Bild: dpa/Mike Nelson

Grün

Diese vier Projekte wollen die Weltmeere von Plastikmüll befreien

21.01.2016, 18:26 · Aktualisiert: 20.05.2016, 10:20

Ein LKW voller Plastikmüll. Und einmal pro Minute kippt er seinen Schund in die Ozeane. Dieses Bild haben Forscher nun in einer neuen Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung skizziert, um den rasanten Zuwachs an Plastik in unseren Meeren deutlich zu machen: Acht Millionen Tonnen kommen pro Jahr hinzu.

Mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren

Die Studie wurde im Rahmen des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos vorgestellt. Und sie hat noch mehr warnende Zahlen parat: Geht die Plastikproduktion so weiter wie bisher, dann werden es bis 2050 vier LKW-Ladungen sein, die pro Minute unsere Ozeane zumüllen. (SPIEGEL ONLINE)

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Bislang sollen rund 150 Millionen Tonnen Plastik umher schwimmen. Forscher haben Schwierigkeiten konkretere Zahlen zu liefern, denn das Plastik ist oft in winzige Partikel zersetzt und scheint in den Weiten der Ozeane fast unsichtbar. Die Bilder von zugemüllten Stränden oder an Müll verendeten Meerestieren bilden nur einen Bruchteil der tatsächlichen Menge ab.

Vier Initiativen wollen mit eigenen Ideen die Ozeane aufräumen.

Wir stellen sie vor:

1. The Ocean Cleanup

Um was geht es? Um riesige Schwimmbarrieren, die den auf der Oberfläche treibenden Plastikmüll aufsammeln. Die Barrieren sehen aus wie gekrümmte Schläuche und sollen bis zu 100 Kilometern lang werden. Müll, der durch die Strömung gegen die Schläuche getrieben wird, verfängt sich in der Krümmung – und kann später eingesammelt werden. Anders als bei Netzen würden sich Lebewesen in den Barrieren nicht verfangen.


Wer steckt dahinter? Ein 21-jähriges Wunderkind aus den Niederlanden. Boyan Slat hatte die Idee zum Cleanup-Projekt 2012 in seinem letzten Schuljahr. Er tüftelte an Machbarkeitsstudien, hielt Vorträge und sammelte für einen ersten Test 2013 binnen zwei Wochen 90.000 Euro ein. Mittlerweile hat er in einer Crowdfunding-Kampagne zwei Millionen Dollar gesammelt und steht kurz vor den ersten Großtests.

Was bringt die Idee? Die Barrieren könnten Erfolg haben. In wenigen Wochen sollen sie vor den Niederlanden und der japanischen Küste zum Einsatz kommen. Spätestens in vier Jahren, so Boyan Slat, würden sie regulär in Betrieb gehen. Geld und ausreichend Unterstützer hat der Niederländer, Kritik kommt nur von einigen Meeresforschern. Die sind skeptisch, ob die schwimmenden Schläuche heftigem Wetter standhalten können.

2. One Earth – One Ocean

Um was geht es? "One Earth – One Ocean" (OEOO) will gleich an mehreren Fronten für saubere Ozeane kämpfen. Ein Team von Freiwilligen befreit die nigerianische Küste in regelmäßigen Arbeitseinsätzen von Öl. Im Sommer 2015 waren erstmals Helfer vor Ort, für Januar und März sind neue Termine geplant. Plakativer angelegt ist die "Seekuh" – ein speziell umgebauter Katamaran, der Plastikmüll aus dem Wasser filtern soll. Ein unter dem Katamaran gespanntes Netz soll pro Fahrt bis zu drei Tonnen Müll aufsammeln. ("Ingenieur.de")

Wer steckt dahinter? OEOO ist ein Umweltschutz-Verein aus München. In Nigeria arbeiten sie mit lokalen Aktivisten zusammen, in Deutschland baut eine Reederei aus Lübeck an der "Seekuh". Im Netz wirbt OEOO mit einer Infopage und einem provozierenden Film für mehr Achtsamkeit am Strand:


Was bringt die Idee? Während die Hilfe in Nigeria vor allem lokal Gutes tut, ist der Bau der "Seekuh" größer angelegt. 250.000 Euro kostet die Fertigung eines Katamarans. Der Prototyp ist fast gebaut, noch im Frühjahr soll die Probefahrt stattfinden. Erste globale Einsätze sind vor Kapstadt und Rio sowie im Niger-Delta geplant. Hat das Projekt Erfolg, kommen weitere "Seekühe" hinzu. Und ein größer angelegter "Seeelefant", der den Müll noch auf See zu Öl recycelt.

3. The Seabin Project

Um was geht es? Der Seabin ist eine Art Mülleimer für die Weltmeere. Die Konstruktion wird so ins Meer gestellt, dass sich die Öffnung unmittelbar unter der Wasseroberfläche befindet, im Inneren des Eimers befindet sich ein Netz. Wenn Wasser in den Eimer strömt, werden Müll und Plastikteile in dem Netz gesammelt, der Rest des Wassers entweicht unten durch eine Öffnung – und ist sauber. Außerdem kann er mit einer Erweiterung ausgestattet werden, die Öl und Wasser trennt. (bento)


Wer steckt dahinter? Andrew Turton und Pete Ceglinski, zwei Australier, denen "ihr" Ozean am Herzen liegt.

Was bringt die Idee? Bisher haben Andrew und Pete einen Prototypen gebaut. Im November 2015 starteten sie eine Crowdfunding-Kampagne, im Januar wurde diese erfolgreich beendet. Spätestens bis Ende 2016 sollen die Seabins in die ganze Welt verschickt werden. Die Seabins sollen, so die Idee, in Küstennähe aufgebaut werden, insbesondere in Häfen: Die Weltmeere werden sie also nicht komplett säubern können. Aber das wissen auch die Erfinder: "Sure we cant catch everything right now but its a really positive start."

4. Clean Oceans International

Um was geht es? "Clean Oceans International" (COI) bietet Aufklärung und Forschung rund ums Thema an. Wichtigster Ansatz von COI ist, Plastik zu recyceln: In Zusammenarbeit mit der Firma EcoFuel arbeiten sie an Minireaktoren, die Plastik in Brennstoff verwandeln ("Plastic to fuel" – P2F).
Plastic to Fuel conversion study

This is a part of our plan for reducing plastic pollution impacts. Please consider supporting our effort to provide profitable motivation to steward plastic waste on a global basis. The new P2F options are scalable to fit the needs of remote or isolated communities that are so often heavily impacted by the waste of modern society.

Posted by Clean Oceans International on Freitag, 14. August 2015


Wer steckt dahinter? Ein Schiffskapitän und seine Non-profit-Organisation aus Santa Cruz, Kalifornien. COI hat sich 2008 gegründet und arbeitete zunächst an einer Art Schleppnetz, um Müll im großen Stil aus dem Wasser zu fischen. Als die Kosten zu hoch wurden, konzentrierte sich die Organisation auf P2F.

Was bringt die Idee? Die P2F-Reaktoren von EcoFuel sind bislang alles andere als ausgereift. Bis zum Masseneinsatz könnte es noch Jahre dauern. Außerdem helfen sie zwar den Müll zu recyceln – allerdings nicht, ihn aus dem Meer zu holen. Und die Crowdfunding-Kampagne kommt auch nicht ins Rollen. COI hat das selbst erkannt und organisiert derzeit vor allem Aufräumaktionen, zum Beispiel an Stränden in Alaska.

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