Bild: Screenshot/bento

Gerechtigkeit

Dieser Hashtag erklärt dir Afrika

03.05.2016, 11:19 · Aktualisiert: 03.05.2016, 11:22

Nein, Afrika ist kein Land. Es ist 54 Länder.

Von außen wirkt Afrika für viele wie ein einziges großes Land voller Probleme: Ebola-Ausbrüche im Westen, Hüngernöte und Dürren im Osten, Piraterie und Flüchtlingselend an den Küsten. Dazwischen: Diktaturen und Apartheid-Staaten, Autokratien und ewige Monarchien.

Die eigentliche Diversität des Kontinents, die kulturelle Vielfalt und politischen Hoffnungen der afrikanischen Jugend ist oft kaum sichtbar.

Zum Glück gibt es Siyanda Mohutsiwa aus Botswan. Die 22-Jährige Satirikerin bildet auf Twitter mit viel schwarzem Humor die Vielfalt der afrikanischen Staaten ab – und hat so zwischen ihnen eine große Debatte um Identität und Anspruch ausgelöst.

Alles begann mit diesem Tweet:

Direkt war der Hashtag #IfAfricaWasABar geboren. Und die Klischees purzelten.

Südafrika ist das "rich kid" des Kontinents:

Simbabwe kommt unter der Diktatur von Robert Mugabe nicht voran:

Der neu gegründete Südsudan ist von Kämpfen zerrissen:

Und Ruanda hat mit der Erinnerung an den Völkermord zu kämpfen:

In nur wenigen Stunden hatte sich die Idee von Siyanda Mohutsiwa im Juli vergangenen Jahres zu einem panafrikanischen Satirefest entwickelt. Der Hashtag lebt bis heute immer wieder auf, Siyanda spricht mittlerweile weltweit von ihren Erfahrungen – und was soziale Medien gegen Diktaturen bewirken können.

Siyanda Mohutsiwa

Siyanda Mohutsiwa (Bild: YouTube/TED)

bento hat Siyanda auf der Netzkonferenz re:publica in Berlin getroffen. Im Rückblick sagt sie über #IfAfricaWasABar: "Die Menschen haben es als Mittel zum Vernetzen verstanden." Es sei nicht nur politisch gewesen, viele erlebten plötzlich eine gesellschaftliche Diskussion über ihre Ländergrenzen hinweg. "Wir alle hatten ein tiefes Verlangen nach Gerechtigkeit."

Nutzer diskutierten die Beziehungen der Länder:

Wie zum Beispiel das "Herabschauen" der arabischen Nordstaaten auf den schwarzen Süden:

Sie veralbern die Extremisten – wie die islamistische Miliz Boko Haram:

Und sie diskutierten die korrupte Elite des Kontinents:

Siyanda nennt das "Social Panafricanism" – also eine Art gesamtafrikanisches Netzgefühl. Sie ist sich bewusst, dass das nur von einer gebildeten Minderheit transportiert werden kann. Nicht jeder in Afrika hat Zugang zum Internet, hat Smartphones oder kann lesen und schreiben. Soziale Medien können daher keinen ganzen Kontinent verändern.

Wir-Gefühl aus dem Netz in die Straßen tragen

Siyanda glaubt, dass die Stimmen im Netz ein positives Gefühl von Gemeinschaft offline weitergeben. Ähnlich sei es beim Arabischen Frühling gewesen, als Jugendliche Anfang 2011 in mehreren Ländern ihre Wut erst im Netz formulierte und dann auf die Straße trugen. Mehrere Diktatoren mussten nach den Protesten zurücktreten oder wurden gestürzt.

Ein Smartphone kann ein "Werkzeug zur Befreiung" sein, sagt auch der Comedian Farai Monro, genannt "Comrade Fatso", aus Simbabwe. Es ermögliche, an staatlichen Institutionen und Medien vorbei eigene Inhalte zu veröffentlichen. Und plötzlich kannst du dich über den Diktator Mugabe in einem Tweet amüsieren:

Viele der Tweets aus #IfAfricaWasABar sind zynisch, manche auch resignierend. Aber das sei wichtig für die Auseinandersetzung mit den Diktaturen, sagt Siyanda zu bento. Im Westen hätten vielen den Humor ihrer Tweets nicht verstanden: "Ihnen fehlt wohl einfach das Wissen für unsere Probleme." Für Europa und die USA bleibe Afrika immer noch der unbekannte schwarze Kontinent.

Dabei hat ihr Kolonialismus Afrika geprägt:

Und die wirtschaftliche Abhängigkeit beschränkt Afrika noch heute:

Und dort, wo sich der Westen zurückzieht, wartet schon ein anderer darauf, "den Laden" zu übernehmen:

bento × re:publica

Wir sind Medienpartner der re:publica. Das bedeutet: bento bekommt dort Arbeitsplätze mit Strom und Internet zur Verfügung gestellt. Außerdem werden unsere Mitarbeiter für die Konferenz akkreditiert. Dafür berichten wir von der Konferenz. Worüber wir wie berichten, entscheiden wir selbst.


Fühlen

Das passiert beim Floating

03.05.2016, 09:41 · Aktualisiert: 15.05.2016, 17:12

"Das ist der Wal", sagt die Frau mit Pferdeschwanz und makellosem Teint und lächelt mir zu. "Denk dran, du bist hier zu nichts verpflichtet, alles nur zur Entspannung", sagt sie, zündet ein Räucherstäbchen an, rückt den Stapel Handtücher gerade. Dann lässt sie mich allein in dem Raum zurück.

Da steht er also, weiß, oval, glänzend. Der Wal – beziehungsweise der große Tank voller Wasser, der stark an das Tier erinnert. Das "Maul" ist weit aufgesperrt.