Bild: NDR Elbphilharmonie Orchester/ Fotograf: Gunter Gluecklich

Musik

Benedikt, wie ist es, in der Elbphilharmonie aufzutreten?

10.01.2017, 16:21 · Aktualisiert: 10.01.2017, 20:14

Wer seinen nächsten Besuch in Hamburg plant, für den steht ein Ziel wohl schon fest: die Aussichtsplattform auf der Hamburger Elbphilharmonie. Sehr lange warten muss, wer mehr als nur den Blick über den Hafen genießen und auch ein Konzert im großen Saal des Konzerthauses besuchen möchte: Die Karten für die erste Saison sind schon komplett ausverkauft, auch für die günstigeren einstündigen Schnupper-Konzerte.

Dieser Mann nimmt dort bald regelmäßig Platz: Benedikt Kany, 36, spielt Kontrabass im NDR Elbphilharmonie Orchester.

Etwa hundert Musiker haben sich auf seine Stelle beworben, zwanzig wurden zum Vorspielen eingeladen, nur Kany setzte sich durch. Seit August 2015 ist er nun Teil des Ensembles.

Dabei hatte sich Kany zunächst für ein Medizinstudium entschieden, doch dann merkte er, dass ihm die Musik zu sehr fehlte. Nach dem Abschluss setzte er noch ein Kontrabass-Studium oben drauf und bekam seine erste Stelle an der Hamburger Oper.

Am Mittwochabend wird Kany zusammen mit dem Elbphilharmonie Orchester das Eröffnungskonzert im neuen Konzerthaus spielen. bento hat er erzählt, wie sich das anhören wird.

Ist die Elbphilharmonie nun wirklich das Nonplusultra oder geht es noch besser?

Ich habe schon in vielen Konzertsälen in Europa und zum Beispiel in Japan gespielt. Ich kenne keines, das so einen schönen Klang hat wie die Elbphilharmonie.

In der Slideshow: So sieht es in der Elbphilharmonie aus

dpa/Christian Charisius
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Wie muss man sich das vorstellen?

Die Akustik ist wahnsinnig klar und wir Musiker können uns untereinander gut hören. Zum Vergleich: Es gibt alte Plattenspieler, die etwas knistern. Auch das hat seinen Charme. Die Elbphilharmonie ist aber eher die Dolby Surround Anlage.

Mehr als 800 Millionen Euro hat die Elbphilharmonie gekostet. Wie oft wollen Menschen das mit dir diskutieren?

Darauf würde ich gerne viel häufiger angesprochen werden. Dann könnte ich erklären, was für eine Bereicherung dieses Konzerthaus ist. Gerade jetzt ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen: Musik transportiert Positives, ist friedlich, begeistert Kinder, Jugendliche, Menschen aus allen Altersgruppen. Übrigens wird es ja nicht nur klassische Musik in der Elbphilharmonie geben, sondern auch Pop- und Jazzkonzerte.

Rechtfertigt das die Kosten?

Ich kann die Kritikpunkte verstehen, aber letztlich ist es nicht meine Aufgabe, sie zu bewerten. Ich bin einfach nur dankbar, dass die Elbphilharmonie nun mein neuer Arbeitsplatz ist. Ein tolles neues Wahrzeichen für die Stadt.

Wie häufig wirst du von Freunden gefragt, ob du ihnen Karten besorgen kannst?

Sehr oft. Und immer muss ich das Gleiche antworten: Alle Karten für diese Saison sind ausverkauft. Ab Ende August, Anfang September hat man wieder eine Chance. Auch beim Eröffnungskonzert am Mittwoch nimmt niemand von der Familie oder den Freunden teil.

Wie intensiv hast du dafür geübt?

Unsere Proben dauern etwa viereinhalb bis zu sechs Stunden. An Tagen, an denen wir nicht proben, übe ich zu Hause etwa drei bis fünf Stunden. Ich habe ein eigenes Musikzimmer – ein Raum mit einem Notenregal, einem Schreibtisch und einer schalldichten Tür. Wenn ich anfange, Stücke zu üben, höre ich sie mir erst auf CD oder bei YouTube an, dann geht's erst los. Man muss sich das wie bei einem Leistungssportler vorstellen: Die Muskeln müssen in Bewegung bleiben.

Und dann kommt irgendwann das Lampenfieber vor dem großen Auftritt?

Ja, das mag ich schon, seit ich ein Kind bin. Man hat stundenlang etwas individuell vorbereitet und dann darf man es endlich präsentieren. Es ist toll zu spüren, wenn es den Leuten gefällt und sie applaudieren.

Wurdest du als Kind für dein Hobby belächelt?

Zeitgleich zum Kontrabass habe ich auch E-Bass gespielt – in mehreren Bands. Ich brauchte das eine zum Ausgleich für das andere. Beides hat mir sehr viel Selbstbewusstsein geschenkt. Ich wurde nie abgestempelt. Auch meine Orchestermitglieder sind kein bisschen spießig. Das ist nur ein Klischee.

Was kann junge Menschen für die Elbphilharmonie und die Konzerte begeistern?

Angelockt werden viele sicherlich von der Architektur. Außerdem muss es kurze Programme geben, zu günstigen Preisen – und vor allem zu einem frühen Zeitpunkt am Abend, damit man danach noch auf dem Kiez feiern kann. Das versucht die Elbphilharmonie ja schon mit den "Konzerten für Hamburg". Sie dauern insgesamt nur gut eine Stunde.

Was könnte dir bei der Eröffnung Peinliches passieren?

Wenn man seinen Einsatz verpasst oder in eine Pause reinspielt, ist das sicherlich unangenehm. Aber ich sage mal, zu 99,9 Prozent wird das am Mittwochabend nicht passieren. Wir sind alle Profis, darauf kann der Zuhörer vertrauen.


Gerechtigkeit

Erklärt: Warum in Frankreich jetzt jeder automatisch Organspender ist

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