Musik

Reich und berühmt werden mit Musik – So klappt’s

03.09.2016, 14:49 · Aktualisiert: 12.04.2017, 16:35

Mehr Arbeit als erwartet.

Popstar werden – das kann man nicht lernen? Quatsch, sagen Musikexperten auf dem Pop-Kultur Festival, das in dieser Woche in Berlin stattfand. Talent ist zwar eine Voraussetzung – aber danach kommt es auf harte Arbeit und die richtige Strategie an.

Wir haben Workshops besucht und uns die wichtigsten Tipps für den Nachwuchs notiert:

1. Die eigenen Ziele kennen

"Zuerst sollte man wissen, was man wirklich will", sagt Beat Halberschmidt, der unter anderem mit Marteria gespielt hat. Für manche bedeute das, Stadien zu füllen, für andere eine eigene EP in Mini-Auflage. Für ihn ist Erfolg bereits: Das schaffen, was man sich vorgenommen hat.

2. Musik als Produkt verstehen

Wer aber viel Geld verdienen will, muss den Markt und Marketing verstehen. Wichtige Fragen, die man für sich beantworten muss, sind laut Halberschmidt: Was macht den eigenen Sound einzigartig? Oder zumindest besonders? Wer ist die Zielgruppe? Und was treibt die Konkurrenz?

In der Slideshow: Die besten Bilder vom Pop Kultur Festival 2016

Roland Owsnitzki
Roland-Owsnitzki
Roland Owsnitzki
Roland Owsnitzki
Janto Djassi
Roland Owsnitzki
Janto Djassi
Janto Djassi
Janto Djassi
Annett Bonkowski
Roland Owsnitzki
Roland Owsnitzki
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3. Commitment! Commitment! Commitment!

Stehen Ziele und Markenkern fest, kommt die wirkliche Arbeit. 40 bis 60 Stunden die Woche sollte man bereit sein, in sein Herzensprojekt zu investieren, findet Halberschmidt. Womit wir bei einem grundlegenden Problem wären, an dem viele Musiker trotz bester Organisation scheitern:

4. Geldgeber finden

Es ist wie so oft paradox: Ohne Geld lässt sich im Musikbusiness nur schwer Geld verdienen. Wer Punkt 3 befolgt, hat für einen anderen Job fast keine Zeit mehr. Aber irgendwie muss also das eigene Leben finanziert werden – obendrauf kommen die Kosten für Equipment, Promotion und Aufnahmen im Studio.

Aber wie lassen sich Geldgeber finden?

Problem: Musiker werden wegen ihrer ungewissen Zukunft häufig nicht als kreditwürdig erachtet. Banken fallen als Geldgeber also meist weg. Private Sponsoren kommen hingegen in Frage – allerdings ist dabei Vorsicht geboten: "Wer Geld von einem privaten Investor annimmt, der muss sich auch mit dessen Werten identifizieren können", sagt Parker Tilghman, der das queere Musikfestival Yo!Sissy organisiert.

Komponisten und Texter können sich außerdem an Musikverlage, Interpreten natürlich an Labels richten (dazu gleich mehr). Lohnenswert ist auch die Suche nach regionalen Förderangeboten – das Musicboard Berlin vergibt zum Beispiel Stipendien und Residenzen. Kultureinrichtungen und Jugendklubs bieten oft Proberäume umsonst.

"Crowdfunding ist extrem zeitintensiv"
Parker Tilghman, Organisator des queeren Musikfestivals Yo!Sissy

Eine immer beliebtere Form der Finanzierung ist das Crowdfunding, zum Beispiel über Seiten wie Startnext (www.startnext.de ). Dabei sollten die Bedingungen der einzelnen Seiten vor einem Aufruf aber genau studiert werden. Was passiert zum Beispiel, wenn die nötige Summe nicht erreicht wird? Und was erhalten die Förderer im Gegenzug?

Wichtig auch: "Crowdfunding ist extrem zeitintensiv", weiß Tilghman aus eigener Erfahrung. Die Kampagne muss auf den sozialen Medien permanent betreut werden.

5. Tauschen

Manches lässt sich auch ganz ohne Geld erreichen: Wer auf der privaten Party eines Produzenten auftritt, der erhält dafür vielleicht einen Platz im Studio. Wer das Logo einer Location auf seinen Flyern unterbringt, kann dafür vielleicht beim nächsten dort stattfindenden Festival auftreten.

Dafür ist allerdings Kreativität, Vernetzung und die Bereitschaft zu Kompromissen notwendig.

6. Label finden

Aber wie weckt man das Interesse eines Labels? Im ersten Schritt ist gar nicht zu viel Aufwand gefragt: "Wir wollen zuerst wissen: Wer ist derjenige? Was hat er schon gemacht? Und wo will er hin?", erklärt Tina Adams vom Label Caroline International. Dazu genügt eine E-Mail mit Hörbeispielen, am besten auf Streamingportalen wie Soundcloud. Videos von Live-Auftritten sind nicht notwendig.

Nicht empfehlenswert: Zu dick auftragen. "Natürlich sollte man von seiner Musik überzeugt sein", so Adams. "Aber wer sich als den Besten, Größten, heißesten Shit überhaupt anpreist, wird schnell unsympathisch."

Wer ein Label gefunden hat, sollte trotzdem einiges beachten: Für wie lange und zu welchem Preis tritt man die Rechte an seinen Werken ab? Wie intensiv wird man dafür eigentlich betreut?

(Bild: Giphy)

7. Alles schriftlich festhalten

Ein Problem, das Beat Halberschmidt immer wieder beobachtet: "Musiker verlassen sich viel zu oft und zu lange auf mündliche Absprachen." Das gilt nicht nur bei Investoren, sondern auch bei der Verteilung von Einnahmen innerhalb einer Band. "Wenn es aber einmal zum Streit gekommen ist, wird es keinen Vertragsabschluss mehr geben."

Also: Auch unter Freunden früh schriftlich fixieren, wer wie viel erhält. Immer auch Kleingedrucktes lesen und bei Unsicherheiten sofort einen Anwalt anheuern.

9. Denk digital

Ihr Publikum finden Musiker heute auf Youtube, Spotify und Deezer. Wer bereits eine gute Idee für die Verbreitung in sozialen Medien mitbringt, wird von Labels eher angenommen. "Wir suchen immer nach Künstlern, die schon wissen, wie sie Wirbel um ihre Band generieren", sagt Product Manager Michael Milinski.

Und wovon träumen junge Musiker?


Trip

Freiwilligendienst: 5 junge Menschen erzählen, was sie im Ausland gelernt haben

03.09.2016, 14:45 · Aktualisiert: 03.09.2016, 17:45

Nach der Schule direkt arbeiten oder studieren? Muss nicht unbedingt sein. Viele entscheiden sich für eine soziale Arbeit im Ausland.

Wir haben mit fünf Menschen gesprochen, die einen Freiwilligendienst in Asien, Afrika, Ost- oder Westeuropa gemacht haben: