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Gerechtigkeit

Markus will mit Provokationen Wähler von sich und der AfD überzeugen

07.09.2017, 12:28 · Aktualisiert: 19.09.2017, 16:57

In der AfD hat er es schon weit gebracht: Markus Frohnmaier ist 26 Jahre alt. Er war Pressesprecher der Parteichefin Frauke Petry. Er ist Vorsitzender der Jungen Alternative, der Jugendorganisation rechts von der AfD.

Aktuell arbeitet er für die Spitzenkandidatin Alice Weidel. In Baden-Württemberg steht er auf Listenplatz 4 für die Bundestagswahl

Es wird viel über ihn berichtet.

Die meisten Artikel gefallen ihm nicht.

Viele Journalisten würden unfair über ihn berichten, sagt er. Weil sie Aussagen von ihm teilweise "böswillig uminterpretiert" hätten. Sich gar nicht erst die Mühe machen würden, dem Menschen Markus Frohnmaier nahe zu kommen. Sich stattdessen damit aufhalten würden, seine Verbindungen zum umstrittenen AfD-Politiker Björn Höcke zu thematisieren. Oder die zur russischen Regierung.

Wer also ist Markus Frohnmaier?

Ein Parteifreund nennt ihn "Frontmaier". Wer ihn trifft, erlebt einen zurückhaltenden, jungen Mann. Fast ein wenig scheu. Sich selbst bezeichnet der Tübinger Jura-Student als bürgerlich-konservativ. Er wuchs im beschaulichen Weil der Stadt auf. Seine Eltern hatten ihn aus einem rumänischen Waisenheim adoptiert.

Als er 19 Jahre alt war, trat er in die CDU ein.

Mitglieder der Jungen Alternative Baden-Württemberg posieren in einer Tiefgarage

Mitglieder der Jungen Alternative Baden-Württemberg posieren in einer Tiefgarage

Bald fühlte er sich in der Partei nicht mehr wohl. Merkel habe sie zu weit nach links gerückt. Mitten in der Eurokrise, 2013, wechselte er zur AfD und gründete dort die Junge Alternative mit.

Seit kurzem ist er Vater. Junge Menschen unter 30 sollten sich darauf freuen, Familien zu gründen, findet er, "ohne Angst vor der Zukunft". Dafür will er werben. Dafür will er sich einsetzen. Die Ehe für alle lehnt er ab.

Frohnmaier hat Spaß an der Provokation. Er fordert eine Ausgangssperre für nordafrikanische Flüchtlinge, nach Europa kommende Muslime bezeichnete er als “potenzielles Sicherheitsrisiko”. Bei Straftätern will er den Migrationshintergrund bis in die dritte oder vierte Generation ermitteln lassen. Sein Motto: “Deutschland zuerst.

Und was ist mit uns?

Junge Menschen sind im Bundestag schlecht vertreten: Nur eine der 630 Abgeordneten ist unter 30. Das durchschnittliche Alter: fast 50 Jahre. Was ist da los? Und wer kümmert sich um unsere Interessen? bento trifft junge Politiker, um das herauszufinden.

Diejenigen, die nicht seiner Meinung sind, lädt er zur Auseinandersetzung ein. "Ich will eine Debatte führen. Es wird in Deutschland zu wenig diskutiert", sagt er. Sein grüner Gegenkandidat im Wahlkreis Böblingen, Tobias Bacherle, diskutiert mit ihm. Obwohl es keine inhaltlichen Überschneidungen zwischen den beiden gibt, können sie sachlich miteinander umgehen.

Es gibt aber noch einen anderen Markus Frohnmaier. 

Einen, der nicht den Eindruck macht, als ginge es ihm darum, Brücken zu bauen. Eher darum, Gräben weiter zu vertiefen. Mal richtig draufzuhauen.

Sein wohl am häufigsten zitierter Satz fiel bei einer Rede auf einer AfD-Demo in Erfurt vor zwei Jahren:

“Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und zwar nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde!”

Die Reaktion der anwesenden Anhänger: begeisterter Beifall und "Volksverräter"-Rufe.

Markus Frohnmaier mit seiner Chefin, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, und AfD-Sprecher Lothar Maier

Markus Frohnmaier mit seiner Chefin, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, und AfD-Sprecher Lothar Maier (Bild: dpa)

Frohnmaier findet am Gesagten nichts Verwerfliches. Aufräumen, ausmisten, das seien doch nur "schwäbische Tugenden". Trotzdem stört es ihn, so häufig auf diesen kurzen Ausschnitt reduziert zu werden.

Sticheleien aber haben bei ihm Methode. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er: "Fahre mit meinem Diesel, höre Kraftklub und freue mich darüber, dass die AfD alle neuen Asylbewerber nach Afrika zurückschicken will".

Nach der Silvesternacht 2016 in Köln sagte er: "Meiner Meinung nach haben Leute wie Claudia Roth hier mittelbar mitvergewaltigt, nicht im juristischen, aber im übertragenen Sinn." CSU-Chef Horst Seehofer empfahl er den Gang zum Psychiater, "damit er mal ordentlich untersucht wird".

Sachliche Diskussionen folgen auf solche Wortmeldungen selten. Häufiger dagegen: Kampfbegriffe, Totschlagargumente, Pöbeleien von allen Seiten.

Seinen Wählern verspricht er: "Ich bin kein abgewichster Altparteienfunktionär." Im Herbst wird er wahrscheinlich im Bundestag sitzen, seine Chancen stehen gut.

Er wird dann weiter provozieren.

Politik unter 30


Gerechtigkeit

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