04.10.2017, 12:29 · Aktualisiert: 05.10.2017, 11:21

Die Äpfel kommen in der Schale, der Kopf Brokkoli ist genauso eingeschweißt wie die Gurke, über Nudeln und Milch müssen wir gar nicht erst reden: Unser Wocheneinkauf kommt in Plastik gewickelt daher.

Wenn wir konsumieren, dann eigentlich nie ohne Verpackung.

Das bedeutet: jede Menge Abfall. Auf Kosten der Umwelt.

Bilder von brennenden Müllbergen, Plastiktüten, die auf Flüssen treiben oder sezierten Fischen, deren Mägen mit Plastikstückchen gefüllt sind, kennt mittlerweile jeder.

Milena Glimbovski will, dass damit Schluss ist. Sie gründete 2014 Berlins ersten Supermarkt ohne Verpackungen. Da war sie gerade mal 22.

Bei "Original Unverpackt" in Kreuzberg müssen die Kunden Tupperware und Vorratsgläser mitbringen, um Müsli, Obst und Gemüse oder einfach nur Haushaltszucker einzukaufen.

Rückblickend wurde das Start-up ein voller Erfolg und brachte den "Zero Waste"-Lebensstil nach Deutschland.

Gesteuert wird das kleine Unternehmen aus dem CRCLR, einem Coworking-Space für Start-ups im Berliner Neukölln. Draußen wächst Kapuzinerkresse und Zucchini in Hochbeeten, im Hof filmen Skater ihre Tricks.

Der rustikale Industriecharme täuscht aber, in der alten Lagerhalle der Brauerei ist es gemütlich und warm. Die Heizung wurde Anfang der Woche zum ersten Mal in Gang gebracht.

Milena sitzt in Norweger-Pullover auf einem Sofa vom Flohmarkt.

"Den Pulli hab ich auf Kleiderkreisel gefunden", sagt sie. Auch bei ihren Klamotten achtet die junge Gründerin auf Nachhaltigkeit.

Jetzt will sie die Menschen auch über Berlin hinaus vom Verpackungswahn befreien. Deshalb hat sie ein Buch geschrieben. In "Ohne Wenn und Abfall" erzählt sie, wie sie dem Plastik abschwor – und was man tun muss, um das auch zu schaffen.

Wir haben mit Milena über Abfall und ihre Tipps für einen umweltbewussteren Lebensstil gesprochen.

Zero Waste hört sich erstmal gut an. Ist das letztendlich aber nicht nur was für das eigene Gewissen?

Wir werden den Klimawandel dadurch nicht aufhalten. Das ist mir auch klar. Dafür müssen wir aufhören, Fernreisen zu buchen, Auto zu fahren und auf Fleisch verzichten. Mir geht es aber darum, unsere Umwelt, die Natur, zu schützen.

Es wurde lange davon geredet, dass Plastik problemlos recyclebar sei. Das ist Bullshit
Milena

Nur ein Fünftel des recycleten Plastiks ist tatsächlich wieder nutzbar, ein Bruchteil also. Außerdem wird die überwiegende Menge des anfallenden Plastikmülls verbrannt oder gelangt durch Abwasser in die Meere. Auf beide Weisen werden Ökosysteme zerstört. Und das will ich vermeiden.

Was kann ich sofort verändern, um weniger Müll zu produzieren?

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Und welche Fehler lassen sich leicht vermeiden?

Dass man keinen eigenen Beutel dabei hat. Ein Jutebeutel passt wirklich in jede Tasche und jeden Rucksack und ist der ideale Einkaufsbegleiter.

Mich regen auch Wasserflaschen auf. Eine Flasche, die man immer wieder auffüllen kann, lässt sich fast überall erwerben. Das spart einem, dass man jeden Tag eine Plastikflasche auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit kauft.

Außerdem machen es sich viele viel zu kompliziert: Wenn du erstmal eine Sache veränderst, macht das schon viel aus.

Wann hast du das letzte Mal richtig viel Müll produziert?

Als ich umgezogen bin und eine neue Matratze brauchte. Horror. So viel Plastik habe ich seit Jahre nicht mehr in die Mülltonne geworfen. Aber da war mir meine Rückengesundheit einmal wichtiger als meine Zero-Waste-Doktrin. Man ist halt auch nur ein Mensch. Ich zwinge niemanden, keinen Abfall mehr zu produzieren. Aber ich will, dass jeder darüber nachdenkt, ob er seine Tomaten zum Abwiegen in eine Plastiktüte packen muss.

Gleich muss Milena los, ein Impulsvortrag steht bevor. "Eigentlich nur ein paar Minuten reden, aber ich bin trotzdem aufgeregt", sagt Milena. "Ich hab einfach so viel im Kopf, das ich erzählen will. Es fällt mir schwer, das zusammenzufassen."

Dafür gibt es jetzt ihr Buch. Da konnte sie alles reinschreiben, was sie über die Jahre gelernt und entdeckt hat – auf über 280 Seiten.

"Ohne wenn und Abfall"

Milenas Buch erscheint am 5. Oktober bei Kiepenheuer & Witsch. Wenn du es über diesen Link kaufst, bekommen wir eine Provision. 


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