Bild: Annika Eliane Krause

Grün

Ein Kölner Laden rettet Lebensmittel vor der Tonne

16.02.2017, 10:05 · Aktualisiert: 17.02.2017, 14:44

Möhren sind orange und haben die Form einer Schultüte. Zucchini sind dunkelgrün und länglich – Bananen dafür krumm und gelb. "So ein Quatsch", sagt Nicole Klaski, 33 Jahre alt und Gründerin von "The Good Food". Im Februar eröffnete sie in Köln-Ehrenfeld den ersten Laden mit Lebensmitteln, die es nie in den Supermarkt geschafft hätten. Sie wären im Müll gelandet – weil ihre Form und Größe nicht der Norm entspricht.

Mit "The Good Food" will Nicole ein Zeichen gegen diese Lebensmittelverschwendung setzen. Ihr Laden auf der Venloer Straße ist liebevoll eingerichtet.

(Bild: Annika Eliane Krause)

Nichts hat sie neu gekauft, alle Möbel sind entweder Second Hand oder selbst gebaut. Das passt zum Konzept des Geschäfts, denn hier ist Optik zweitrangig: Keine Möhre ist zu krumm, keine Kartoffel zu klein, um hier einen glücklichen Käufer zu finden. Auch Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist und Backwaren vom Vortag bieten Nicole und ihr Team hier an.

"Abgelaufen und lecker", steht auf Pappschildern, die Kokosöl, Chia-Keimlinge und Ingwerkuchen bewerben.

So sieht der Laden aus – zum Klicken:

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Die Philosophie des Ladens: "Zahl, was es dir wert ist".

Es geht nicht um Gewinn, Nicole und ihr Team arbeiten ehrenamtlich. Bei der durchmischten Kundschaft gleichen sich die unterschiedlichen Preise wieder aus. "Bei uns kaufen Studenten, die froh sind, am Ende des Monats noch günstig Gemüse kaufen zu können", sagt Nicole. "Ebenso kommen wohlhabendere Menschen, die gerne auch das Doppelte als im Biomarkt bezahlen, um unser Projekt zu unterstützen."

So reichen die Einnahmen, um die Miet- und Logistikkosten zu decken. Nicole selbst lebe ziemlich sparsam und finanziere sich durch einen Zehn-Stunden-Job in einer Klimaschutz-Initiative.

(Bild: Annika Eliane Krause)

Für die angebotenen Lebensmittel entstehen keine Kosten, es sind Spenden vom Großhandel, Bauer oder Bäcker. "Niemand schmeißt gerne Lebensmittel weg. Durch eine Kooperation mit uns entsteht eine Win-win-Situation", sagt Nicole. Die Händler sparen sich Entsorgungskosten und der Bierbrauer die Arbeit, seine Flaschen zu entleeren, um wieder an das Pfand zu kommen. Und beim Bauern machen wir die Nachernte. Damit sind alle zufrieden."

(Bild: Annika Eliane Krause)

Eine junge Frau kommt an die Kasse. "Ich kann den Preis nicht einschätzen. Sind es eher zehn oder fünf Euro?" – "Zehn Euro sind viel zu viel nur für Gemüse, sogar mit fünf Euro würdest du uns auf jeden Fall sehr unterstützen", freut sich Nicole. Der Schein wird gegen eine Papiertüte mit Kartoffeln und Rosenkohl getauscht – Müll verwandelt sich in ein Mittagessen.

(Bild: Annika Eliane Krause)

Doch wie kommt Nicole mit einem abgeschlossenem Jurastudium dazu, beim Bauern klein oder schief geratenes Gemüse abzuholen und gegen Spenden zu verkaufen?

"Nach meinem Abschluss bin ich nach Nepal geflogen, um dort bei einer Hilfsorganisation zu arbeiten. Zurück in Deutschland ist mir der Überfluss und die permanente Verschwendung extrem auf die Nerven gegangen", sagt sie. Sie ging mit ein paar Freunden Containern.

"Da habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie viel im Supermarkt weggeschmissen wird. Unmengen an Lebensmitteln, die noch top in Ordnung sind. Das hat mich überwältigt und etwas in mir bewegt. Ich habe mir gesagt, dass ich etwas dagegen tun möchte.“

Die Verschwendung geht mir extrem auf die Nerven
Nicole

Nicole engagierte sich jahrelang bei "Foodsharing", eine Intitiative, die Lebensmittel vor dem Müll rettet. Dort wurde sie später sogar Geschäftsführerin.

"Organisationen wie 'Foodsharing' oder die Tafel kümmern sich um die Lebensmittel, die im Supermarkt keinen Käufer gefunden haben. Aber viele Lebensmittel gelangen erst gar nicht vom Großhändler in den Supermarkt. Und es gibt auch Gemüse, das auf dem Feld bleibt, weil es nicht schön genug für die Regale ist." Seit eineinhalb Jahren geht Nicole mit einigen Helfern regelmäßig zu Bauern und macht nachträgliche Ernten für "The Good Food".

Weil sie das geerntete Gemüse nicht auf dem normalen Markt verkaufen durften, fingen sie im Herbst 2015 mit einem kleinen Marktstand auf dem Gelände eines Hostels an. "Es hat geregnet, gestürmt und geschneit, aber trotzdem super funktioniert, wir haben von Anfang an tolles Feedback bekommen", erzählt sie.

Es folgten zwei Pop-up-Stores in Köln. "Es ist etwas ganz anderes, die Lebensmittel in einem Geschäft zu verkaufen als auf dem Markt, aber auch das lief gut. Es gibt Kunden, die uns seit dem ersten Stand immer wieder besuchen. Viele von ihnen kenne ich mittlerweile persönlich.“

Bei uns wird nichts weggeschmissen – alle Reste werden eingekocht
Nicole

Ein schlanker Mann mittleren Alters betritt den Laden: "Hi Nicole, hast du noch irgendwas Süßes? Wir wollen gleich Kaffee trinken." – "Wie wär’s mit Ingwerkuchen?", sagt sie.

Mit dem Kuchen in der Hand geht er wieder hinaus. "Das war unser Vermieter", sagt Nicole und erzählt, wie sie zu ihrer jetzigen Ladenfläche gekommen sind. "Er war mit seiner Frau in unserem Pop-up-Store einkaufen und sie haben vorgeschlagen, das Geschäft in ihrem Haus auf der Venloer Straße dauerhaft zu eröffnen. Sie sind überzeugt von unserem Konzept und stehen voll hinter uns. Das Ladenlokal ist also quasi zu uns gekommen."

Nicole ist es wichtig, dass sie nicht ausschließlich ein Geschäft betreibt, sie will auch ein Rahmenprogramm mit Filmabenden und Konzerten anbieten. "Gerade planen wir einen regelmäßigen Mittagstisch mit Suppen aus dem eingekochten Gemüse. Wir wollen einen Raum für Austausch und Gemeinschaft sein.

Und du?


Musik

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