Bild: Jörg Carstensen/dpa

20.06.2018, 16:24 · Aktualisiert: 21.06.2018, 15:27

Cro will, dass ihm Frauen gehören. Geht das wirklich zu weit?

Cro ist am Donnerstag Headliner des Campus Festivals in Bielefeld. Viele Studentinnen und Studenten freuen sich darauf, schließlich ist er einer der beliebtesten Rapper Deutschlands. Vergangenes Jahr war sein Album "tru." 20 Wochen lang in den Charts, kurz auch auf Platz 1. (Deutsche Charts)

Doch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) findet das gar nicht gut. Ihnen ist Cro zu sexistisch und gewaltverherrlichend.

"So oft Cro auch daher kommen mag, seine Texte und seine Inhalte nerven uns seit seiner ersten Single: Wir haben keinen Bock auf Sexismus, in gemachte Geschlechterrollen gedrängt oder zu Sexobjekten degradiert zu werden. Deswegen hoffen wir, Rapper wie Cro ein letztes Mal auf dem Campus Festival gesehen zu haben. Für die Freiheit, für das Leben!"

Cro, der eigentlich so soft rüberkommt wie eine weiche Banane? Und noch dazu eine süße Panda-Maske trägt? Was genau prangert der Asta der Uni Bielefeld an?

In einem Facebook-Posting nennt das Gleichstellungsreferat mehrere Textstellen, die für sie frauenverachtend, transfeindlich und homophob seien. Die Lieder dudelten zwar fröhlich vor sich hin und vermittelten Freude und Spaß. Für den Asta aber ergibt sich bei genauerem Hinhören ein anderes Bild:

  • Frauen würden zu "Chicks" oder "Fick"-Objekten, die keinen Namen haben.
  • In seinem ersten Song "Easy" würde er die Frau, die von ihm schwanger sei und Stress mache, "erschießen". Zu Gute hält ihm der Asta, dass Cro zugibt, sich das nicht zu trauen.
  • Sie finden es außerdem nicht gut, dass Cro Frauen "besitzen" wolle. Genauer gesagt geht es ihnen um diese Songzeile: "Und ich glaub, ich fänd's cool, wenn du mir gehörst"
  • In "Einmal um die Welt" inszeniere er sich als reicher Kerl, "der einer Frau alles kaufen kann". Der Vorwurf: Dabei ginge es um so klischeebehaftete Dinge wie Schuhe.
  • Und auch, dass Cro sich eine perfekte Frau backen möchte, geht nach Meinung des Astas gar nicht: "Es ist hier zu hot, ich bin irgendwo dort Zwischen Apfel, Birne, Pfirsich, modellier 'n Po. Ich zieh' aus einem Schwung ihre Hüfte linke Backe, rechte Backe, rund wie die Brüste, check die Liste, welche Teile ich noch brauch' Scribbel' mir 'ne Skizze, übertreiben ist erlaubt"
  • Über Transsexuelle rappt Cro zusammen mit den Orsons: "Er hatte genug von sei'm Hodensack, Taschenbillard, immer das Gleiche, Also hat Horst gedacht, schneid' ich ihn einfach ab, trete aus, werde links, dann nenn ich mich Monika, weg mit den Nazis, her mit der Scheide"

Hier ist der komplette Beitrag auf Facebook:

Kein Bock auf Sexismus! Kein Bock auf Cro! Nächsten Donnerstag findet das Campus-Festival statt. Dort wird Cro als...

Gepostet von Asta Uni Bielefeld am Dienstag, 19. Juni 2018

Die Bandbreite der Beispiele ist groß. Cros Songzeilen sind wohl irgendwas zwischen nur lieb gemeinten Komplimenten, vulgären Ausdrücken und völlig unangemessenen Aussagen zu Geschlechtsangleichungen.

In den Kommentaren unter dem Post wird aber deutlich: Die meisten können die Vorwürfe des Astas nicht verstehen.

"Was lernen wir daraus? Man kann alles gendern und alles als Sexismus betiteln! Welch wunderbarer Fortschritt, das haben wir doch alle bisher vermisst", wundert sich eine Nutzerin. "Sehr schade, dass hier nicht auf den wesentlichen Grund eingegangen wird, aus dem Cro nicht als Headliner taugt: Seine Musik ist kacke", schreibt ein anderer.

Eine Gruppe, die sich "Die Studenten" nennt, meint: "Die Reaktionen und Aktionen sind ideologisch und nicht rational. Der AStA repräsentiert und vertritt unserer Meinung nach nicht die gesamte Studierendenschaft!"

Der Asta vergleicht Cro mit Kollegah und Farid Bang.

Doch einen Eklat wie bei der "Echo"-Preisverleihung, wird Cro mit seinen Texten wohl nicht auslösen: Kollegah und Farid Bang wurden für ein Album ausgezeichnet, in dem sie sangen: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen." Am Ende wurde der Echo abgeschafft und die Plattenfirma beendete die Zusammenarbeit mit den beiden Rappern. Die Staatsanwaltschaft entschied, die Texte der beiden seien zwar vulgär, menschen- und frauenverachtend, um Volksverhetzung handle es sich aber nicht. (bento)

Auch an der Universität Paderborn gab es im April Ärger um ein Sommerfestival. Damals wollte das Zentrum für Gender Studies einen Auftritt von 187 Strassenbande verhindern – ein deutlich anderes Kaliber als Cro (bento). ("Die Frau, die ich ficke, ist ein Neunziger Baujahr/ Und weil ich so Erfolg bei den Frau'n hab/ Ist Putzen und Blasen für heute ihr Auftrag.")

Auch die Sonderpädagogen äußerten sich in ihrem Blog:

"Für eine Universität wirklich beschämend, guckt man sich mal die Texte der Band an: Die kleinen Nuttensöhne rappen arrogant / spucken große Töne, doch verstecken sich im Schrank / Ey, eure ganzen Schlampen fressen aus der Hand / geh und kauf ihr tausend Rosen, doch sie schmeckt nach meinem Schwanz (aus Millionär Lyrics)."

Am Ende wurde der Auftritt der Strassenbande ganz abgesagt.

In Bielefeld wollen die Asta-Vertrerinnen und -Vertreter zu den Vorwürfen nicht viel mehr sagen.

Für sie sei es generell wichtig, auf sexistische und antifeministische, sowie transfeindliche Meinungen aufmerksam machen.

"Dass der Sexismus von Cro nicht unbedingt die Ausmaße hat wie der der Strassenbande ist uns bewusst."

Bei Cros Label Chimperator hieß es am Mittwoch, der Sänger sei für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Universität Bielefeld ist beim Campus Festival lediglich Kooperationspartner. Veranstalter ist die ortsansässige "Vibra Agency". Auch hier ist man überrascht von den Aussagen des Astas.

In der HipHop-Kultur seien häufig kontroverse Ausdrucksweisen verortet, "die im Rahmen der Kunstfreiheit die Kunstform HipHop begleiten und die auch ein Künstler wie Cro mitunter nutzt", schreibt der zuständige Mitarbeiter Volker Hagen in einer Mail. Dabei ginge es oft Themen wie Liebe, Sex, Geld und Fame. "Dieses Phänomen reicht weiter über den HipHop-Kontext hinaus und prägt den Popdiskurs von den Rolling Stones über die Sex Pistols bis hin zu Notorious BIG."

"Wir sind aber überzeugt, dass der Künstler sich in einer akzeptablen Bandbreite bewegt, was auch die Verkaufszahlen und Reaktionen bei der Präsentation des Line-ups bewiesen. Den Künstler Cro in eine Linie mit Kollegah, Farid Bang und der 187 Strassenbande zu stellen, ist schlichtweg falsch und entspricht in keinster Weise den Tatsachen. Die genannten Gangster-Rapper kommen für unser Festival nicht in Frage."

Offen für die Diskussion sei man bei der Agentur. Allerdings habe man sich gewundert, dass erst am Dienstag die Einwände des Astas kamen – zwei Tage vor dem Festival. Dass Cro auftritt, ist seit April bekannt.

Und dabei wird es laut Veranstaltern auch bleiben.

Korrektur: Das Album stand nicht 20 Wochen auf Platz 1, sondern es war 20 Wochen in den Charts. Wir haben den Fehler korrigiert.


Sport

Brasilianer als braune Würstchen – ist diese Packung rassistisch?

20.06.2018, 15:27

"Weil doch in Deutschland alle weiß sind und in Brasilien alle braun, versteht ihr?"

Der Würstchenhersteller Grillido verkauft in deutschen Supermärkten derzeit ein Produkt, das an das WM-Halbfinale von 2014 erinnern soll. Gastgeber Brasilien unterlag damals Deutschland mit 1:7.

Grillido feiert das mit einer Würstchenpackung, in der sieben weiße Würstchen sind – und ein braunes.

Und drüben auf Twitter finden einige Leute das gar nicht witzig: