Bild: dpa / Sophia Kembowski

Gerechtigkeit

Mich regt der Hype um "Die Partei" auf!

31.08.2017, 16:59 · Aktualisiert: 03.09.2017, 16:34

Wer "Die Partei" wählt, verachtet Politik

Alle mögen Satire. Ob "Neo Magazin Royale" oder John Oliver: Wir lieben den bissigen Humor, den Witz als Alltagsflucht, das Hart-an-der-Grenze-Sein. Satire ist die Droge der Kleinintellektuellen.

Die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" – kurz "Die Partei" – hat die Satire in die Politik geholt. Und treibt es dabei auf die Spitze. Für die Mitglieder der "Partei" wird Satire zu politischer Praxis.

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Es ist eine Sache, sich an guter Satire zu erfreuen. Es ist eine andere, ihr tatsächlich politisches Gewicht verleihen zu wollen.

Satire will und soll durch Spott, Ironie und Übertreibung kritisieren und auf Missstände aufmerksam machen. Das heißt: Sie schaut auf die Politik. Sie macht sie aber nicht.

"Die Partei" hat das umgekehrt. Mit lustigen Sprüchen, provokativen Plakaten und seltsamen Auftritten in der Öffentlichkeit geht sie auf Stimmenfang.

Die Kleinpartei wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins "Titanic" gegründet. Mittlerweile hat sie rund 24.000 Mitglieder, nur etwas weniger als die AfD. Der Vorsitzende Martin Sonneborn hat es 2014 sogar ins Europaparlament geschafft. Sonst war "Die Partei" bisher nur bei Kommunalwahlen erfolgreich.

Das liegt wohl auch an der Unergründbarkeit ihrer politischen Ziele: "Die Partei fordert die Durchsetzung allumfassender universeller Gesamtgerechtigkeit, zumindest aber doppelt so viel Gerechtigkeit wie die SPD", heißt es beispielsweise im Wahlprogramm.

So lange es auf einem intellektuellen Niveau anspruchsvoll ist, darf man also ohne jegliche politische Lösung um ein Mandat in einem Parlament kämpfen?

In den vergangenen Wochen hat "Die Partei", obwohl sie derzeit deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde liegt, so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie wohl Grüne und Linke zusammen.

  • Politische Internetgrößen wie Shahak Shapira traten öffentlichkeitswirksam ein (bento).
  • Der Wahlwerbespot ist ein skurriler Mix aus Bier, Ärschen und Schaum.
  • Und Nico Semsrott will Nichtwähler überzeugen, Abgeordnete zu wählen, denen "es egal ist, dass [sie] im Bundestag sitz[en]" (bento).

Es ist ein regelrechter Hype entstanden. So viel mediale Berichterstattung heimst keine andere Kleinpartei ein.

Gerade im Netz begeistert "Die Partei" viele. Um die 270.000 Facebook-Likes hat die Seite, also weit mehr als die CDU mit rund 143.000 oder die SPD mit 158.000 Likes. Einige wollen "Die Partei" am 24. September tatsächlich wählen.

Mich regt das auf. Wer "Die Partei" aus Protest wählt, hält auch die "Heute-Show" für eine seriöse Nachrichtensendung.

Und er ignoriert die Wichtigkeit der Bundestagswahl.

Menschen, die aus Protest nicht wählen, kommen eigentlich nicht gut an. Im Fall von "Die Partei" scheint das anders zu sein: Ist Protestwählen jetzt plötzlich toll, weil man damit alle anderen einfach nur verarschen will?

Nein. Wer sich in Doppeldeutigkeiten flüchtet und denkt, dass es ein starkes Zeichen sei, eine Partei zu unterstützen, die keinen blassen Schimmer von Realpolitik hat, der irrt.

Ein viel stärkeres Zeichen wäre es, die Partei zu wählen, mit der man am meisten übereinstimmt – und die mit Inhalten überzeugen will.

Aber wer aus Protest die Politiker wählt, die laut Nico Semsrott zu faul sind, "zur Sitzung zu gehen", hat schlichtweg keinen Bock auf Veränderung.

Die Autorin ist Mitglied der CDU.


Gerechtigkeit

Sat1 gewinnt Wettbewerb zur dümmsten TV-Duell-Frage des Jahres

31.08.2017, 15:47

"Finden Sie Christian Lindner scharf?"

FDP-Chef Christian Lindner sieht auf seinen Wahlkampfplakaten aus wie ein Hugo-Boss-Model. Darüber gibt es schon so viele Witze, dass kaum einer über die eigentlichen Inhalte auf den Plakaten nachdenkt. 

Nun war Lindner zum "Kleinen TV-Duell" bei Sat1 geladen, einem Treffen von FDP, den Grünen, der Linkspartei und der AfD. Das Format hieß "Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen". Mitglieder aller vier Parteien sollten ihre Antworten präsentieren. Dafür hatten sie jeweils 30 Sekunden Zeit.

Eigentlich hätte alles seriös werden können.