Musik

Diese Boyband besteht nur aus Frauen – und ist wahnsinnig erfolgreich

31.03.2017, 14:09 · Aktualisiert: 31.03.2017, 16:17

Ein Schönling, ein Bubi, ein Badboy, ein Streber und einer, der angeblich schwul ist – fertig ist die 90er-Boyband, die mit ihren Popschnulzen auch wirklich jede Zielgruppe erreicht.

Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, zeigt der neuste Popexport aus China: Die aktuell heißgehandelte Boyband "FFC-Acrush" eroberte bei einem nationalen Wettbewerb die Herzen der Zuschauerinnen. Besonders daran ist allerdings, dass in der fünfköpfigen Popgruppe nicht ein einziger Mann zu finden ist.

Husband, also Ehemann, werden die männlichen Popsternchen im Chinesischen gern genannt, weil die schmachtenden Hörerinnen sich gerne eine Ehe mit ihren Idolen erträumen. Und genau solche wurden bei der landesweiten "Husband-Exhibition" gesucht, die vor allem an Universitäten in ganz China ausgetragen wurde.

Acrush waren die strahlenden Sieger, ihre wahre Identität sollen sie angeblich erst danach offenbart haben. Eine schöne Marketing-Geschichte. Auch, wenn diese Erzählweise beim Anblick der Sängerinnen nicht ganz glaubhaft ist.

Denn so sieht die Band aus:

Die Acrush-Mitglieder folgen einem Trend, der in China seit über einen Jahrzehnt extrem populär geworden ist: Crossdressing. Immer mehr Frauen kleiden sich männlich, vermeiden weiblich konnotierte Accessoires oder Frisuren.

Losgetreten hat den Trend die androgyne Popsängerin Chris Lee, die 2005 einen nationalen TV-Popwettbewerb gewann. Inzwischen gehört sie zu den größten Stars des Landes. Die chinesische Unterhaltungsindustrie hatte seither händeringend nach neuen, androgynen Musikern gesucht.

Mit Acrush hat sie diese gefunden: Die jungen Frauen zwischen 18 und Anfang 20 werden im chinesischen Netzwerk Weibo von ihren Fans angehimmelt. Obwohl das erste Musikvideo erst im April ansteht, hat Acrush dort bereits jetzt fast so viele Fans wie die in China ebenfalls beliebte Popgröße Katy Perry. 900.000 Menschen – Tendenz steigend.

Die Band selbst versucht, Worte wie "er" und "sie" zu vermeiden – stattdessen nutzen sie das chinesische Wort "meishaonian". Das bedeutet soviel wie "gutaussehende Jugendliche". Da passt es, dass das "A" im Bandnamen für den mythologischen Schönling "Adonis" stehen soll. (BBC)

Pop aus China: Das ist der crossdressende Superstar Chris Lee

Zhou Xiaobai, der Manager von Acrush, hat für den Erfolg seine eigene Erklärung:

"Das ist eine Gruppe, die Freiheit verspricht."

Ganz so frei sind die Mitglieder dann aber doch nicht. Denn obwohl das Label gerne mit der Jungs/Mädchen-Spannung spielt, dürfen die Bandmitglieder nicht offen über ihre sexuelle Orientierung sprechen. Liebesbriefe weiblicher Fans sind zwar gern gesehen, die 21-jährige Bandchefin Lu sieht sich aber dennoch gezwungen, öffentlich zu erklären: "Natürlich 'mag' ich die Fans nicht zurück." (Quartz)

Neben dem androgynen Freiheitsgefühl vermarktet die Gruppe allerdings noch etwas ganz anderes: Fußball.

Der Ballsport ist das aktuelle Lieblingsprojekt des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

  • Seit er an der Macht ist, wurde Fußball unter anderem verpflichtend in die Lehrpläne an chinesischen Schulen aufgenommen, zur Nachwuchsförderung.
  • In der Saison 2016 gaben chinesische Vereine mit 337 Millionen Euro zudem mehr Transfergelder aus, als die Englische Premier League.
  • Chinas reichster Mann Wang Jianlin erklärte lapidar: "Der Regierung ist Fußball sehr wichtig."

Und deshalb steht das "FFC" im Bandnamen für "Fantasy Football Confederation" und zeigt an, dass die Band Teil von einer Art Sportverein ist. Als solche müssen sie – ebenso wie die anderen Musikgruppen des Labels – dann zukünftig Fußball in ihre Auftritte und Videos mit einbauen.

Weil einige Bandmitglieder zuvor noch nie Fußball gespielt haben, verzögert sich auch das erste Video. Sie müssen das Kicken noch lernen – um dann auch wirklich jede Zielgruppe zu erreichen.

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