Gerechtigkeit

Wie ein Mann die AfD trollte

01.11.2015, 13:09 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:22

Bei einer AfD-Demo in Berlin hält ein Demonstrant ein Schild hoch, auf dem "Nazis" steht – mit Pfeilen in die demonstrierende Menge. Der Mann, der mit dem Plakat auf der Demo mitlief, heißt Felix Herzog, er ist politischer Aktivist. bento hat mit ihm über seine Aktion gesprochen.

(Bild: dpa/Bernd Settnik)

Felix, was wolltest du mit der Aktion erreichen?

Ich wollte klar aufzeigen, dass das was die AfD an Inhalten transportiert Parolen sind, die wir schon vor 70 Jahren hatten. Deutlich machen, dass das im Prinzip Nazi-Parolen sind. Ich persönlich mache keinen Unterschied zwischen Neonazis und Nazis. Das ist die gleiche Schublade. Mein Wunsch ist, dass das klar benannt wird. Man muss den AfD-Anhängern aufzeigen, wie gefährlich das ist, dem sie da hinterherrennen.

Was hast du gegen die AfD?

Letzte Woche Samstag hatten wir Nominierungsparteitag für die neue Partei VERA, die ich letztes Jahr mitgegründet habe. Die AfD ist für mich also ganz klare parteipolitische Konkurrenz. Weil wir ähnliche Zielgruppen haben: Berliner und Berlinerinnen, die sich bei den etablierten Parteien nicht mehr zu Hause fühlen. Ich fand das am Anfang ganz spannend, dass sich da eine neue Partei bildete. Aber was da jetzt gerade passiert, seit dem letzten Bundesparteitag, geht gar nicht. Die AfD hat einen riesigen Rechtsruck gemacht. Was ich von der AfD im Moment wahrnehme, ist reine Flüchtlingshetze.

Felix Herzog steht mit dem Schild "Merkel muss weg" zwischen anderen Demonstranten. Erst später "enthüllt" er die tatsächliche Aufschrift seines Plakats.

Felix Herzog steht mit dem Schild "Merkel muss weg" zwischen anderen Demonstranten. Erst später "enthüllt" er die tatsächliche Aufschrift seines Plakats. (Bild: Florian Boillot)

Wie hat es sich angefühlt, in der Menge zu stehen?

Ich habe das tatsächlich spontan gemacht, die Idee hatte ich erst am Tag davor. Als ich gestern Nachmittag den Stift gekauft habe und das aufgeklebt habe, ging mir schon ganz schön die Pumpe. Ich hatte einen befreundeten Fotografen eingeweiht, der auch vor Ort war. Aber die Situation vor Ort, also der Moment, war krasser, als die komplette Zeit unter den Pegidas beim Einjährigen in Dresden. Weil ich überhaupt nicht wusste, was passiert.

Dass es so aufregend ist, hätte ich im Vorhinein nicht gedacht.
Felix Herzog

Ich war in der zweiten oder dritten Reihe, ich wollte eine Zigarette rauchen aber meine Hände haben so gezittert, dass ich die nach zwei oder drei Zügen ausgemacht habe. Dann ist ein Ordner gekommen und hat mich gebeten, zu gehen. Weil das Plakat nicht auf die Veranstaltung gehören würde. Dann bin ich fast wie in Trance weggegangen. Die Polizei hat mich in Ruhe gelassen, die AfD-Anhänger auch. Von der Bühne kam auch nichts. Ich war überrascht, wie glimpflich ich davon gekommen bin.

Was hättest du gemacht, wenn sich jemand zu dir umgedreht hätte?

Ich hätte es über mich ergehen lassen. Das waren ja gar nicht die klassischen Hooligans, keine Gewaltbereiten.

Felix Herzog wird von einem Ordner von der Demonstration geleitet.

Felix Herzog wird von einem Ordner von der Demonstration geleitet. (Bild: Florian Boillot)

Wolltest du mit der Aktion auch einen Dialog herbeiführen?

Die Fronten sind so komplett unterschiedlich, dass ein Dialog meiner Ansicht nach schwierig ist. Einerseit gibt es den Lügenpresse-Vorwurf von der AfD, andererseits ist es so, dass Pegida- und AfD-Anhänger selbst Lügenberichte teilen. Bei der Demo zu ein Jahr Pegida stand ich auch in der Masse. Einfach um die Situation mitzukriegen. Diese Leute haben einen total schrägen Galgenhumor. Als Akif Pirinçci meinte, die KZs seien ja leider außer Betrieb, war für einige Sekunden höhnisches Gelächter – bis die Leute bemerkt haben, was da gerade gesagt worden ist. Da wirklich einen Dialog zu starten finde ich schwierig. Die Frage ist auch: Wer soll den Dialog führen? Inwieweit zum Beispiel etablierte Medien da ein Forum schaffen können, weiß ich nicht.

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