Musik

Warum Kneipenchöre so angesagt sind und wie man mitmachen kann

14.04.2017, 16:02 · Aktualisiert: 24.04.2017, 17:15

"Wir sind nicht nur ein Chor, sondern eine Rockband"

Wir erinnern uns: Im Schulchor konnten fast immer nur die Jungs Alt singen, die Mädchen waren meistens Sopran. Singen galt als uncool und unangenehm – besonders, wenn irgendwelche Kirchenlieder auf dem Plan standen. Peinlich!

Heute ist das ganz anders, Chöre sind das Ding.

Im Chor singen ist alles andere als peinlich, es ist ein Hobby von vielen, die Wartelisten für eine Mitgliedschaft sind lang. In allen größeren Städten treten Chöre in Kneipen und auf Festivals auf, sie organisieren Flashmobs und unterstützen Popstars bei Auftritten.

Was aber macht Chöre wieder so angesagt? Wir fragen bei den großen Chören in Deutschland nach: in Berlin, Köln, Hamburg, Bremen und München.

Berliner Kneipenchor

Berliner Kneipenchor (Bild: Berliner Kneipenchor)

Der Berliner Kneipenchor – im Gespräch mit Nino, einem der Gründer

Wann hat alles angefangen?

Anfang 2011 ging es los. Ich habe in Berlin einen Chor gesucht, in dem die Leute richtig Spaß haben am Singen. Einen, in dem es nicht um Disziplin und einheitliche Chorkleidung geht.

Aber so einen fand ich nicht. Mein Freund Matze schlug vor: Lass uns doch einfach selbst einen Chor gründen.

Was ist seither passiert, wie groß ist der Chor mittlerweile?

Wir haben 30 feste Mitglieder und ein paar Ehrenmitglieder. Viele arbeiten in der Musikindustrie oder machen was mit Medien. Wir ziehen Freigeister an! Die meisten bei uns sind um die 30, die Jüngste Anfang 20, der Älteste Mitte 40. Was in Berlin ja eigentlich Mitte 30 ist.

Und was singt ihr so?

Wir sind ein alternativer Chor, bei unseren Konzerten kommen aber lustigerweise die Songs am besten an, die wirklich jeder kennt. Grönemeyer und die Münchner Freiheit, da kann man dann mit einem Bier in der Hand völlig ironiefrei aus vollem Halse mitsingen.

Wie kann man bei euch Mitglied werden?

Ganz einfach: eine Mail schreiben an nino@berliner-kneipenchor.de. Oder du schreibst auf unserer Facebookseite sieben Sätze über dich: zum Beispiel, wer du bist und welche Gesangerfahrungen du so hast. Von Zeit zu Zeit laden wir dann neue Leute zum Kennenlernen ein. Allerdings ist die Warteliste lang: Wir bekommen jedes Jahr über 200 Anfragen.

Willst du auch mal was singen? Hier sind die besten Kraftklub-Zeilen aller Zeiten:

1/12

Was wollt ihr als Chor erreichen?

Wir wollen eine gute Zeit mit tollen Menschen haben, das erreichen wir jede Woche. Wir sind von anfänglich zwei Stimmen bei sechsstimmigen Arrangements angekommen, haben Platten aufgenommen mit "Bosse" und "K.I.Z." und haben auf dem "Splash" vor 20.000 Leuten gesungen. Mehr geht nicht!

Der Bremer Kneipenchor – im Gespräch mit Simone und Paula, Projektleiterinnen und Gründungsmitglieder

(Bild: Kathrin Truhart)

Wie lange gibt es euch schon?

Seit November 2014. Wir hatten Lust, in lockerer Atmosphäre gemeinsam mit anderen zu singen. In Bremer Cafés und Kneipen haben wir nach Mitgliedern gesucht. Bei der ersten Probe waren 30 Interessierte da, die wir vorher angesprochen hatten. Es waren Leute, die nicht mehr nur allein unter der Dusche singen und das Kneipenleben in Bremen bunter machen wollten.

Top Sause & schönsten Sonntag Euch!

Posted by Bremer Kneipenchor on Sonntag, 19. Juli 2015


Und wie viele Menschen habt ihr aus der Dusche auf die Bühne geholt?

Wir haben gerade 47 Mitglieder. Und eigentlich sind alle noch ziemlich jung, so zwischen 22 und 45 Jahre alt.

Welche Songs singt ihr?

"Sweet Dreams" von den Eurythmics, "My Love Is Your Love" von Whitney Houston, aber auch "Interlude 1" Alt-J oder "I Follow Rivers" von Lykke Li.

(Bild: Bremer Kneipenchor)

Wie kann man bei euch Mitglied werden?

Zum Beispiel, indem man uns direkt anspricht, wenn wir einen Auftritt haben. Oder man schreibt uns per Mail oder Facebook. Leider können wir momentan nur Bässe aufnehmen, weil wir so viele sind. Aber wir haben eine Warteliste. Und natürlich gibt es bei uns kein Vorsingen – es geht um Spaß!

Der Kölner "Because"-Chor – im Gespräch mit Andreas, Chormitglied

(Bild: Because Chor)

Warum seid ihr besonders?

Unseren Chor gibt es seit über zehn Jahren. Wir wollen die Juwelen aus eigenen Plattenschrank mit Gleichgesinnten singen – und zwar gerade die, die es sonst nie auf die Chorbühne schaffen würden. Und: Wir singen ausschließlich unsere Lieblingssongs. Jeder ist aufgerufen, einen oder mehrere Songs einzureichen.

Wer macht bei euch mit?

Der Chor besteht aus 50 Männern und Frauen. Bei den wöchentlichen Proben sind alle total konzentriert, mit großer Leidenschaft planen wir Konzerte und auch mal einen Flashmob, bei dem wir unangekündigt auftreten.

(Bild: Because Chor)

Welche Songs singt ihr?

"Where The Wild Roses Grow" von Nick Cave & Kylie Minoque, "Special K" von Placebo, "Creep" von Radiohead, aber auch "Das Model" von Kraftwerk.

Wie kann man bei euch Mitglied werden?

Mit ein wenig Gesangs- bzw. Chorerfahrung kann das grundsätzlich jeder. Einfach auf der Homepage nachschauen, ob wir gerade Bass-, Tenor-, Alt- oder Sopranstimmen suchen oder einen zeitweiligen Aufnahmestopp haben.

Der Münchner Kneipenchor – im Gespräch mit Lisa, einer der Gründerinnen

(Bild: Michael Dengler)

Wie lange gibt es euch schon?

Mona und ich haben den Chor im Dezember vor drei Jahren gegründet. Davor hatten wir uns ganz viele Chöre angeschaut – und immer gab es etwas, das uns nicht gefiel. Irgendwann schrieb ich auf Facebook: "München braucht einen Kneipenchor! Wer macht mit?"

Wie viele kamen zur ersten Probe?

Es kamen 30, mittlerweile sind wir 50 Mitglieder. Unser jüngstes Mitglied ist Ende 20, aber im Durchschnitt sind wir alle eher Ende 30.

Was singt ihr?

"Bologna" von Wanda, "Hit Me Baby One More Time" von Britney Spears, "Ace Of Spades" von Motörhead, "Praise You" von Fatboy Slim.

Was wollt ihr denn mit dem Chor erreichen?

Wir nicht nur ein Chor, sondern eine Rockband – und zwar stilecht mit Rippshirts und Jogginghosen.

Die Hamburger Goldkehlchen – im Gespräch mit Flemming, einem der Gründer

(Bild: Hamburger Goldkehlchen)

Euch gibt es noch nicht lang – wie läuft es bei euch?

Wir haben uns im August 2016 sehr spontan gegründet. Mein bester Freund Max und ich hatten einen lustigen Abend in der "Thai Oase", ein Karaokeladen auf dem Hamburger Kiez.

Wir haben die ganze Nacht gesungen. Am nächsten morgen rief mich Max an: "Ey, lass uns einen geilen Männerchor suchen, in dem wir alle Songs singen können, die wir geil finden!"

Ey, lass uns einen geilen Männerchor suchen!
Max zu Flemming

Und heute?

Haben wir 78 Mitglieder zwischen 18 und 40 Jahren.

Wie sucht ihr eure Songs aus?

Wir fragen im Chor, worauf die Leute Bock haben. Wir wollen alle Genre bedienen. Wir singen "Mandy" von Westlife, "Truly, Madly Deeply" von Savage Garden, "Bad Romance" von Lady Gaga oder "Can You Feel The Love Tonight" von Elton John.

Was plant ihr?

Eine Chorfahrt nach Innsbruck. Aber unser ganz großes Ziel ist: ein Konzert in der Elbphilharmonie!

Lass uns Freunde werden!

Today

Möchtegern-Gangster haben mit Fake-Waffen einen Polizeieinsatz in Dortmund ausgelöst

14.04.2017, 14:14

Spitzen Timing, so kurz nach dem BVB-Anschlag

Es ist generell eine dumme Idee, mit täuschend echt aussehenden Spielzeugwaffen durch die Gegend zu fahren. Eine richtig dumme Idee ist es, das in Dortmund zu tun – nur einen Tag nach dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus.

Ein paar Typen haben trotzdem genau das gemacht. Für ein Video sind sie mit einem Sportwagen über die Brückstraße gefahren – und haben einen Einsatz des Spezialeinsatzkommandos ausgelöst. Besorgte Anwohner hatten die Polizei verständigt, nachdem sie eine Person mit einer "täuschend echt aussehenden Langwaffe" sahen, heißt es im Polizeibericht.