09.08.2018, 12:20

Ideen, wie wir das Problem lösen könnten

Aufgeschnittene Kiwis in Folie, Mandarinen in Plastikschalen oder Käse in Tüten – im Supermarkt gibt es viele Gründe, am Verstand der Mitmenschen zu Zweifeln. Der Instagram-Account @pointless_packaging sammelt diesen Irrsinn und prangert ihn an (bento). Tausende liken die Bilder regelmäßig weltweit.

Die Fotos zeigen absurde Verpackungsideen, die auch in Deutschland viele Supermarktkunden kennen.

Andere Bilder wirken einfach nur wie ein schlechter Scherz:

Viele regen sich beim Anblick solcher Bilder über den Verpackungsmüll auf. Andere verweisen darauf, dass die Bilder oft in anderen Ländern wie Spanien oder Großbritannien entstanden sind.

Doch Fakt ist:

Deutschland ist Europameister in Sachen Verpackungsmüll

Im Jahr 2016 fielen zwischen Flensburg und Rosenheim insgesamt rund 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an (bento). Kein anderes Land in Europa hat in Supermärkten und Geschäften so viel Müll produziert.

Wie können wir den Müllberg reduzieren?

Diese Fragen haben wir dem Verpackungsforscher Bernd Sadlowsky gestellt. Er beschäftigt sich an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg wissenschaftlich mit dem Thema.

Herr Sadlowsky, viele Menschen regen sich über Plastikverpackungen im Supermarkt auf. Die Händler rechtfertigen sich dann damit, dass Bio-Gemüse unterscheidbar bleiben müsse oder es aus Hygiene-Gründen wichtig sei. Wie sehen Sie das?

Ich halte diese Argumente in vielen Fällen für nicht gerechtfertigt. So muss man zur Unterscheidung von Bio-Gemüse und herkömmlichem Gemüse nicht zwingend Schrumpffolien aus Kunststoff einsetzen. Eine Banderole aus Pappe erfüllt zum Beispiel den gleichen Zweck und ist nachhaltiger.

Auch Kunststoffverpackungen halten keine Keime auf. Das Gemüse kann vor dem Verpacken einer Keimbelastung ausgesetzt worden sein – ich wasche mein Gemüse immer.

Warum gibt es dennoch immer aufwendigere Verpackungen?

Wenn man die Erwartung hat, dass alle Produkte sehr lange frisch bleiben, geht das tatsächlich oft nur mit Hightech-Verpackungen aus Kunststoffen. Diese sind heute sehr speziell: wiederverschließbar, luftdicht oder mit einer besonderen Schutzatmosphäre befüllt, damit ein Produkt länger frisch bleibt.

Oft liegt es aber auch an der Haltung der Verbraucher. Wer Kiwis geschnitten in Folie kaufen will, handelt natürlich nicht umweltbewusst.

Ist das Problem wirklich so viel schlimmer geworden?

Es hat sich auch vieles verbessert. Vor 25 Jahren hat man den Müll oft noch auf Deponien vor der Stadt aufgetürmt und überlegt, ob man aus diesem nicht selten giftigen Haufen dann Skihänge macht.

Früher war Schokolade in Alufolie und Papier verpackt. Irgendwann hat man gemerkt, dass das nicht nötig ist. Seitdem ist das Aluminium aus vielen Verpackungen verschwunden.

Mikroplastik in der Zahnpasta oder in Verpackungen ist aber ein Problem, das wir heute noch haben. Das haben wir früher einfach in die Natur gekippt und da liegt es heute noch.

Viele Unternehmen setzen heute auf Verpackungen aus Bio-Kunststoffen oder Maisstärke. Wieviel ändert das?

Bio-Kunststoffe sind nicht automatisch gleichzusetzen mit biologisch abbaubaren Kunststoffen. Sie sind auf der einen Seite in Bezug auf unsere fossilen Rohstoffe ressourcenschonend. Auf der anderen Seite konkurrieren die Anbauflächen für die Rohstoffe wie Mais oder Zuckerrohr mit denen für die Grundnahrungsmittel. Eine bessere Ökobilanz kann sehr kontrovers diskutiert werden.

Wie können wir das Problem lösen?

Am Ende entscheidet oft der Preis. Der ist vielen wichtiger als Ökologie. Es gibt aber auch Menschen, die wirklich nicht viel Geld haben und deshalb das kaufen, was der Handel günstig anbietet. Man kann nicht alles mit freiwilligen Konsumentscheidungen verändern.

Die Abschaffung von kostenlosen Plastiktüten hat aber gezeigt, dass es durchaus schnell gehen kann, etwas für alle zu verändern. Manchmal braucht es mehr Druck – oder Gesetze.

Was denken Sie, wie wir in 20 Jahren einkaufen?

Anders als heute! Lebensmittel werden ohnehin immer häufiger im Internet bestellt. Vielleicht gelingt es dann auch öfter, bedarfsgerechter einzukaufen, als es bei einem einmaligen wöchentlichen Einkauf der Fall ist. Und weniger Lebensmittelverschwendung in Kombination mit einem umfassenden Mehrwegsystem führen zu weniger Verpackungsmüll.

Kunststoffverpackungen werden auf das Notwendigste reduziert. Glas und Verbundmaterialien mit reduziertem Kunststoffanteil erleben eine Renaissance.


Gerechtigkeit

Diese Frau verdiente mehr als die Kanzlerin – als Chefin einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung

09.08.2018, 11:55 · Aktualisiert: 09.08.2018, 15:04

Jetzt wurde sie entlassen. Vier Antworten zu dem Fall

Was ist da in Duisburg passiert?

Die Chefin einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WFBM) in Duisburg, Roselyne Rogg, ist fristlos entlassen worden. Der Grund ist ihr hohes Gehalt – 376.000 Euro hatte sie jährlich erhalten. 

Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt pro Jahr ein Gehalt von knapp 240.000 Euro. (Bund der Steuerzahler)