Bild: Getty Images/Matt Cardy

Gerechtigkeit

Brexit: Wenn die Alten den Jungen die Zukunft verbauen

25.06.2016, 10:16 · Aktualisiert: 26.06.2016, 22:02

Wir müssen lauter werden!

Die Briten haben sich entschieden: Sie wollen aus der Europäischen Union austreten. Das Ergebnis schockt die EU. Der Nationalismus ist zurück, Europa wird nicht mehr so sein, wie es bis Donnerstag war.

Ever-closer union? Eine Vision ist zerbrochen.

Schuld daran sind die Alten, sie haben der Jugend die Zukunft gestohlen.

Nach der Wahl durchgeführte Umfragen zeigen deutlich: Es waren die alten Wähler, die die Jungen aus der EU geworfen haben.

Etwa 75 Prozent der 18-24-Jährigen stimmten gegen den Brexit, eine satte Mehrheit also. Bei den Briten über 65 Jahren ist es anders. Von ihnen stimmten nur etwa 39 Prozent für den Verbleib in der EU. Die Jungen wollten den Brexit also nicht und müssen jetzt damit leben.

Die Stimme einer 90-Jährigen zählte genauso viel wie die einer 21-Jährigen. Und 16- und 17-Jährige durften nicht einmal abstimmen – obwohl das viele Kritiker gefordert hatten.

Die Jugend ist wütend – und das zurecht. Denn es ging im Referendum um ihre Zukunft.

Die Mehrheit der jungen Briten hat verstanden, dass ein nationaler Alleingang nichts besser macht. Die meisten Probleme betreffen eben nicht mehr nur ein Land. Die Flüchtlingskrise managen, die Ursachen des Klimawandels bekämpfen: Ein Staat alleine kann diese Herausforderungen nicht bestehen. Die EU könnte es zumindest besser als Nationalstaaten – wenn sie sich denn einig wäre. Die Hoffnung darauf haben die jungen Briten offenbar nicht verloren. Auch die ausländerfeindlichen Sprüche der Brexit-Befürworter im Wahlkampf haben sie nicht beeindruckt.

Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Jungen im Gegensatz zu den Alten erfahren haben, wie schön Europa sein und wie gut es funktionieren kann. Viele von uns haben im Ausland studiert, das Sprachwirrwar im Wohnheim genossen und die Abendessen in kleine Kulturfestivals verwandelt. Nach einem Erasmus-Semester kommt kaum jemand noch auf die Idee, aus der EU austreten zu wollen. Auch wenn sie bisweilen bürokratisch wirkt.

Und es sind ja nicht nur Erasmus-Studenten, die internationaler leben. Auch Azubis nehmen mittlerweile an Austauschprogrammen teil. Freunde in fremden Ländern sind mittlerweile nur einen Skype-Call entfernt, alle treffen sich täglich auf Facebook. Wer glaubt in Zeiten der Digitalisierung schon noch an nationale Grenzen? Offenbar nur die Alten.

Alte Menschen, die mit ihrer Engstirnigkeit den Jungen die Zukunft verbauen – das droht nicht nur in Großbritannien.

In den USA unterstützen viele wütende ältere Menschen Donald Trump. Bei den Millenials hingegen ist er notorisch unbeliebt (hier geht es zur entsprechenden Studie). Die AfD hat in Deutschland ähnliches vor wie Trump in den USA: Auch sie wird eher von Mittelalten und Alten als von 18-24-Jährigen unterstützt (Zeit Online).

Die Wähler der Populisten eint ein Motiv: Angst vor der Zukunft.

Mit nationalen Alleingängen setzen wir aber genau die aufs Spiel. Die Mehrheit der jungen Menschen in Großbritannien, der USA und Deutschland hat das zum Glück verstanden. In Großbritannien wurde sie am Donnerstag trotzdem überhört. Aber die Debatte darum, wie das neue Europa aussehen soll, hat gerade erst begonnen.

Höchste Zeit also, dass wir uns endlich Gehör verschaffen!

In der Fotostrecke: Was denken junge Briten jetzt?

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Lass uns Freunde werden!

Gerechtigkeit

Liebe Generation Rollator, macht mir mein Europa nicht kaputt

24.06.2016, 17:45 · Aktualisiert: 12.07.2016, 21:35

Auch wenn es die Älteren nicht verstehen: Wir brauchen die Idee von Europa jetzt mehr denn je.

"Was dieses Interrail und Erasmus war, werden wir unseren Enkeln später mal erklären müssen", das schrieb mir meine Schwester heute morgen. Zynisch, übertrieben, Galgenhumor? Ich weiß es nicht.

Ehrlich gesagt habe ich Angst, dass es die Welt, in der ich die vergangenen 25 Jahre groß geworden bin, so bald nicht mehr gibt. Jetzt, wo sich eine Mehrheit der Briten dafür entschieden hat, aus der EU auszutreten.

Dass ich im September für ein Jahr nach Großbritannien gehe und dort an der London School of Economics einen Master im europäischen Wettbewerbsrecht mache, klingt jetzt ziemlich ironisch. Was ich da wohl lernen werde? Und brauche ich jetzt eigentlich ein Visum? Die Uni schreibt, dass die Studiengebühren für EU-Bürger nicht erhöht werden. Besten Dank auch.

In der Fotostrecke: Was denken junge Briten jetzt?