Musik

Zugezogen Maskulin: Das Album "Alle gegen Alle" ist eine Bombe der Entrüstung

23.10.2017, 18:23 · Aktualisiert: 23.10.2017, 18:28

"Zugezogen Maskulin" sehen die heutige Gesellschaft definitv nicht durch die rosarote Brille. Diese Rapper sind wütend, und zwar auf alles und jeden: Testo und Grim104 kritisieren auf "Alle gegen Alle" das Instagram-motivierte Geltungsbedürfnis der Menschen, unsere Konsumsucht und die Politikverdrossenheit – natürlich nicht, ohne auch selbst fleißig auf Insta unterwegs zu sein:

Aber die Wut ist auf dem Artwork des Albums gut zu sehen: Aus einer in schwarzen Linien gezeichneten Wolke recken sich Fäuste empor, ein Bauarbeiter mit Molotowcocktail brüllt den Sensenmann an. Man weiß: Auf dieser Platte knallt es.

Die Tracks sind mit brachialen Beats und dröhnenden Bässen unterlegt.

Produziert wurde das Album von Silkersoft, der unter anderem auch für den charakteristisch starken Sound von Caspers Single "Lang lebe der Tod“ gesorgt hat. Das Intro von "Alle gegen Alle" wirkt wie eine Lawine gröhlender Soldaten, die auf den Hörer zulaufen.

Testo und Grim104 machen auch in den Lyrics klar – jetzt wird der Laden aufgemischt:

"Ende der Gemütlichkeit, hallo Gift und Galle. Ab jetzt heißt die Parole wieder 'Alle gegen alle'."

Die Worte treffen den Hörer wie eine Salve Munition: In "Was für eine Zeit" kritisieren sie die Nichtigkeiten, mit denen die erlebnisorientierte Gesellschaft ihre Zeit verschwendet: Youtube-Videos von Dagibee, sinnlose Listicals à la "Die zehn coolsten Antidepressiva“ und der Frage, wie dem Ex-Freund bestenfalls eine ausgewischt werden kann.

Dazu charakterisiert Zugezogen Maskulin die ganze Generation Nichtigkeit verdammt treffend: Craftbeer trinkend, Mönchsfrisur auf dem Kopf, Bart und Longshirt. Das übergeordnete Motto: Uns geht’s zu gut. Die größten Probleme gehen über die Wahl der Sneaker des Tages nicht hinaus.

Ob sie sich, wie in "Yeezy Christ Superstar", über die Oberflächlichkeit im Rap und das "Erfolgreicher-Rapper- Starter-Kit" mit Turnschuhen Marke Adidas Yeezy lustig machen oder im Track "Uwe und Heiko“ die jugendliche Langeweile, die auf dem Dorf aufkommt, bedrückend auf wenige Minuten verdichten – das Duo macht mit Karacho auf sich aufmerksam, gibt kluge Denkanstöße und schafft gleichzeitig Tracks mit Ohrwurmpotenzial.

"Alle gegen Alle“ ist wie eine Bombe der Entrüstung in Zeiten der bedeutungslosen menschlichen
Interaktion.
Es fällt, während man das Album hört, schwer zu glauben, dass die auf Hochglanz polierte Gesellschaft den Knall dieser Detonation nicht hört und wachgerüttelt wird. Aber das ist vielleicht mit das schlimmste an dieser emotionalen Kritik - wenn die Musik aus ist, dreht die Welt sich einfach weiter.


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