Bild: Phillip Himburg

Musik

LGoony ist der Newcomer des Hip-Hop-Jahres. Wir sprechen mit ihm über seine Karriere

28.12.2015, 15:51 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Innerhalb von zwölf Monaten schaffte es LGoony raus aus seinem kleinen Schlafzimmer auf die großen Festivalbühnen des Landes. Er hat Features mit Casper, Money Boy, Zugezogen Maskulin und Vertragsangebote von großen Plattenfirmen. Kritiker gibt es natürlich auch: Sie reduzieren ihn gerne auf sein junges Äußeres und werfen ihm Inhaltslosigkeit vor.

Was an LGoony sofort auffällt, ist seine zurückhaltende und schüchterne Art. Im Verlauf des Gesprächs offenbart sich eine extreme Bodenhaftung und tiefe Liebe zur Kunst und Musik.

Alles begann mit deinem Mixtape "Goonyverse". Erzähl mal.

Kurz nachdem ich es im Dezember 2014 online stellte, kamen ein paar Booking-Anfragen. Die erste Anfrage war gleich vom Splash Mag fürs Splash Festival, dem größten HipHop Festival Deutschlands. Das war richtig crazy. Die hatten mich schon vor dem Mixtape auf dem Schirm. Und als dann das Mixtape rauskam, war klar, dass ich genügend Material für einen Auftritt habe. Dann kamen Anfragen aus Augsburg und anderen Städten.

Wie ging es dann weiter?

Vor dem Mixtape hatte ich schon einige Songs, wie zum Beispiel "Millionen Euro", "Fly Shit" und "Mon€¥, Hom€$, Ho€$, $wag" online gestellt. Testo von "Zugezogen Maskulin" kannte ich zum Beispiel über das Internet, er hat mich von Anfang an supportet. Danach haben es noch andere Artists, wie die "Orsons", "Money Boy", die "Drunken Masters" und "Casper" getwittert.

Was hast du da gedacht?

(Lacht sehr verschämt) Ich bin tatsächlich ziemlicher "Orsons"-Fan gewesen und habe auch noch Poster in meinem Zimmer und so Zeugs. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es solche Wege geht. Es hat mich gefreut auf jeden Fall.

Wie ging es weiter?

"Casper" hat mein Mixtape auf Platz 1 seiner Monatscharts im Januar 2015 gesetzt:

Es haben sich einige Leute bei mir gemeldet. Unter anderem auch zwei Jungs aus Berlin, die gerne ein Video für mich drehen wollten. Das waren Max und Elias von "Live from Earth". Die beiden kamen Anfang 2015 mal in Köln vorbei, und wir haben uns darüber unterhalten und im März dann das Video zu Millionen Euro realisiert. Ich habe mich eigentlich direkt gut mit den beiden verstanden. Sie hatten im Mai eine Veranstaltung in Berlin, für die sie mich buchen wollten. Da haben wir auch das Video zu "Wasser" gedreht.

(Bild: Phillip Himburg)

Auf diesem Konzert war auch "Casper". Wir haben kurz geredet und uns danach über Twitter connected. Er hat mir angeboten, dass ich bei einem seiner Konzerte einen Track performen kann. Das war wirklich komisch. Er hat seine normale Setlist durchgespielt, und dann meinte er plötzlich:

"Vielleicht eine kitschige Geschichte, aber früher bin ich immer auf Konzerte gefahren. Egal ob es 'ne Band oder ein Rapper war. Und ich hab mir immer vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn er den Text nicht mehr kann und er braucht irgendwen aus dem Publikum, der es vielleicht weiterrappen kann. Ich hab immer gehofft, dass genau das passiert. Und es ist nie passiert. (...) Und genau an dem Punkt habe ich gesagt, wenn ich irgendwelche Leute finde, die mir sehr, sehr gefallen, die irgendwas drauf haben, (...) dann möchte ich jedem gerne eine Plattform dafür bieten."

Und dann habe ich mitten im seinem Set meinen Song "Millionen Euros" gespielt. Das war natürlich komisch, weil man es nicht gewohnt ist. Und sagen wir mal so, die Fans wollten das schon alle feiern, haben alle mit den Armen gewedelt. Aber ich weiß nicht, ob sie es wirklich richtig gecheckt haben. Oder ob sie das nur gemacht haben, weil Casper daneben stand und richtig abgegangen ist. Es war auf jeden Fall eine coole Aktion.

Später kam dann die Anfrage, im Sommer auf "Caspers" eigenem Festival, dem "Castival", in Berlin vor 17.000 Menschen zu spielen, zusammen mit der "Glo Up Dinero Gang". Ich fand's lustig. Es hat zwar nicht so richtig gepasst, aber dadurch war es auch nice. Wir standen auf der Bühne und haben dem Publikum gesagt: Hebt eure Hände hoch. Dann haben die auch mitgemacht, aber irgendwann haben die angefangen, "Casper, Casper" zu rufen. Also haben wir dagegengerufen mit "Money Boy, Money Boy". Unsere Mikrofone sind eben etwas lauter.

Du gehörst zur "Glo Up Dinero Gang", der Crew um "Money Boy" herum. Wie kam der Kontakt zustande?

Es gibt eine Facebook-Gruppe, den "Swag Mob". Da geht es sehr viel um "Money Boy" und das Movement. Dort habe ich meine Tracks 2014 gepostet, er hat das mitbekommen und fand es cool. Bis heute haben wir sieben Songs zusammen gemacht.

Wer entscheidet, wer ein Mitglied der Gang werden darf?

Ja, das muss "Money Boy" entscheiden. Er hat mich auch relativ früh gefragt, ob ich Mitglied werden will, als er beschlossen hat dieses "Glo Up Dinero Gang" Ding ernster durchzuziehen. Ich hatte Bock drauf. Deswegen bin ich jetzt GUDG. Ich bin auch übertriebener "Money Boy"-Fan seit 2010.

Wie ging es dann 2015 weiter?

Letztendlich habe ich mit der Agentur Melt Booking einen guten Partner gefunden, außerdem hat sich Verve Merchandise gemeldet, die jetzt meinen Merch machen. Und dann kamen die Labels: Alle waren sehr früh bemüht, mit mir zusammen zu arbeiten. Ob nun Indie Labels oder Majors, ich hatte das Gefühl, das ist erst mal so ein Herantasten und schauen, ob man sich das zusammen vorstellen kann.

Spätestens an dieser Stelle wären viele Rapper durchgedreht und hätten ohne nachzudenken, das Geld genommen und sofort unterschrieben. Du hast bisher nicht unterschrieben und wirkst unfassbar am Boden geblieben. Du scheinst dem System kritisch gegenüber zu stehen, oder?

Das würde ich nicht unbedingt so sagen. Ich habe Angebote bekommen und mich informiert. Aber ich wollte einfach mein Mixtape fertig machen und es raushauen, ohne dass ich auf irgendwelche Sachen, wie zum Beispiel Promo, achten müsste. Das ist für mich im Augenblick am angenehmsten so. Ich denke mir, wenn ich eh kein Album in der Pipeline habe, brauche ich auch kein Label, das mich unterstützt. Ein Mixtape kann ich auch so online stellen. Das funktioniert für mich ganz gut. Hat man ja jetzt beim "Grapetape" gesehen.

Auf welchen Festivals hast du dieses Jahr gespielt?

Dem Berlin Festival, der C/O Pop, dem Reeperbahn Festival, Castival, den Temp Affairs von Live from Earth, dem Zurück Zuhause Festival und dem Splash Festival.

Für nächstes Jahr stehen schon das Puls Open Air, Kosmonaut Festival, Splash Festival und Spektrum Festival sowie eine Tournee zusammen mit Crack Ignaz mit 16 Gigs fest.

Natürlich haben auch viele Medien angefangen, über dich zu berichten. Vom Deutschlandfunk, über 1Live, Intro, Laut.de, BR Puls, Motor.de, Noisey bis hin zu arte und Pigeons and Planes. Eigentlich alle HipHop-Medien sind sich einig, dass du der Musikalischste bist aus der "Glo Up Dinero Gang". Wirst du innerhalb der Gang mit deinem Erfolg aufgezogen?

Bei der GUDG gehöre ich nicht zum allerengsten Kreis. Persönlich habe ich recht wenig mit den anderen Membern zu tun. Man sieht sich ab und zu bei Auftritten, aber ich bin auch bei den wenigsten GUDG-Auftritten dabei. Das war schon immer so. Ich hänge am liebsten mit meinen Leuten aus Köln ab, und die begleiten mich auch meistens zu meinen Auftritten. Für mich ist die GUDG mehr ein loses Kollektiv. Wir wohnen alle in verschiedenen Städten und haben keine Verträge unterschrieben oder so.

Für die GUDG sind Drogen ein wichtiger Teil ihres Lifestyles. Teilst du den?

Ne. Also wenn ich upturnen will, brauche ich eigentlich nichts nehmen. Wenn ich mich auf die Situation einlasse, komme ich von allein in Stimmung, manchmal trinke ich vielleicht ein bisschen Alkohol. Ansonsten bin ich komplett drug free.

Was passiert 2016? Studierst du weiter?

Keine Ahnung. Ich mach erst mal alles weiter wie bisher. Ich studiere noch, gehe aber gerade nicht hin. Die Tour ist genau in der Klausurenphase. Ich mache mir keinen Druck; wenn ich das täte, würde die Musik darunter leiden. Ich bin nicht jemand, der sagt: "Yo, ich mache jetzt ein Mixtape, und das soll dann und dann fertig sein." Ich mache Song nach Song nach Song, und wenn ich genug Songs zusammen habe, dann gucke ich, wie ich es zusammenfüge und bringe es raus. Ich möchte noch ein paar kleinere Projekte machen. Zwei EPs und vielleicht noch ein Mixtape. Ich will viel mit meinem Homie Dj Heroin machen und mit anderen Leuten, die ich dope finde.