Bild: Twitter/Bana al-Abed

Gerechtigkeit

"Seit heute Nacht haben wir kein Haus mehr": Der Krieg in Aleppo aus Sicht eines Mädchens

28.11.2016, 11:30 · Aktualisiert: 28.11.2016, 12:19

Aleppo steht vor der Rückeroberung. Die siebenjährige Bana al-Abed erlebt das so: "Seit heute Nacht haben wir kein Haus mehr, es wurde zerbombt & ich wurde im Geröll verschüttet. Ich habe Leichen gesehen und bin fast gestorben."

Das zumindest twitterte Bana am Sonntagabend:

Bana ist ein Mädchen aus dem Osten Alepposund gilt im Netz vielen als Stimme der Stadt. Auf Twitter schreibt sie seit zwei Monaten über die Angriffe, wobei ihre Mutter den Account betreut (hier kannst du mehr über Bana erfahren).

Mehr als 130.000 Menschen folgen ihr, Tausende retweeten ihre Meldungen aus Aleppo. Nun bangen sie um das Überleben des Kindes.

Die Stadt in Nordsyrien ist die am härtesten umkämpfte Stadt im Land – wer sie kontrolliert, hat im bald sechs Jahre andauernden Syrienkrieg einen großen Vorteil.

So ist die Lage in Aleppo

Die ehemals größte Stadt in Syrien ist seit Jahren am härtesten umkämpft. Das Assad-Regime, Rebellen, Kurden und Islamisten beherrschen je Stadtteile – die Zivilisten in der Stadt leiden in allen Vierteln. Die größte Gefahr geht von der syrischen Armee aus: Mit Unterstützung Russlands wirft sie immer wieder zersplitternde Fassbomben über Aleppo ab.

Was passiert jetzt in Aleppo? Wieso wurde Banas Haus bombardiert?

Im Osten der Stadt waren zuletzt noch rund 250.000 Zivilisten eingeschlossen. Syrische und russische Flugzeuge bombardieren die Gegend ständig, seit etwa zwei Wochen haben sie eine Großoffensive zur kompletten Eroberung gestartet. Vergangene Woche wurden die letzten Krankenhäuser vernichtet (bento), in den vergangenen drei Tagen wurden mehrere Rebellenviertel erobert, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Für das Assad-Regime gelten alle Bewohner des Ostteils als Terroristen – egal ob es sich um Kinder, Ärzte oder auch Rebellen handelt. Die staatliche Nachrichtenagentur "Sana" berichtet, Islamisten würden sich in Privathäusern verschanzen und dort Sprengfallen installieren, überprüfen lässt sich das nicht. Immer wieder werden willkürlich Fassbomben und Granaten über Wohnvierteln abgeworfen – wie nun über Banas Haus. Viele Zivilisten haben kaum eine Chance, sich in Sicherheit zu bringen.

Was droht, wenn Aleppo komplett zurückerobert wird?

Nach Angaben der Beobachtungsstelle hat die syrische Armee am Montag eine Schneise in die Ostviertel geschlagen – rund 10.000 Familien sind bereits auf der Flucht. Etwa 6000 sollen in die verbliebenen Rebellenviertel geflohen sein, der Rest in die vom syrischen Regime kontrollierten Gebiete. Die Zahlen lassen sich unabhängig jedoch nicht bestätigen.

Auch wie es weitergeht, bleibt unklar: In den verbliebenen Rebellenvierteln werden nun immer mehr Familien Zuflucht suchen. Medizinische Hilfsmittel und Lebensmittel werden dort knapper, die Bombardements werden wahrscheinlich weitergehen. Ob die Familien, die sich auf die Seite des Assad-Regimes durchgeschlagen haben, in Sicherheit sind, ist auch ungewiss. Ihnen droht Schlimmes – da sie ja als Terroristen gelten.

SANA
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dpa/Mohammed Badra
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Bereits in den vergangenen Kriegsjahren hat Assad Tausende Bürger in Foltergefängnisse gesteckt. Dort droht ihnen Schreckliches: Ein geflohener Fotograf unter dem Decknamen "Caesar" des syrischen Geheimdienstes hat Zehntausende Bilder von Folteropfern außer Landes geschmuggelt (Human Rights Watch). Sie wurden als authentisch bewertet – und belegen den Tod von mehr 6700 Gefangenen.

Bana, das Mädchen aus Aleppo, hat die Bombennacht überlebt. Am Montagmorgen twitterte sie erneut. Sie befinde sich jetzt "zwischen Leben und Tod".


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