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Grün

Wie deutsche Zoos ihr Image vom Tiergehege loswerden wollen

10.11.2017, 10:02 · Aktualisiert: 10.11.2017, 10:14

Kann das klappen?
S

eit Mitte Juni ist Deutschland die neue Heimat von "Träumchen" und "Schätzchen". Das sind Pandabären, sie wurden aus China eingeflogen und leben nun im Berliner Zoo. Die Bären wurden von Angela Merkel und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping empfangen, eine Polizeieskorte hat sie quer durch Berlin gefahren. (bento)

Nun haben sie ihren eigenen Pfleger und eines der größten Gehege im Zoo. Insgesamt soll das Gehege zehn Millionen Euro kosten, 5.500 Quadratmeter ist das Gehege groß, es hat Rutschen und Schaukeln und einen klimatisierten Innenbereich. (Zeit)

Das passt so gar nicht ins gängige Klischee, das man sonst bei Zoos vor Augen hat: Tiger laufen in winzigen Gehegen hin und her, Papageien rupfen sich panisch Federn aus und in den Tierhäusern riecht es nach Kot und Urin.

Tatsächlich versuchen immer mehr Zoos etwas an ihrem schlechten Image zu ändern: Sie wollen tierfreundliche Erlebnisparks werden.

Zoo-Befürworter sehen die Gehege mittlerweile mehr als Schutz-, statt als Ausstellungsraum. Viele Zoos würden das Tier in den Mittelpunkt stellen, sagt der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt.

In den Zoos gibt es fast keine Tigerkäfige mehr, in denen das Tier von A nach B rennt.
Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt

Reinhardt untersucht für die Stiftung für Zukunftsfragen das Freizeit-, Konsum- und Tourismusverhalten der Deutschen. Dazu gehört auch der Zoobesuch. Die Besucherzahlen steigen, erklärt Reichert, denn "das Image der Zoos hat sich gewandelt — und zwar zum Positiven." Hauptgrund dafür seien die immer größeren und besseren Gehege. Anstatt Tiere in enge Käfige zu pferchen, gebe es jetzt beispielsweise mehr und mehr Freiluftgehege.

Die Zoos in Hamburg und Hannover haben vor etwa 20 Jahren als erste Parks mit den Umbauten angefangen, andere Zoos folgten nach und nach. Im Erfurter Zoo entstand zum Beispiel ein 10.000 Quadratmeter großes Außengehege für Elefanten, im Wiener Zoo haben die Giraffen mittlerweile dreimal mehr Auslauf als vorher. Das neue Panda-Gehege in Berlin ist das jüngste Beispiel.

So entstand das Pandareich:

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Der Imagewandel liege laut Reichert unter anderem daran, dass Zoos nicht mehr nach der Denkweise leben, jedes Tier irgendwie unterbringen zu müssen – sondern nur noch wenige Arten möglichst tiergerecht zu beheimaten.

Das sagt auch Pia Krawinkel von der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Die gelernte Tierärztin ist einer der Vorstände des Verbands der Zoologischen Gärten, der die Interessen aller Zoos vertritt. Viele Zoos würden sich mittlerweile an vom Bund herausgegebene Säugetiergutachten halten.

Das Schreiben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben und regelt vor allem drei Dinge:

  • Wie groß die Gehege sein müssen.
  • Womit die Tiere gefüttert werden.
  • Wie die Tiere beschäftigt werden.

Die Leitlinien seien zwar nicht rechtsverbindlich, sagt Krawinkel – sie unterstützten aber Tierhalter, zuständige Behörden und Gerichte bei der Entscheidung, ob eine Tierhaltung den Vorschriften des Gesetzes entspricht, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

Manchen geht das aber trotzdem nicht weit genug.

"In den großen Zoos wurden einige, aber nicht alle Gehege erweitert. Und bei den kleinen Zoos ist im Wesentlichen alles beim Alten geblieben", sagt Laura Zodrow von der Tierschutzorganisation Animal Public. Zodrow setzt sich seit Jahren gegen die Gefangenschaft von Tieren ein und geht auch selbst oft in Zoos, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Zodrow sagt, die Kulissen seien verändert worden, aber nicht die Haltungsbedingungen:

Künstliche Felsen und ein bisschen mehr Bambus können die Besucher leicht über das Tierwohl hinwegtäuschen.
Tierschützerin Laura Zodrow

Außerdem kritisiert Zodrow die Idee Zoo an sich:

  • Die Tiere würden sich nie an das Klima hier gewöhnen und würden immer auf engstem Raum zusammengepfercht sein.
  • Die große Frage sei: Wohin mit dem Nachwuchs? Es würden oft Kinder von ihren Eltern getrennt und Gruppen so unnatürlich auseinander gerissen.
  • Vor allem Tiere höherer Intelligenz wie Delfine, Elefanten, Menschenaffen oder Eisbären seien im Zoo fehl am Platz.
  • Sie bräuchten mehr Beschäftigung, aber für mehr Beschäftigung müssten die Zoos mehr Personal einstellen.

Die Zoos widersprechen: Die Gelsenkirchener Direktorin Krawinkel sagt beispielsweise, dass die Tierpfleger keine Langeweile bei den Tieren aufkommen lassen. Sie legten etwa Decken mit Giraffenduft ins Löwengehege, damit die Raubtiere die Fährte aufnehmen oder versteckten das Futter der Paviane.

Die Idee dahinter: Der Zoobesuch soll zum Abenteuer werden.

"Immer mehr Zoos legen Wert auf das Erleben", sagt Zukunftsforscher Reinhardt. Mittlerweile können Besucher Nachtwanderungen machen, Elefanten füttern, über Flüsse schippern, Robbenshows ansehen oder durch aufwendig gestaltete Tropenhallen wandern. Das Tiergehege wird zum Erlebniszoo, der Besuch zum Event.

Zoos konkurrieren immer mehr mit dem Smartphone oder dem Kinobesuch.
Ulrich Reinhardt

Die Erlebniszoos kommen ursprünglich aus den USA: Im Zoo von San Diego kann man beispielsweise auf Safari gehen und die fast gitterlosen Gehege erkunden. Beim "Disney's Animal Kingdom" in Florida können die Besucher "Wilderern" zusehen wie sie sich mit "Rangern" Verfolgungsjagden liefern. (Welt am Sonntag)

So sieht es in den amerikanischen Zoos aus:

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Laut Laura Zodrow sind die deutschen Zoos jedoch nur ein Abklatsch davon. Sie nennt sie "kleine Disneylands, in denen man sich auf Kosten der Tiere amüsiert".

Sie sagt aber auch: "Der Zoo ist ein Naherholungsort für Familien. Ich bin nicht dafür, dass er komplett abgeschafft wird. Wenn Menschen über eine Hängebrücke laufen oder über einen Fluss schippern wollen, können sie das aber auch ohne Tiere machen."

Laut Zodrow gebe es keine Studie, die einen positiven Effekt auf unseren Umgang mit Tieren beweist: "Niemand geht in den Zoo, um sich zu bilden, sondern nur, um sich zu amüsieren."

Zoodirektorin Krawinkel sieht das anders. Ihr ist vor allem der "Mix aus Naturerfahrung, Unterhaltung und Bildung" wichtig: "Natürlich ist der Zoo eine Freizeiteinrichtung – aber wer mit offenen Ohren, Augen und Nase durch den Zoo läuft, kann spielerisch viel lernen."


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