Bild: Rose Bonbon

Musik

Feier die Stadt: Eine Pariser DJane zeigt uns das Nachtleben

19.02.2016, 18:48 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Die besten Partys, DJs und Clubs

Isadora Dartial

Isadora Dartial ist Journalistin und DJ in Paris. Bei Radio Nova, dem vielleicht besten privaten Radiosender des Landes, moderiert sie De la tête aux les pieds und Que Onda?. Für bento stellt sie Clubs, Restaurants und Plattenläden aus Paris vor.

Früher haben spezielle Orte den legendären Spirit der Pariser Partys verkörpert: Das "Le Palace" und das "Rose Bonbon" in den Achtzigern, das "Les Bains Douches" und "The Queen" in den Neunzigern, danach noch das "Pulp", der "REX Club" und viele andere. In den vergangenen Jahren hat sich das geändert. Jetzt feiern die Menschen eher DJ-Crews und Kollektive, die ihre Partys an den spannendsten Orten organisieren.

Ein Überblick:

AC/DC im "Rose Bourbon" 1981

AC/DC im "Rose Bourbon" 1981 (Bild: Getty Images)

Wer es tropisch mag

Seit dem Revival der "Tropicale", also der tropischen Musik, das hier vor ungefähr fünf Jahren begann, findet man in Paris an vielen Orten hot hot heat! Die Institution ist "Tropical Discoteq", eine Partyreihe gegründet von Emile Omar, der zugleich als Musikredakteur bei Radio Nova arbeitet. Seine Partys sind Pflicht für Tropicale-Fans. Bands aus Haiti und Martinique treten zusammen mit Gast-DJs aus aller Welt auf, zum Beispiel Ghislain Poirier oder Hugo Mendez. Zweimal im Jahr wird die Party sogar aufs Wasser verlagert: "Tropical Croisière" nennt sich das dann.

Wenn dir das gefällt, folge den Labels Sofrito, Strut, Soundway.

Weiterer Tipp: Das DJ-Kollektiv Mawimbi macht afrikanischen Elektro und hat eine eigene Radiosendung, die sie einmal im Monat an verschiedenen Orten in Paris aufzeichnen – vor allem im Le Mellotron, einer coolen Bar, hinter deren Pult eigentlich alle guten DJs zu sehen sind.

Seit mehr als zehn Jahren gibt es das Kollektiv Soukmachines. Sie machen nicht nur Musik, sondern auch Kunst und ziemlich abgefahrene Performances. Das Line-Up ist gemischt – genauso wie das Publikum. Sie finden immer wieder besondere Orte für ihre Auftritte. The Pavillon of the DR Pierre in Nanterre beispielsweise war im vergangenen Sommer DER Hotspot.

Danse danse danse... Vogueing und mehr...

Ein neuerer Club in Paris, der gerade durchstartet, ist das La Mano. Die Betreiber haben langjährige Partyerfahrung, sie haben zuvor das "Paris Paris" (vor zehn Jahren ein In-Club) und das "Le Baron" gegründet. Tagsüber ist La Mano Atelier und Restaurant, abends wird es zum Club mit elektronischer Musik.

So wie die "Discoteq" ein Anlaufpunkt für Tropicale-Fans ist, sind die House-Follower im "La Mona" (nicht La Mano!) zu Hause. Nick V – ein DJ-Oldtimer, der schon bei den krassen Guys & Dolls-Partys aufgelegt hat – hat den Club 2008 gegründet. Im "La Mona" tanzen die Leute zu Deep House, Disco, Vintage Garage, alles, was man zum Voguen und Waacken braucht. Du hast keine Ahnung, was das ist? Jeder Abend beginnt mit einem Tanzkurs!

Als nächstes steigt dort im März übrigens "The Berlin Dance"!

MONA 7 YEARS OF NGHTCLUBBING IN PARIS Mona, you dance 'till you drop !#house #garage #disco #vinyl #nickv #vogue #waack #expressyourself #lajava #labellevilloise #7ans Next party : MONA'S SOULFUL JOURNEY w/ VOLCOV & NICK VSat 14th March 2015 / La JavaVideo by Hannah RosselinMusic by Sweet Cream 'I Don't Know What I'd Do (If You Ever Left Me)"

Posted by Mona Paris on Friday, February 20, 2015

La Mamie’s, ein Kollektiv, das sich 2007 gegründet hat, ist auch empfehlenswert. Die machen immer gute Partys in exzellenten Locations. Gemeinsam mit dem Label Cracki Records (machen eine Mischung aus Pop, Disco und Techno) organisieren sie das Macki Music Festival.

Andere tolle House-Parties kommen von Collectif DKO , House of Moda und Alter Paname.

Und natürlich – so offensichtlich, dass ich sie fast vergessen hätte – LA CONCRETE! Das ist ein DJ-Kollektiv, das früher Partys an ungewöhnlichen Orten organisiert hat. 2011 fing alles im "MonteCosy" an, einem Lastkahn auf der Seine. Die Idee: Afterpartys mit exzellentem Sound, von 7 Uhr morgens am Sonntag bis 6 Uhr am Montagabend. Inzwischen haben sie sogar ein Label gegründet und ein eigenes Festival gestartet, das Weather Festival.

Wenn du so richtig tanzen willst und nichts anderes, dann ist der Tap Water Jam was für dich. Einmal im Monat veranstaltet das "The Machine du Moulin" (ein großer Club in der Nähe des Moulin Rouge am Place Blanche) Tanz-Battles. Von 18 bis 23 Uhr kannst du dich warm hüpfen, bevor es weiter in die Clubs geht.

Für Girlpower in der Nacht...

Wenn es um großartige Parties geht, wird dir jeder Pariser Feiermensch die "Lesbian Music Crew" empfehlen. Ihre kill the dj-Partys entstanden im "Pulp", das leider nicht mehr existiert. Chloé, Ivan Smagghe and ihre Crew finden aber immer wieder geniale Orte zum Feiern, und das Lineup ist immer top.

Eine andere Frau, die Paris antreibt, ist Dactylo. Ihre queere Partyreihe "Flash Cocotte" ist seit jeher weit vorn. Alles begann 2007, als die DJs Nizar, Pipi de Frèche, Numéro 6 und eben Dactylo beschlossen, den Pariser Nächten noch mehr Extravaganz zu verleihen. Vier Jahre lang haben sie im l’Espace Pierre Cardin gefeiert, am 30. Januar leider zum letzten Mal. Aber ich bin mir sicher, dass ihre Geschichte an einem neuen Ort weitergeht!

Ein weiterer Klassiker, den du ausprobieren musst, ist die Crew Barbieturix mit der Partyreihe "Wet For Me @ la Machine du Moulin Rouge".

Außerdem: La Trou aux Biches, La KLEPTO und Jeudi Ok (megahot und kostenlos)

QUELLE SOIRÉE!!Merci à vous, à La Machine, aux artistes Lauren Flax, Ena Lind, Rag, Denyse Juncutt, Thuynhan Dao Lissi Dancefloor Disaster ♥ ♥Prochain rdv Barbi(e)turix, mercredi 8 mai au Rex Club avec COCKORICO!

Posted by Barbi(e)turix on Saturday, April 27, 2013

Wenn ihr gute Partys außerhalb von Paris sucht, folgt diesen Crews:

75021, Le Camion Bazar.

Und wenn ihr genug vom Feiern habt....

Dann kann man sich in Paris natürlich auch noch auf andere Weise mit Musik beschäftigen. Eine gute Ausstellung über 30 Jahre Feiern in London und Paris zeigt die Alisa Gallery.

Meine Lieblingssites für das Entdecken neuer Musik aus Paris

... sind La Souterraine, Le Mellotron – und das Grunt Mag für alles, was HipHop angeht. Hier ist zum Beispiel auch Nekfeu zu allererst aufgetaucht, der inzwischen richtig groß ist.

Plattenläden

Neue Musik finde ich auch in den Plattenläden Le Silence De La Rue oder "Born Bad Records" (beide im Viertel Bastille).

Lecker Essen

Wer viel feiert, muss viel essen. Gute afrikanische Restaurants gibt es in der Rue Montmatre. Auch das La Tambour und das Le Pied De Cochon sind sehr gut (alle in der Nähe von Chatelet).

Kleiner Geheimtipp zum Schluss

Zum Schluss verrate ich euch noch ein gut gehütetes Geheimnis: Es gibt eine versteckte Bar in der Rue de Condé. Sie heißt Le Bar und ist bei Tag eine echte Wäscherei. Nachts musst du einen Knopf drücken, um reinzukommen. Viel Glück!

Wie haben euch Isadoras Tipps gefallen? Was sind eure eigenen Clubbingtipps für Paris? Sagt uns per Kommentar Bescheid! Und freut euch auf unseren nächsten City Guide von Soundfriend - diesmal aus Brasiliens Club-Hauptstadt São Paulo.

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