Bild: Nadin Rabaa

Musik

Wie junge Künstlerinnen gegen Sexismus in der Musikindustrie kämpfen

05.11.2017, 12:41 · Aktualisiert: 05.11.2017, 13:41

Wir haben uns auf dem Operation Ton-Festival umgehört.

Sexismus ist in der Kreativindustrie genauso an der Tagesordnung, wie in anderen Bereichen, in denen Männer und Frauen zusammenarbeiten. Aktuell rücken die Fälle Harvey Weinstein, Dustin Hoffmann und Kevin Spacey sexistische Handlungen in der Filmindustrie ins Scheinwerferlicht (bento). 

Und auch die Musikindustrie wird von Männern dominiert. 

So sprach Rapperin Nicki Minaj den Missstand in einem Tweet vor kurzem an:

Das Sexismus in der Musik an der Tagesordnung ist, sagen auch Sängerin und Producerin Mine und die Rapperin Leila Akinyi.

Wir haben mit den jungen Musikerinnen auf der Operation Ton darüber gesprochen, inwiefern Sexismus in der Musikindustrie sie bisher betroffen hat und wie sie damit umgehen.

Operation Ton

Operation Ton, ist das Festival für musikalische Zukunftsfragen, so steht es auf der Webseite und fand vom 3.-4. November in Hamburg statt. Es ging in Workshops unter anderem darum, Musiker zu eigenwilliger Musik zu inspirieren und Musik neu zu denken. Und vorallem: Über Popkultur zu sprechen. Das Festival findet schon seit 2007 statt. 

Mine, Sängerin, Songwriterin und Producerin

Es ist definitiv so, dass Männer die Musikwelt dominieren. Wenn Frauen in der Branche arbeiten, sind das oft Sängerinnen - keine Schlagzeugerinnen, Bassistinnen oder ähnliches. Ich kenne keine einzige Gitarristin! Und wenn es eine Musikerin gibt, die beispielsweise ein Instrument spielt, hält sich ihr Erfolg sehr in Grenzen. 

Sexismus findet auch in der Form statt, dass ein Label als Vorgabe hat, nur mit einer Frau im Jahr einen Plattenvertrag abzuschließen. Mir wurde schon von diversen Plattenfirmen gesagt, dass die Stelle der Frau in der Popmusik für das Jahr schon besetzt ist. Manche Radios haben die Regel, dass keine zwei Songs von weiblichen Musikerinnen hintereinander laufen dürfen.

Alleine, wenn ich sage: "Ich bin ne Frau und ich mach Popmusik – dann ist es eigentlich schon zu Ende."

Alle Leute, die sich ernsthaft mit Musik auseinander setzen, haben dann ein schlechtes Gefühl. Wahrscheinlich denken sie dann an niedrige, belanglose und anspruchslose Musik. Ganz oft können Leute auch gar nicht glauben, dass ich auch Produzentin bin. Da haben sogar schon Freunde von mir gesagt: "Ach, DU produzierst auch?!" Da kann ich nur sagen – ja, ich produziere auch, das geht.

  • Mine hat mit dem Rapper Fatoni das Album "Alle Liebe Nachträglich" aufgenommen. Hier siehst du das Video zur Single "Romcom":

Bei meinen eigenen Projekten achte ich darauf, dass ich mich nicht sexualisiere. In Videos soll es um die Musik gehen, ich trage keine kurzen Sachen, ich liege nicht in irgendwelchen sexuellen Posen herum. Das ist eine Entscheidung, die ich irgendwann mal getroffen habe und bei der möchte ich auch bleiben.

Ich hab das Glück, dass Musiker, mit denen ich zusammenarbeite, mich ernst nehmen. 

Das ist nicht selbstverständlich, gerade Hip-Hop ist sexismusverseucht.

Die Musikindustrie zu verändern, finde ich sehr schwierig. Mir wäre es grundsätzlich wichtig, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Die Akzeptanz von allem Andersartigem, und dazu gehört auch das Frau sein in der Musik. Diese Barriere muss irgendwann fallen.

Leila Akinyi, Rapperin

(Bild: bento)

Ich war 25, als ich entschieden habe, dass meine musikalische Karriere Fahrt aufnehmen soll. Als Frau wurde ich aber schon mein ganzes Leben benachteiligt: Egal, wo du hinkommst, du stehst als Frau immer im Schatten. Vor allem als Frau in der Musik oder im Rap.

Es klingt jetzt blöd, aber in der Zeit habe ich mir Eier wachsen lassen.

Inzwischen habe ich das Selbstbewusstsein, zu sagen, dass ich besser rappe, als jeder Typ. Ich ziehe mein Ding knallhart durch. Die Musikwelt ist von Männern dominiert, das heißt, du musst als Frau immer stark sein. Egal, wo ich hinkomme: Männer veranstalten Konzerte, regeln das Booking und das Management und männliche Künstler stehen auf der Bühne – das sind einfach die, die immer oben stehen.

  • Leila Akinyi ist eine starke Frau im Musikbusiness. In "Kein Weg zu weit" spricht sie über Selbstliebe:

Einmal hat ein Mann einfach während meines Gigs die gesamte Elektronik ausgestöpselt, weil ich angeblich überzogen habe. Das war eine Erfahrung mit Sexismus, die ich gemacht habe. Ich glaube nicht, dass das so passiert wäre, wenn ich ein Typ gewesen wäre.

Im Rap ist es natürlich noch extremer: Wenn ich gemeinsam mit anderen Künstlern für eine Veranstaltung gebucht werde, sind das immer nur Männer und ich. Das finde ich schade.

Ich kämpfe mich als Frau durch, indem ich einfach immer abliefere. Wenn ich auf der Bühne bin, ist jedes Mal Zerstörung angesagt, ich möchte niemals jemanden über meinen Gig sagen hören „Ja, war ‚geht so‘.“ Ich will anderen Frauen Mut geben und ihnen zeigen, dass sie ihren Selbstwert erkennen müssen:

Lass dich nicht unterbuttern von einem Mann.

Ein Mann ist ein Mensch mit einem anderen Geschlecht, davor dürfen wir Frauen keine Angst haben. Selbst wenn ich mal die zweite Passage von einem Song auf der Bühne vergesse, denke ich anschließend immer noch, dass ich die Beste bin.

Aktuell arbeite ich ohne Management und Label – das ist stressig, aber ich fühle mich so besser. Früher habe ich mich vor anderen sehr klein gemacht, mittlerweile weiß ich, dass ich diejenige bin, die entscheidet, in welche Richtung es geht.

Es müssen einfach mehr Frauen Musik machen, vor allem im Rap. 

Lernt es, wenn Ihr rappen wollt und verkauft euch nicht unter Wert! 

Es fühlt sich gut an, dass Leute mich mittlerweile wahrnehmen – denn jetzt wird aufgeräumt!

Redakteurin Hanna zu sexuellen Übergriffen und der leidigen Frage: "Warum haben sie nicht gleich etwas gesagt?"

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