Bild: dpa/Alexander Prautzsch

02.06.2018, 18:38 · Aktualisiert: 05.06.2018, 10:32

Er will provozieren und spalten. Und verharmlost damit die Nazi-Zeit.

Alexander Gauland ist Vollprofi. Seit Jahren nutzt er die Medien, um Aufmerksamkeit für die rechten Positionen der AfD zu gewinnen. Jetzt hat er es wieder geschafft, wohl auch mit diesem Artikel: Beim Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" (JA) in Thüringen sagte er:

Hitler und die Nationalsozialisten sind nur ein Vogelschiss in 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.

Davor hatte sich der AfD-Chef in seiner Rede zur Verantwortung für den Nationalsozialismus bekannt: "Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre."

Kurz darauf kam jedoch das "aber" – in Form des oben genannten Zitates.

Die Äußerungen Gaulands sind ein Eklat. Wer eine Diktatur, die einen Weltkrieg mit 60 bis 70 Millionen Toten (bpb) und industriellen Massenmord zu verantworten hat, als "Vogelschiss" bezeichnet, will nicht diskutieren, sondern provozieren und spalten.

Das ist Alexander Gauland offenbar gelungen. Kurz nach der Rede twitterte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer:

Diese Distanzierung ist wichtig. Sie zeigt aber auch, dass die AfD mit ihrer Masche weiter Erfolg hat. Denn wenn jetzt wieder diskutiert wird, geht es um etwas, das der 77-jährige Parteichef und seine Mitstreiter eigentlich schon längst bewiesen haben. Sie sind rechts, oft rechtsradikal, und dafür gibt es mehr aus ausreichend Beweise. Gerade Gauland hat inzwischen oft gezeigt, wie er die deutsche Geschichte sieht.

Nicht die erste Verharmlosung der Nazi-Diktatur

Schon beim sogenannten "Kyffhäuser-Treffen" des rechten AfD-Flügels um Björn Höcke sagte Gauland im vergangenen Herbst ähnliches. (SPIEGEL ONLINE) Auch damals beschrieb er die Verantwortung für den Nationalsozialismus wie ein Problem, das man hinter sich lassen müsse:

Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen.

Außerdem forderte Gauland in der Rede:

...haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.

Doch nicht nur mit seinen eigenen Worten macht Gauland immer wieder klar, wo er politisch steht. Auch innerhalb der AfD hilft er seit langem, radikale rechte Positionen weiter zu ermöglichen:

  • In seinem Bundestagsbüro beschäftigt er mehrere Mitarbeiter mit Verbindungen zur Neonazi-Szene. (bento)
  • Björn Höckes Aussagen über das "Denkmal der Schande" verteidigte er. (DLF)
  • Das Ausschlussverfahren gegen Höcke lehnte er ab. (RBB)
  • Den Volksverhetzungsparagrafen will er umschreiben. (bento)

Falls Gauland jetzt also sagen sollte, er werde einseitig zitiert oder falsch verstanden, ist das nicht wahr.

Es wird nicht die letzte Verharmlosung sein

Wenn der AfD-Vorsitzende die NS-Zeit jetzt als "Vogelschiss" bezeichnet, dürfte er auch austesten, wie weit er es noch treiben kann. Seit einiger Zeit überlegen immer mehr Politiker, ob es nicht doch okay sein könnte, mit der AfD zu koalieren. In Brandenburg will die CDU vor den nächsten Landtagswahlen ausdrücklich keine Form der Zusammenarbeit ausschließen. (SPIEGEL ONLINE)

Auch Vertreter anderer Parteien flirten in letzter Zeit verstärkt mit rechtem Vokabular. Sie alle sollten spätestens sich nach dieser Rede fragen, ob das wirklich eine gute Idee ist.

So berichtet bento über die AfD

Wir verhelfen der AfD zu mehr Aufmerksamkeit, wenn wir über die Provokationen und Tabubrüche der Rechtspopulisten berichten. Wenn wir sie ignorieren, melden sich Menschen und fragen: Wo bleibt der Aufschrei? Ist das, was die AfD sagt, etwa schon "normal"?

Wie wir mit diesem Dilemma umgehen und wann wir wie berichten, haben wir hier aufgeschrieben.


Future

Wie lange darf man wirklich in der Sonne liegen – mit und ohne Sonnencreme?

02.06.2018, 18:10 · Aktualisiert: 02.06.2018, 18:10

Fünf, zehn oder sogar 20 Minuten?

Gemütlich in Bikini oder Badehose in die Sonne gelegt, kurz eingenickt, und: verbrannt. Irgendwie überschätzt man jeden Sommer erneut, was die eigene Haut so verträgt – und was eben nicht.

Deshalb haben wir mal nachgefragt: Ab welcher Dauer wird es für welchen Hauttyp kritisch? Und was kann passieren, wenn man sich regelmäßig verbrennt? Percy Lehmann, Direktor des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie am Helios-Universitätsklinikum Wuppertal, antwortet. 

Ist denn jeder Sonnenbrand dramatisch?

Leider ja. "Jeder Sonnenbrand schadet unserer DNA und unseren Zellen", erklärt Lehmann. Der Dermatologe vergleich die Haut mit einem Computer: "Sie merkt sich jeden Schaden und spuckt ihn nach Jahrzehnten wieder aus." Der größte Schaden, der langfristig entstehen kann, ist Hautkrebs.