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Gerechtigkeit

Warum Wahlumfragen besser als ihr Ruf sind – und wo sie trotzdem versagen

09.08.2017, 15:29 · Aktualisiert: 09.08.2017, 18:32

Seit Brexit und Donald Trump haben viele den Glauben an Umfragen verloren. Es stimmt ja auch: In beiden Fällen haben viele Institute vorher ein anderes Ergebnis vorhergesehen – aber es waren auch beides sehr knappe Entscheidungen.

Und bei der US-Wahl waren sie sogar sehr genau. Hillary Clinton wurden zuletzt 3,5 Prozent Vorsprung landesweit vorhergesagt, 2,1 Prozentpunkte waren es am Ende. Gewonnen hat trotzdem Trump wegen eines komplizierten Wahlmännersystems in den USA.

Seitdem läuft es rund für die Institute und ihre Vorhersagen: Die Präsidentschaftswahl in Österreich war genauso richtig vorhergesagt worden wie die Parlamentswahlen in den Niederlanden. Auch in Frankreich haben die Wahlforscher bei beiden Wahlgängen richtig gelegen.

In Deutschland ist die Lage zwar wegen der vielen Parteien ein wenig komplizierter, trotzdem lagen die großen Institute in der Vergangenheit oft erstaunlich genau. Es hilft einfach, sich beim Lesen der Umfragen drei Dinge klar zu machen: 

Eine Umfrage ist keine Vorhersage für den 24. September

Obwohl wir umgangssprachlich oft die Begriffe synonym verwenden, gibt es einen Unterschied zwischen Prognosen, Umfragen und Projektionen.

Umfragen messen aktuell die Sympathien für die Parteien. Die Forschungsgruppe Wahlen nennt das die "Politische Stimmung". Sie ist das unbereinigte Ergebnis auf die Frage: "Für wen würden Sie stimmen, wenn heute Wahl wäre?" Weil aber nicht alle Befragten später zur Wahl gehen und Menschen sich nicht nur aufgrund ihrer aktuellen Meinung, sondern auch wegen langfristiger Sympathien und taktischer Überlegungen für eine Partei entscheiden, gewichten die Institute diese Ergebnisse.

Sie rechnen die Stimmung in Stimmen um – aus der politischen Stimmung wird die Projektion. Die Veränderungen hier sind deutlich kleiner. Die Forschungsgruppe Wahlen ist das einzige Institut, das die Stimmung separat veröffentlicht, alle anderen veröffentlichen genau genommen diese Projektion – das, was in den Medien dann oft als "Sonntagsfrage" läuft.

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Logo_L.png#asset:1580048Christian Fahrenbach und Dominik Wurnig von Signal & Rauschen erklären den Stand zur Bundestagswahl: Wer liegt in den Umfragen vorne, warum bekommen die Zahlen so viel Aufmerksamkeit und wie zuverlässig sind sie überhaupt? Das Projekt wird unterstützt vom MIZ-Babelsberg. Hier geht's zur aktuellen Prognose

Sowohl Umfragen als auch Projektionen sind also Momentaufnahmen. Sie beschreiben den Ist-Zustand zum Umfragezeitpunkt. Eine Prognose ist aber die Vorhersage für die Zukunft. Meinungsforscher legen Wert darauf, dass Umfragen und Projektionen keine Prognosen sind – besonders wenn es bis zum Wahltag noch einige Zeit dauert.

Beispielsweise die Wahl 2002 mit dem Oderhochwasser und der Irakkriegsdebatte hat gezeigt, wie schwierig Prognosen sind. Gerhard Schröder lag sechs Wochen vor der Wahl noch sieben Prozentpunkte hinter der Union. Während des Hochwassers und durch sein Nein zum Irakkrieg überzeugte er aber viele als Krisenmanager und holte so auf Edmund Stoiber auf. 

Noch krasser war es 2005: Sieben Wochen vor der Wahl hat Schröder 14 Punkte hinter Merkel gelegen und diese bis zum Wahltag fast völlig aufgeholt – übrigens ist das genau der Vorsprung, den Merkel aktuell vor Martin Schulz hat. Es ist also nicht unmöglich, dass Schulz noch gewinnt. Aber Schröder hatte 2005 bereits mit seiner Aufholjagd begonnen und die SPD steht im Moment ziemlich stabil bei um die 24 Prozent hinter der Union mit 38 Prozent.

Jede Umfrage ist ungenau

Es ist völlig unmöglich, alle Menschen zu befragen, die am Wahltag tatsächlich ihre Stimme abgeben. Die Meinungsforscher fragen deshalb eine Stichprobe der Bevölkerung, oft sind das knapp über 1000 Menschen. Dann gewichten sie die Antworten so, dass sie dem Gesamtschnitt der Bevölkerung aus verschiedenen Altersgruppen und mit unterschiedlichen Lebensbedingungen entsprechen.

Danach rechnen die Institute ihre Ergebnisse hoch und geben eine sogenannte Schwankungsbreite an. So schreibt beispielsweise Infratest dimap: “Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt.” Heißt also: 

Wenn ein Institut 24 Prozent für die SPD kommuniziert, dann sind sich die Forscher eigentlich 95 Prozent sicher, dass der Wert irgendwo zwischen 21 und 27 Prozent liegt.

Man könnte diesen Wert reduzieren, beispielsweise indem statt 1000 einfach 10.000 Menschen befragt werden. Dadurch würde die Schwankungsbreite auf einen halben Prozentpunkt sinken, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung. Allerdings wären die Umfragen dann erheblich teurer und auch kaum noch in einem überschaubaren Zeitraum durchführbar. 

Verschiedene Institute arbeiten mit unterschiedlichen Methoden

Meinungsforscher müssen bei ihren Umfragen irgendwie an alle Bevölkerungsgruppen herankommen: An Menschen auf dem Land, genauso wie an Menschen in den Städten; an Reiche und an Arme; an Menschen ohne Festnetztelefon, genauso wie an solche ohne Handy; oder an Wähler von Volksparteien ebenso wie an solche von Extremparteien am politischen Rand. Dafür kombinieren sie verschiedene Methoden. 

Beispielsweise befragt Infratest dimap 70 Prozent Festnetzbesitzer und 30 Prozent Mobilfunknutzer. Die sind zwar häufig jünger und urbaner, allerdings kann man bei ihnen nicht gezielt nach Menschen in einer bestimmten Region suchen, weil die Vorwahlen ja nicht zuordenbar sind. Allensbach befragt die Menschen sogar noch persönlich. Wer einen besseren Überblick bekommen will, kann sich also mehrere Umfragen gleichzeitig anschauen – auch unser Modell basiert darauf. 


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