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Italien und Irland verbieten Wildtiere im Zirkus

10.11.2017, 13:29 · Aktualisiert: 16.11.2017, 10:41

In Deutschland wollen vor allem Politiker von CDU und CSU ein Verbot verhindern.

Es ist ein großer Erfolg für Tierschützer: Die italienische Regierung hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen einleiten soll. Das Parlament votierte mit einer Mehrheit von 265 zu 13 Stimmen für die Regelung, sie tritt allerdings nicht sofort in Kraft.

Das Gesetz sehe die "schrittweise Überwindung der Auftritte in Liveshows vor", erklärte der italienische Kulturminister Franceschini. Wie genau diese Schritte aussehen, ist nicht klar definiert. (BR)

Auch in Irland dürfen Wildtiere in Zirkussen bald nicht mehr auftreten, im Januar 2018 tritt eine entsprechende Regelung in Kraft. Landwirtschaftsminister Michael Creed sieht darin eine Chance für die Zirkusse: "Nun werden sich wieder mehr Menschen dabei wohl fühlen, einen Zirkus zu besuchen." (Independent)

Wie sieht die Situation im Rest Europas aus?

Mehr als 20 EU-Staaten haben Tiere komplett oder teilweise als Zirkusattraktion verboten. Allein im Jahr 2017 haben neben Italien und Irland auch Rumänien und Lettland Gesetze dazu erlassen. In Polen und Schottland wird über entsprechende Regelungen diskutiert.

Deutschland wäre somit eines der letzten europäischen Länder, dass ein Verbot umsetzt. Und das, obwohl die Bundesländer bereits 2016 empfohlen hatten, ein Wildtierverbot – unter anderem für Giraffen, Elefanten und Affen – einzuführen (Bundesrat). Die Bundestierärztekammer geht davon aus, dass die Haltungsbedingungen von Wildtieren"kaum im gebotenen Maß zu erfüllen" seien. Auch eine Mehrheit der Wähler ist für das Verbot.

Die Schuld für den Stillstand sehen Tierschützer bei der CDU/CSU, besonders aber beim Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder. "Kauder ist ausgewiesener Ehrenfan beim Zirkus Krone und sagt von sich selbst, er wäre gerne Zirkusdirektor geworden", sagt PETA-Fachreferentin Dr. Yvonne Würz bento. Seit Jahren kritisieren Tierschützer Kauder wegen seiner zirkusfreundlichen Haltung.

Mit seiner Blockadehaltung ist er nicht allein in der Partei. In der vergangenen Wahlperiode sprachen sich auch der tierschutzpolitische Sprecher der Union, Dieter Stier, und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gegen ein Verbot aus. (Deutschlandfunk)

Kauders Büro bekräftigte seine Haltung im Jahr 2015 mit einer Mitteilung: "Ich kann Ihnen versichern, dass weder Herr Kauder noch die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag für ein generelles Verbot der Haltung von Wildtieren im Zirkus sind."

Tierschutzverbände fordern seit Jahren, Wildtiere aus deutschen Zirkussen zu verbannen. Der Deutsche Tierschutzbund nannte die aktuelle Politik "ein Armutszeugnis". PETA übt derzeit Druck auf CDU, CSU, FDP und Grüne aus – sie sollen das Thema in den Sondierungsgesprächen besprechen.

Yvonne Würz von PETA sagte dazu: „Deutschland ist eines der letzten Länder in Europa, wo noch immer Elefanten, Tiger und sogar Giraffen auf Lkw durchs Land gekarrt und mit der Peitsche zu Tricks gezwungen werden dürfen. Der Horror muss endlich für alle Tiere beendet werden.“

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