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Grün

Frankreich hat einen Plan für alte Lebensmittel

05.02.2016, 20:59 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Weniger Verschwendung, mehr Essen für Bedürftige

Obst und Gemüse, Brot, Nudeln, Schokolade, Fleisch – Wenn am Ende der Woche Lebensmittel übrig sind oder das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist, werfen Supermärkte die betroffenen Produkte meist einfach in den Müll. In Frankreich ist damit jetzt Schluss: Ein neues Gesetz sieht vor, dass Supermärkte übriggebliebene Lebensmittel nicht mehr einfach wegwerfen oder vernichten dürfen.

Stattdessen müssen sie die Produkte, die noch essbar sind, an Tafeln oder andere Wohlfahrtsorganisationen spenden. Die Leiter der Supermärkte sollen dazu Spendenverträge mit entsprechenden Einrichtungen abschließen. Das Ganze soll zwei Effekte haben: auf der einen Seite weniger Lebensmittelverschwendung, auf der anderen mehr Essen für Bedürftige.

Lebensmittel nicht mehr absichtlich verderben

Neben den Spenden enthält das neue Gesetz weitere Regeln: Können die übriggebliebenen Lebensmittel zum Beispiel nicht mehr verzehrt werden, müssen sie zu Tierfutter verarbeitet oder kompostiert werden. Außerdem dürfen Supermärkte Lebensmittel künftig nicht mehr absichtlich verderben, bevor sie weggeworfen werden. Damit sollte in der Vergangenheit das sogenannte Containern verhindert werden; dabei suchen Menschen in den Mülltonnen von Supermärkten nach Essbarem.

Und auch für die Empfängerorganisationen gibt es Vorschriften: Sie müssen die gespendeten Lebensmittel unter hygienischen Umständen sammeln und lagern, und sie müssen das Essen später mit "Würde" verteilen, dürfen es also zum Beispiel nicht einfach auf der Straße ausgeben.

Das Gesetz geht auf eine Petition zurück, die von dem französischen Gemeinderat Arash Derambarsh gestartet wurde und auf change.org mehr als 200.000 Unterstützer sammelte. Ziel der Petition war es, ein Gesetz zu bekommen, das alle Supermärkte dazu zwingt, unverkaufte Produkte zu verteilen. Ganz erreicht wurde dieses Ziel allerdings nicht: Das Gesetz gilt nur für große Supermärkte, also solche mit einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern und mehr.


Im vergangenen Jahr hatte das Gesetz bereits die Nationalversammlung passiert, nach einigem Hin und Her stimmte am Mittwoch nun auch der Senat einstimmig zu. Damit sind die neuen Regelungen endgültig angenommen, sie gelten ab sofort. Die Initiatoren der Petition feiern das als "première dans le monde", also als Weltpremiere. Tatsächlich gibt es eine vergleichbare Regelung bislang in keinem anderen Land. Die Aktivisten haben deswegen bereits ein neues Ziel: Sie wollen, dass das Gesetz auf die gesamte EU ausgeweitet wird.

Kritik an dem Gesetz kommt zum Beispiel vom WWF: Er prangert an, dass es sich nur an eine Branche richtet, notwendig sei aber "eine Gesamtstrategie, die alle Bereiche berücksichtigt und in die Pflicht nimmt". In Deutschland zum Beispiel würden nur 14 Prozent der verschwendeten Lebensmittel auf den Handel entfallen. 39 Prozent werden von Privatkonsumenten weggeworfen, dazu kommen Gastronomie und Landwirtschaft.

Weitere Quellen: The Guardian, Le Monde, Business Insider