Bild: Imago; Montage: bento

16.02.2018, 15:40 · Aktualisiert: 16.02.2018, 17:17

Dabei soll die einfach nur über sexuelle Vielfalt informieren

An Berliner Kindertagesstätten soll eine neue Broschüre verteilt werden, die sich mit sexueller Vielfalt beschäftigt. Sie trägt den etwas umständlichen Titel: "Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben".

Auf 140 Seiten widmet sie sich den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern und der Vielfalt sexueller Orientierungen. Nun wollen AfD und CDU die Kita-Broschüre verhindern. Ihre Angst: Durch das Heft würden Kinder viel zu früh "sexualisiert".

Um diese Broschüre geht es (zur PDF-Version):

Gegen die Broschüre wird jetzt Stimmung gemacht:

  • In einer Pressemitteilung empörte sich zunächst Steffen Königer, Fraktionsvorsitzender der AfD Brandenburg: "Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren müssen vor solchen Ideen, die nur kranken Hirnen mit pädophilen Hintergedanken entsprungen zu sein scheinen, geschützt werden."
  • Dann sprang auch die Berliner AfD auf. Sie schrieb von einer "Sex-Broschüre" und von "Geldverschwendung".
  • Zuletzt legte auch die Berliner CDU nach. In einem offiziellen Antrag an den Berliner Senat forderte sie, die Verbreitung der Broschüre zu stoppen. Begründung: "Fragen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt gehören nicht in die Berliner Kindertagesstätten."
  • Im Netz haben empörte Aktivisten zudem eine Petition "gegen den staatlichen Missbrauch und die Manipulation der Kinder durch die LGBT-Lobby" gestartet. Sie ist seit drei Tagen online, die Hälfte der nötigen 50.000 Stimmen kam bislang zusammen.

Das Problem: Die Vorwürfe passen nicht – denn die Broschüre hat eigentlich ein anderes Ziel.

Sie richtet sich nicht an Kinder, sondern an Erzieher. Und sie handelt auch nicht von Sex oder von Sexualaufklärung – sondern vom richtigen Umgang mit sexueller Vielfalt. Entwickelt wurde sie vom Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg und der Bildungsinitiative "Queerformat".

Sie soll also Erziehern dabei helfen, Kinder aus verschiedenen Familienmodellen zusammenzubringen.

Schon im Vorwort heißt es, die Broschüre solle eine Handreichung für "pädagogisches Handeln im Umgang mit Geschlechtervielfalt und Familienvielfalt" sein. Die Berliner Senatssprecherin Iris Brennberger glaubt nun, dass es die Kritiker noch nicht mal bis zum Vorwort geschafft haben.

Brennberger hält vor allem den Vorwurf der AfD für populistisch und kenntnisfrei: "Die Handreichung richtet sich ausschließlich an das pädagogische Fachpersonal", sagte sie dem rbb. Die Broschüre sei nicht für Kinder gedacht. Da sexuelle Vielfalt längst real sei, sei es wichtig, Erzieher entsprechend zu schulen.

Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, kritisiert zudem, dass die CDU auf die Vorwürfe der AfD mit aufgesprungen ist: Homophobie und Vorurteile seien gesellschaftliche Realität, die CDU solle daher "nicht auf AfD-Kurs umschwenken".


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