Bild: imago / Metodi Popow

24.06.2018, 17:44 · Aktualisiert: 24.06.2018, 20:59

Bei einem Geschichtslehrer sicher kein Zufall

AfD, Zukunft – nach knapp 45 Minuten ist Björn Höcke am Ende seiner Rede angekommen. Dann sagt er noch etwas, das wie eine Drohung klingt: "Wir sind auf dem Weg, die einzig relevante Volkspartei in Deutschland zu werden." Die Anhänger, die dem AfD-Politiker in einem Zelt zuhören, springen von ihren Stühlen auf und jubeln.

In Sachsen-Anhalt waren sie zum "Kyffhäusertreffen" zusammengekommen. Das ist das jährliche Klassentreffen des rechtsnationalen Flügels der AfD.

Neben dem Thüringer AfD-Chef Höcke waren ebenso André Poggenburg und Parteichef Jörg Meuthen anwesend – und Lutz Bachmann von der islamfeindlichen Pegida. Rund 1000 Besucher kamen zum Kyffhäusertreffen nach Burgscheidungen im Süden Sachsen-Anhalts. Die AfD musste diesmal nach eigenen Angaben extra ein Zelt aufbauen, um alle unterzubringen.

Auf dem Treffen fühlte sich Björn Höcke offenbar so wohl, dass er in seiner Rede auf Joseph Goebbels anspielte.

Zwischenzeitlich überlegte die AfD, ob sie Höcke nicht lieber aus der Partei ausschließen sollte. Höcke hatte offenbar früher unter dem Namen Landolf Ladig für die NPD geschrieben, so stellte es zumindest die Partei fest. Doch man warf Höcke nicht raus.

Nun dreht er weiter auf. Von seiner diesjährige Kyffhäuser-Rede gibt es im Netz Mitschnitte. Höcke redete über die angebliche "Auslöschung" der Deutschen, über deren "glorreiche Geschichte", über "Schwarzafrikaner", die deutsche Frauen "penetrieren".

Ab Minute 18 erinnert Höcke an die "Hammer-oder-Amboss-Rede" vom späteren Reichskanzler Bernhard von Bülow aus dem Jahre 1899. Damals stellte von Bülow die Frage, ob die Deutschen lieber Hammer oder Amboss sein wollen. Das greift Höcke auf und sagt:

"Heute, liebe Freunde, lautet die Frage nicht mehr Hammer oder Amboss, heute lautet die Frage Schaf oder Wolf. Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf."

Was hat das Zitat mit Goebbels zu tun?

Joseph Goebbels war Reichspropagandaminister zur Zeit des Nationalsozialismus. Er gilt als einer der engsten Vertrauten Adolf Hitlers. In seinen deutschlandweit übertragenen Reden stachelte Goebbels das Volk auf und schwor es auf Judenhass und Krieg ein.

Der "Wolf-oder-Schaf-Vergleich" ist von Goebbels, aus einem Leitartikel der NSDAP-Zeitung "Der Angriff". Darin schrieb Goebbels:

"Wir kommen nicht als Freunde, auch nicht als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir!"

Es bleibt nicht bei Wölfen und Schafen. Auch der "Hammer-oder-Amboss-Vergleich" von Bülows wurde von Hitler selbst verwendet, unter anderem auf Parteitagen der NSDAP.

Weiß Höcke von der Nazi-Vergangenheit seiner Metaphern?

Höcke ist Geschichtslehrer und bringt in seinen Reden oft historische Vergleiche. Es ist ziemlich sicher, dass er weiß, wovon er redet. Er wird weder Hitler noch Goebbels direkt zitieren, um sich nicht angreifbar zu machen – aber er kann sich sicher sein, dass andere verstehen, wie nahe er seine Sätze an historischen Vorbildern aus dem Nationalsozialismus platziert.

Und selbst ohne den Vergleich wird deutlich: Der Rechtsnationalist setzt mit der AfD auf Angriff – und die Partei will das so.

So berichtet bento über die AfD

Wir verhelfen der AfD zu mehr Aufmerksamkeit, wenn wir über die Provokationen und Tabubrüche der Rechtspopulisten berichten. Wenn wir sie ignorieren, melden sich Menschen und fragen: Wo bleibt der Aufschrei? Ist das, was die AfD sagt, etwa schon "normal"?

Wie wir mit diesem Dilemma umgehen und wann wir wie berichten, haben wir hier aufgeschrieben.

Zuvor war es fast ein Jahr lang etwas stiller geworden um Höcke. Die Erinnerung an den Holocaust hatte er als "Schande" bezeichnet, über Afrikaner verbreitet er rassistische Sprüche, Homosexuelle wertet er ab. (bento)

Weil Höcke selbst vielen AfD-Kollegen zu radikal wurde – und weil ein Bundestagswahlkampf anstand – regte die AfD Anfang 2017 ein Parteiausschlussverfahren an. Höcke zog sich zurück. Etliche Wählerinnen und Wähler dürften sich daraufhin gesagt haben: Ist ja alles doch nicht so schlimm bei der AfD.

Doch im Mai diesen Jahres stellte die AfD das Ausschlussverfahren ohne großes Aufsehen ein. Seitdem ist Höcke wieder voll präsent.


Queer

Zwei gegnerische Rugby-Spielerinnen küssen sich – so reagiert die Liga

24.06.2018, 15:46

Die Sportlerinnen Karina Brown und Vanessa Foliaki sind ein Paar, spielen beide in der australischen Rugby-Liga – allerdings für gegnerische Teams. Nach einem Spiel in Sydney haben sich die beiden auf dem Spielfeld geküsst.

Viele Fans jubelten ihnen zu. Zwar gibt es auch in Australien seit Ende des vergangenen Jahres die Ehe für alle, doch bis zur allgemeinen Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren dauert es leider noch.

Die National Rugby League stellte sich hinter die Frauen – und erteilte Hatern eine Absage.