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Grün

Dieses Pärchen reist um die Welt – um Solaranlagen zu bauen

17.03.2017, 10:47

Sie haben ihre Wohnung aufgelöst, den Job gekündigt und ihr Auto verkauft. Heirat in der Provence im Juli, danach Weltreiseohne Rückflugticket.

Doch Anne Duchstein, 27, und Sebastian Haffner, 30, reisen nicht einfach so: Sie haben eine Mission.

Wir haben unsere Jobs gekündigt, unsere Wohnung aufgelöst und unser Auto verkauft.
Anne und Sebastian

Sebastian ist Ingenieur und hat sich auf erneuerbare Energiesysteme spezialisiert. Mit seiner Faszination hat er Anne, eigentlich Wirtschaftsprüferin, angesteckt: Auf ihrer Reise wollen sie mindestens 100 Solaranlagen in Entwicklungsländern installieren.

Die Idee dazu kam Sebastian im Studium: In seiner Abschlussarbeit analysierte er ein Solarenergieprojekt in Afrika. Hinterher kontaktierte einer der Kunden Sebastian, weil er für ein Waisenhaus eine weitere Solaranlage plante. Es ging um Licht und etwas Strom, um Handys zu laden.

"Die Arbeit war sinnvoll und hat Spaß gemacht", sagt Sebastian. Nach ihrer Hochzeit wollten die beiden ohnehin um die Welt reisen. Warum also nicht beides verbinden?

Zum Klicken: Was Sebastian und Anne auf ihrer Reise erleben

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Seit acht Monaten sind sie jetzt unterwegs. 31 Anlagen haben sie schon gebaut und in Betrieb genommen, die letzte in Kambodscha. Jetzt sind sie auf Bali, arbeiten an ihrem Blog und planen die nächsten Solarprojekte.

Klingt gut. Aber womit hatten sie zu kämpfen?

1. Dein Durchhaltevermögen wird auf die Probe gestellt

Der schwierigste Teil komme immer am Anfang, berichten sie. In Nordvietnams Bergdörfern haben Anne und Sebastian innerhalb von drei Tagen sechs Schulen mit Licht versorgt, in den ärmsten und abgelegensten Distrikten Vietnams.

So sieht eine der Bergschulen im Norden Vietnams aus.

So sieht eine der Bergschulen im Norden Vietnams aus. (Bild: Reisefroh)

Sie hatten alles organisiert: die Anlage, genug Geld, Übersetzer und Mopeds, mit denen das Material transportiert werden sollte. Nur die Sondergenehmigung kam nicht. Stattdessen jeden Tag andere Infos von den Behörden. "Da dachten wir echt, wir sind machtlos, wir können hier gar nichts machen."

Zwischendurch hätten sie sogar mit dem vietnamesischen Innenministerium gesprochen, aber auch die hätten nicht weiterhelfen können.

Nach vier Wochen kam endlich die Genehmigung. "Es hat sich gelohnt, hartnäckig zu bleiben."

2. Du siehst, was sonst alles schief läuft

Die beiden reisen durch Entwicklungsländer, in denen Dinge anders funktionieren als in Deutschland – oft auch gar nicht.

In Indonesien zum Beispiel sahen Anne und Sebastian überall Plastik. "Auf Märkten bekommt man für alles eine Tüte, mit einem Stoffbeutel wirst du komisch angeschaut", sagt Anne. Später landet sämtlicher Müll auf Feldern, in Flüssen oder in Tonnen am Straßenrand, wo er einfach verbrannt wird.

Angespülter Müll am Strand von Kuta, Bali.

Angespülter Müll am Strand von Kuta, Bali. (Bild: REUTERS/Wira Suryantala /Antara Foto)

Auf einer ihrer früheren Reisen erfuhr Anne von einem Einheimischen von diesem Baum, "El Plastico" nennen sie ihn. Sein Fazit: Plastik kommt aus der Natur und kann wieder dorthin zurückgeworfen werden.

Die Solaranlagen verbessern zwar das Leben der Menschen – oft aber eben nur ein kleines bisschen. Davon dürfe man sich nicht entmutigen lassen, finden die beiden.

3. Ohne (viel) Geld gehts nicht

10.000 Euro und aufwärts sollte man einplanen, will man ein Jahr lang um die Welt reisen, so die Einschätzung von Anne und Sebastian. Für Impfungen, Visa, Flüge, Ausrüstung. Die Weltreise-Packliste ist lang – und wird nicht kürzer, hat man sich einmal in den Flieger gesetzt.

Auf ihrer Reise umgehen die beiden Hotels und teure Transportwege, auch für Essen geben sie nicht viel aus. Und trotzdem: Allein können sie die Kosten nicht tragen. Über ihren gemeinnützigen Verein Sunhelp International e. V. sammeln sie Spenden. Viele junge Menschen würden sich beteiligen, sagen Anne und Sebastian, das würde die beiden motivieren.

Und was sind eure größten Erfolge?

Kinder aus der Volksgruppe Hmong in Vietnam.

Kinder aus der Volksgruppe Hmong in Vietnam. (Bild: Reisefroh)

1. Die Menschen sind dankbar

Endlich Licht! Eine enorme Verbesserung der Lebensqualität. Dementsprechend freuen sich die Menschen.

Besonders erinnern sich Sebastian und Anne an ihr erstes Projekt bei einer Frau in Kambodscha: Sie habe schon eins ihrer drei Kinder weggeben müssen, weil ihr das Geld für Nahrung gefehlt habe. Anstatt Geld für Kerzen auszugeben, kaufte sie ihren Kindern jetzt Reis. Als Anne und Sebastian von der Solaranlage erzählten, habe die Frau angefangen zu weinen, erinnern sie sich.

2. Die Erfolge sind langfristig

"Dort wo wir hingehen, ersetzen die Solaranlagen Kerzenlicht oder Petroleumlampen. Oder auch gar nichts", sagt Sebastian. Deswegen erklären sie erst mal die Grundlagen. Dazu gehöre auch, dass sie die Batterien mit den Solaranlagen wieder aufladen können anstatt sie auf den Felder zu entsorgen.

Ob das funktioniert? Eine erste Bilanz konnten die beiden beim Besuch eines früheren Projekts ziehen. "Eine Frau hatte angefangen, es allen anderen zu erklären, nachdem wir es ihr gezeigt haben. Es war genial!"

3. Vertrauen aufbauen ist mühsam, aber es lohnt sich

Anne und Sebastian müssen Orte finden, an denen sich der Aufbau einer Anlage anbietet – und lohnt. Dazu kontaktieren sie Mitarbeiter lokaler Hilfsorganisationen, die die Regionen kennen und vor allem die Sprache sprechen.

"Es ist schwieriger als man denkt, eine vertrauenswürdige Person zu finden", sagt Sebastian. Ohne sie funktioniere es nicht.

Sebastian und der Vietnamese Van. Er übersetzt und vermittelt

Sebastian und der Vietnamese Van. Er übersetzt und vermittelt (Bild: Reisefroh)

Nicht nur die Sprachbarriere würde sonst zum unüberwindbaren Hindernis. Die beiden wüssten auch nicht, wo sie die Teile für die Solaranlagen auftreiben sollten. Beide Seiten müssen sich vertrauen, die Reisenden und die Einheimischen. Sonst klappt es nicht.

Im Endeffekt läuft’s immer irgendwie.
Anne und Sebastian

Bisher hätten sie nur gute Erfahrungen gemacht: "Auch in Gegenden, vor denen uns andere Traveller gewarnt haben, waren die Leute freundlich, haben uns beim Einkauf, Transport und den Behörden geholfen", sagt Anne.

"Manchmal muss man viel Geduld haben", sagt Sebastian. Aber: "Im Endeffekt läuft’s immer irgendwie.“

Zum Klicken: Hier erzählen Weltenbummler von ihren Reisen

Anna
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Und wohin als nächstes?

Im Moment suchen Anne und Sebastian nach ihren nächsten Projekten. Sie hoffen, dass sie noch einige Solaranlagen direkt in Indonesien umsetzen können.

Das Ende ihrer Reise ist offen. "Ob wir ein Leben lang unterwegs sein werden, wissen wir momentan noch nicht", sagt Anne. Auf ihrer Reiseliste stehen neben Asien aber auf jeden Fall noch Südamerika und Afrika.

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