Bild: Armin Weigel/dpa

07.08.2018, 11:35 · Aktualisiert: 07.08.2018, 14:52

Fünf Antworten zur Klimastudie

Kommt eine Heißzeit auf uns zu? Selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens könnten bald entscheidende "Kippvorgänge" im globalen Umweltsystem angestoßen werden, die einen Domino-Effekt auslösen und den Klimawandel unaufhaltsam weiter verschlimmern, schreiben jetzt Klimawissenschaftler. Statt einer Eiszeit drohe eine "Heißzeit".

Aber was bedeutet diese Heißzeit für uns?

1

Was ist eine Heißzeit überhaupt?

Mit einer Heißzeit ist nicht eine Hitzewelle gemeint, wie sie Deutschland derzeit erlebt. Es geht um ein langfristiges Klima-Phänomen.

  • Bei einer Heißzeit würde sich die Erde langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius erwärmen und der Meeresspiegel um 10 bis 60 Meter ansteigen, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
  • Ein internationales Team von Wissenschaftlern diskutiert diese Möglichkeiten in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") und blickt dabei insbesondere auf "Kippelemente im Klimasystem".
2

Und was bitte sind "Kippelemente im Klimasystem"?

Kippelemente im Erdsystem kann man mit schweren Felsbrocken am Strand vergleichen, erklärt Mitautor und PIK-Gründungsdirektor Hans Joachim Schellnhuber. Wenn diese langsam, aber unaufhörlich unterspült werden, könnte irgendwann schon die Landung einer Fliege ausreichen, um die Brocken kippen zu lassen.

"Wir weisen in unserem Artikel darauf hin, dass es im planetarischen System bereits derart unterspülte Felsbrocken gibt, die wir als Kippelemente bezeichnen. Ist die Erderwärmung weit genug fortgeschritten, reicht vielleicht schon eine kleine Veränderung aus, um diese Elemente in einen ganz anderen Zustand zu stoßen."

Beispiele für bereits existierende Kippelemente sind die auftauenden Permafrostböden in Russland, die sich erwärmenden Methanhydrate auf dem Meeresboden und die großen Ökosysteme wie der Amazonas-Regenwald.

Mitautor Johan Rockström, Direktor des Stockholm Resilience Centre und designierter Ko-Direktor des PIK, vergleicht die Kippelemente mit Dominosteinen:

"Wird einer von ihnen gekippt, schiebt dieses Element die Erde auf einen weiteren Kipppunkt zu."
3

Das sind ja finstere Zukunftsaussichten. Wie ist die aktuelle Situation?

In Teilen der Westantarktis seien bereits einige Kippelemente überschritten worden. "Der Verlust des Eises in einigen Regionen könnte dort schon ein weiteres, noch umfangreicheres Abschmelzen über lange Zeiträume vorprogrammiert haben", sagte Schellnhuber.

  • Im Pariser Klimaabkommen ist vereinbart, die globale Erderwärmung zwischen 1,5 und unter zwei Grad Celsius zu stoppen.
  • Das könnte aber nach Angaben der Autoren schwieriger werden als bislang angenommen.

Selbst bei einer Begrenzung der menschengemachten Erderwärmung auf maximal zwei Grad könnten Kippelemente im Klimasystem angestoßen werden, die eine noch stärkere Erwärmung – auch ohne weiteres menschliches Zutun – bewirken, erläuterte Erstautor Will Steffen von der Australian National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC).

Nach Angaben des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnte das bedeuten, dass sich der Klimawandel dann selbst verstärkt – "auf lange Sicht, über Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende".

Derzeit ist die Erde im Durchschnitt bereits gut ein Grad wärmer als noch vor Beginn der Industrialisierung.

Das sind die Folgen des Klimawandels:

Getty Images/Ulet Ifansasti
dpa/Kay Nietfeld
Getty Images/Robertus Pudyanto
Getty Images/Allison Joyce
Getty Images/David McNew
dpa/Mario Hoppmann
EPA/Dennis M. Sabangan
1/12
4

Okay... Zeit für Panik?

Nicht unbedingt. Der Artikel des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung biete zwar eine gute Einordnung von vielen Einzelstudien, bleibe aber recht unkonkret, kommentierte Klimaforscher Reto Knutti von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

Das Autorenteam argumentiere zwar, dass schon bei zwei Grad eine Schwelle hin zu einem deutlich anderen Zustand der Erde liegen könne, verweise aber zugleich darauf, dass es noch unsicher sei, wo eine solche Schwelle tatsächlich liege.

Jonathan Overpeck von der University of Michigan hingegen hält den Artikel für wichtig: Auch wenn es nicht möglich sei, die exakte Erdtemperatur zu bestimmen, bei der eine Kaskade von Kippelementen die Erde in Heißzeit bringe, sei es richtig, sich Sorgen zu machen.

Was können wir tun, um die Heißzeit zu verhindern?

Schellnhuber betont, dass jeder Einzelne etwas beitragen könne, um dem Klimawandel zu begegnen, aber vor allem sei die Politik gefordert. Als Beispiel nennt er den Kohleausstieg:

Die Kohleverstromung ist das schädlichste, was man dem Klima antun kann.

Und auf diese Weise kannst auch du was zum Umweltschutz beitragen:

1/12
1/12
1/12

Mit Material von dpa


Today

EU fordert Mitgliedsstaaten auf, weniger Staatsbürgerschaften zu vergeben

07.08.2018, 10:58

Drei Fragen zu den neuen Regelungen

Die Europäische Kommission fordert ihre Mitgliedstaaten auf, weniger Staatsbürgerschaften an Angehörige von Drittstaaten zu vergeben. Damit will die EU stärker gegen Missbrauch vorgehen. Konkret erklärte die EU-Justizkommissarin Vera Jourova der "Welt":