Bild: Imago/Westend61

Grün

Die Refill-Bewegung wird zum Trend – bald könntest du überall gratis Wasser bekommen

10.11.2017, 17:28 · Aktualisiert: 13.11.2017, 17:10

... und die Plastikflasche zu Hause lassen.

In wenigen Ländern gibt es so gutes Leitungswasser wie in Deutschland – in vielen ist es aber einfacher, in einer Innenstadt kostenlos welches zu bekommen.

Trinkbrunnen im öffentlichen Raum gibt es bei uns kaum und wenn doch, kennen nur Jogger und Touristen sie.

Hast du einfach nur Durst und willst dich nicht in ein Café setzen, bedeutet das in der Regel: Im Supermarkt oder am Kiosk ein Wasser kaufen, das in einer Plastikflasche aus Frankreich oder Italien hergebracht wurde.

Schlecht für die Umwelt, schlecht für's Geld und einfach nur überflüssig, findet die Bloggerin Stephanie Wiermann. Inspiriert durch eine Initiative aus Bristol hat sie die Refill-Bewegung nach Deutschland gebracht.

Die Idee ist einfach und praktisch: Geschäfte und Läden füllen dir einfach so Leitungswasser ab.

  • Der Preis: nur nett fragen.
  • Die Bedingung: eine saubere Flasche dabei haben.
  • Die Vorteile: kein Plastikmüll, keine völlig unverhältnismäßigen Ausgaben für Pyrenäen-Wasser, keine genervten Blicke von Kellnern und keine semi-appetitlichen Abfüllaktionen auf Restaurantklos.
Stephanie Wiermann

Stephanie Wiermann (Bild: privat)

Anfang des Jahres startete Stephanie Wiermann das Projekt in Hamburg.

Mittlerweile ist daraus eine deutschlandweite Bewegung geworden.

Mit Stuttgart geht diese Woche die 50. Stadt an den Start. Die meisten größeren Städte sind schon so gut mit teilnehmenden Shops abgedeckt, dass eine Durststrecke nur wenige Gehminuten dauern muss.

Allein in Berlin sind über 230 Wasserstellen registriert, in Köln und München sind es je um die 40.

Darunter:

  • Cafés,
  • Restaurants,
  • Apotheken,
  • Friseure,
  • Waxingstudios,
  • Juweliere,
  • Fahrrad- und Buchläden.


  • Refill Station werden kann jedes Gewerbe mit einem Wasserhahn und festen Öffnungszeiten.

So sieht das Refill-Netz in verschiedenen Städten aus:

1/12

Wo man den nächsten teilnehmenden Laden findet, verrät eine Stadtkarte auf der Website www.refill-deutschland.de. Sticker an den Locations helfen, sie auch noch in dehydriertem Zustand zu erkennen.

(Bild: Refill Hamburg)

Die Aktion ist eng verbunden mit der Zero Waste Bewegung, also dem bewussten Vermeiden von Müll. Die Entwicklungen sind nämlich insbesondere in Bezug auf Plastikflaschen alarmierend: Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf ihrer Website veröffentlichte, werden in Deutschland stündlich zwei Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht.

Das macht pro Tag rund 46 Millionen und im Jahr etwa 17 Milliarden Stück. Die benötigte Menge Plastik entspricht dem Gewicht von mehr als 140.000 Elefanten oder einem Flaschenstapel, der 16 Mal von der Erde bis zum Mond reicht.

Zero Waste: Das sind weitere Tipps gegen unnötigen Müll

1/12

Schaden sich die teilnehmenden Cafés mit der Aktion nicht selbst?

Eher nicht. Die Reaktion sei extrem positiv, sagen die Organisatoren, nur wenige der angefragten Läden verweigerten ihre Teilnahme. Ohnehin dürften die Kunden kaum aufhören, Café zu bestellen, nur weil sie sich Leitungswasser abfüllen dürfen. Die Läden verlieren also eher keinen Umsatz.

Das Prinzip funktioniert übrigens nicht nur mit Trinkwasser:

Das Ziel der Deutschland-Pionierin: Die eigene Bewegung überflüssig machen.

Derzeit arbeiten die lokalen Teams daran, noch mehr Geschäfte zu fragen, ob sie mitmachen wollen. Langfristig wünscht sich die Initiatorin, dass die Aktion sich selbst überflüssig macht: "Wenn es irgendwann so normal ist, an genügend Orten Leitungswasser zu bekommen, dass jeder seine Flasche dabei hat, braucht auch niemand mehr unsere Aufkleber", sagt sie. Hoffentlich ist es bald soweit.


Videos

Das dritte Geschlecht kommt – aber wie fortschrittlich sind wir wirklich?

10.11.2017, 17:11

Es gibt Menschen, die sich nicht eindeutig als Mann oder Frau einordnen lassen. In Deutschland wurden sie bisher trotzdem als "weiblich"oder "männlich" definiert – oder als gar nichts. Für Intersexuelle, die kein klar definiertes Geschlecht haben, gab es keinen eigenen Begriff. Diese Regelung ist überholt. Das Deutsche Bundesverfassungsgericht hat nun entschieden: Bis Ende 2018 muss in Deutschland das dritte Geschlecht eingeführt werden.

Doch wie fortschrittlich ist diese Neuregelung wirklich?

Tatsächlich geht das Thema Intersexualität bis ins Mittelalter zurück. Intersexuelle hatten bereits 1794 mehr Rechte als nur hundert Jahre später, es gab einen eigenen "Zwitterparagraphen". Alle Infos dazu findest du im Video.