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Gerechtigkeit

Warum ich die AfD nicht wähle

27.01.2016, 16:22 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Oft wird argumentiert, Kritik an der AfD wäre durch die "Lügenpresse" gesteuert und Äußerungen von Funktionären stünden nicht für die Position der Partei. Deshalb habe ich es getan. Ich habe das Wahlprogramm der AfD für Baden-Württemberg gelesen. Damit auch Ihr Euch selbst ein Bild von der AfD machen könnt – auch bei ihren bisher kaum diskutierten Positionen zu Klimawandel, Wissenschaft und Bildungspolitik. Hierfür habe ich die wichtigsten Zitate aus dem Wahlprogramm zusammengetragen. Urteilt selbst:

Soziales

Pressefreiheit

Umweltschutz

Atomkraft

Bürgerrechte

Jugend

Frauen und Männer

Familie

Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender

Bildung

Arbeit

Tierschutz

Besonders absurd

Fazit


Fassen wir zusammen: Die AfD leugnet den Klimawandel und betreibt damit Klientel-Politik für Großkonzerne und gegen die Interessen der nächsten Generation. Sie ist eine rückständige Partei, die uns am liebsten in die sechziger Jahre zurückkatapultieren will. Statt neuer Lösungen präsentiert sie krude Verschwörungstheorien und bedient Ängste vor gesellschaftlichem Wandel.

Ich bin 29 Jahre alt. Ich wurde in Polen geboren. Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Die Entwicklungen in Polen betrachte ich derzeit mit großer Sorge. Eine rechtskonservative Regierung ist dort dabei, das Verfassungsgericht zu entmachten, Medien unter ihre Kontrolle zu stellen und hart erkämpfte Fortschritte der letzten Jahrzehnte zu zerstören. Wohin dieser Weg führt, sehen wir in Ungarn. Ich will das nicht. Weder in Polen, noch in Deutschland.

Meine Mutter hat studiert und dabei Kinder großgezogen. Auch ich habe studiert und arbeite, genau wie sie, ohne abhängig von einem Mann zu sein. Ich möchte, dass meine Töchter einmal die selben Chancen haben wie meine Söhne. Egal, welche Religion sie wählen, welche sexuelle Orientierung sie haben. Ich will, dass sie das Recht haben, ihren Weg zu finden – auch wenn dieser Weg nicht der Weg der Mehrheit ist.

Was ich nicht will ist ihnen eine vom Klimawandel zerstörte Umwelt zu hinterlassen. Ebensowenig einen ausgehöhlten Sozialstaat. Oder gar einen Überwachungsstaat. Sie haben genauso ein RechtGenerationengerechtigkeit von mir einzufordern, wie ich es bei der Generation meiner Eltern tue. Und genauso wie wir unsere Eltern und Großeltern für ihre Entscheidungen zur Rechenschaft ziehen werden sie es eines Tages mit uns tun.

Vielleicht habt ihr Freunde, Bekannte und Kollegen, die nicht in Deutschland geboren sind. Die einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe haben als ihr. Die anders Lieben als ihr es tut. Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Und das ist gut so. Bitte wählt keine Partei, die das ändern will. Denn dieser Artikel ist die unsere Lehre aus dem Grauen des Nazi-Regimes.

Dieser Beitrag ist zuerst auf kattascha.de erschienen.

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