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Bild: dpa/Patrick Pleul

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Was ist dran an der großen Chemtrail-Verschwörung?

09.11.2015, 18:37 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:22

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat eine heiße Spur.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow hat ein Bild des Umweltbundesamts auf seiner Facebook-Seite. Das Bild zeigt ein Flugzeug am Himmel, dahinter die typische weiße Spur: Kondensstreifen.

Das sind Streifen, die bei feuchtkalter Luft entstehen, wenn sich Wasserdampf in den Abgasen des Flugzeugs verflüssigt. So erklären es Wissenschaftler, so sagt es der Deutsche Wetterdienst (DWD) und eben auch das Umweltbundesamt.

Viele Leute machten unter dem Post deutlich, dass sie das nicht glauben. Eine Auswahl:

  • "Wie kann man so lügen mit dem Bewusstsein, dass man selbst auch vergiftet wird... Hauptsache Geld fließt...".
  • "Nur mal so..diese Lüge vom Bundesumweltministerium wird von einem Politikdarsteller unterstützt...hmm".
  • "Es findet eine schleichende Vergiftung statt, die nicht mehr weg zu diskutieren ist."

Nur mal so. Vom Umweltbundesamt.

Posted by Bodo Ramelow on Sonntag, 8. November 2015


Ramelow wusste, was ihn erwartet. "Ich habe es einfach nur eingestellt und gewartet, wann der Irrsinn losgeht", kommentierte er unter einen der vielen Beiträge zu seinem Post.

Achtung, Chemtrails!

Der Irsinn: Damit meinte er die Menschen, die sagen, dass manche Kondensstreifen auffällig lange am Himmel zu sehen und deshalb nicht auf natürliche Weise entstanden seien. Dabei handle es sich vielmehr um Chemtrails, ein vom englischen Wort für Kondensstreifen (contrails) abgeleitetes Wort: Die Chemtrails sollen aus Spuren von giftigen Chemikalien wie Aluminium bestehen, mit denen die Atmosphäre besprüht werde. Sie vermuten dahinter ein Geheimprojekt, mit dem die Menschen gefügig gemacht werden sollen, damit die Eliten ungestört ihren geheimen Machenschaften nachgehen können: eine ganz große Verschwörung.

Wie viele Anhänger dieser Theorie es gibt, ist nicht bekannt. Sie finden sich nicht nur in Foren im Internet, sondern organisieren sich auch in Bürgerinitiativen wie "Sauberer Himmel". Letztere gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz und in Südtirol. Verbreitet ist die Theorie auch in den USA. Aufgekommen sein soll sie Anfang der neunziger Jahre im Zusammenhang mit Überlegungen zu sogenanntem Geo-Engineering. Damit werden technische Verfahren bezeichnet, mit deren Hilfe der Mensch direkt in das Klima eingreift, beispielsweise im Kampf gegen den Klimawandel (Spektrum der Wissenschaft).

Ein bisschen Geo-Engineering

Den Chemtrails-Theoretikern zufolge werden die versprühten Stoffe nämlich auch dazu benutzt, um das Wetter zu beeinflussen. Grundsätzlich handelt es sich bei Geo-Engineering nicht sofort um Unsinn. Unter Wissenschaftlern sind einige Ideen im Gespräch, wenn sie auch umstritten sind (Süddeutsche). Zum Beispiel gibt es folgende Überlegungen:

  • Sonneneinstrahlung mit Hilfe eines Schirms aus Schwefels abschwächen.
  • Kohlendioxid mit Hilfe von Kraftwerken unter der Erde speichern.
  • Den Ozean mit Eisen "düngen", damit Algen sich vermehren und Kohlendioxid aufnehmen.

Experimente mit Geo-Engineering gibt es bereits, etwa in den USA. Die Bundesregierung gab 2012 bekannt, Versuche von Geo-Engineering nicht verfolgen zu wollen (SPIEGEL ONLINE). Belege, dass Regierungen Gift in die Luft sprühen lassen, um Leuten zu schaden, gibt es nicht. Lange sichtbare Kondensstreifen liegen Wetterforschern zufolge einfach an Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit (Zeit Online). 

Bodo Ramelow erklärte seinen Beitrag später in den Kommentaren mit Sarkasmus: Außerirdische hätten ihn zum Posten des Bildes gezwungen.