher Partei gehört.

Das kann natürlich manchmal lähmend wirken:

Wenn ich heute für ein vereintes Europa und gegen das Abdriften der osteuropäischen Staaten demonstrieren will, liegen die Ursachen bei der EU, der Flüchtlingskrise und Russland.

Es gibt eben nicht mehr die eine Antwort auf politische Fragen.

Die Zeit der einfachen Lösungen ist vorbei und wahrscheinlich gab es sie auch nie.

Aber auch dafür steht Merkel: eine grundsätzliche ideologische Haltung überdenken können. Ergebnis davon sind beispielsweise die Energiewende und die Abstimmung über die Ehe für Alle.

Unter Merkel ist eine Generation in einem stabilen, sich trotzdem wandelnden Land aufgewachsen.

Natürlich hat ihr vieles geholfen, zum Beispiel wurde Deutschlands wirtschaftlicher Aufschwung durch die SPD-Arbeitsmarktreformen und den für Deutschland erfreulich schwachen Euro wahrscheinlich erst möglich.

Aber so ist das nun mal - Politiker steuern ihr Land durch eine bestimmte Zeit. Und ich glaube, niemand würde behaupten, diese Zeit sei insgesamt betrachtet eine leichte gewesen.

Deshalb ist sie eine Symbolfigur für die Stabilität.

Selbstverständlich ist auch unter Merkel nicht alles toll: Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer, das Bafög ist zu niedrig (bento), und das Steuersystem ist hochkompliziert.

Und dann gibt es ja noch das wichtigste Thema für uns, die Erstwähler: Generationengerechtigkeit. Wir werden nicht gehört, nicht ernst genommen, und unsere Zukunft wird aufs Spiel gesetzt - Hauptsache die Renten unserer Eltern sind sicher. Natürlich macht mich das wütend.

Aber: Ich sehe momentan keine wirklichen Alternativangebote. Noch ist kein Spitzenkandidat mit der Forderung nach einer Jungen-Quote in den Wahlkampf gezogen, damit die Zukunft dieses Landes sich überhaupt Gehör verschaffen kann. 

Ich weiß allerdings auch: Keine Partei wird jemals hundert Prozent meine Vorstellungen vertreten und durchsetzen – da sind wir wieder beim ach so schlimmen Pragmatismus der "Generation Raute."

Doch in einer Zeit, in der Tweets zur außenpolitischen Eskalation führen können und Systeme von heute auf morgen umstürzen, ist es für mich völlig natürlich, den Wunsch nach Kontinuität und Berechenbarkeit über vieles andere zu stellen.

Deshalb, liebe Eltern und ältere Redakteure: Hört auf, euch so eitel für eure eigene Haltung auf die Schulter zu klopfen. Und macht es der Generation Merkel nicht zum Vorwurf, wenn wir CDU wählen. Das heißt nämlich, dass wir etwas wollen - und wahrscheinlich, dass eure Renten sicher sind.

Die Autorin ist Mitglied der CDU.


Haha

Nichts ist so zynisch wie die Zettelbotschaften dieses Comedians

11.08.2017, 13:30 · Aktualisiert: 11.08.2017, 14:07

Wir alle kennen diese Zettel, die an Straßenlaternen oder Litfaßsäulen hängen: Paare suchen Wohnungen, Studenten bieten Mathe-Nachhilfe oder Yoga-Gurus mehr innere Ruhe an. 

In San Francisco findet man dort auch nicht ganz ernst gemeinte Stellenanzeigen von Google. Auf einem DIN-A4-Blatt steht in bunten Großbuchstaben: "Google – Now Hiring" (Google stellt ein.)